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Aktionäre stimmen Lufthansa-Rettung mit 20 % Staatsbeteiligung zu

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Lufthansa   -   Copyright  Michael Probst/Copyright 2020 The Associated Press. All rights reserved
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Die Lufthansa-Aktionäre haben dem Staatseinstieg zur Rettungs des Konzerns zugestimmt.

Vorher hatte die Spitze des Konzerns den Druck auf die AktionärInnen erhöht. Aufsichtsratschef Karl-Ludwig Kley verteidigte das mit der deutschen Regierung ausgehandelte Rettungspaket vor den AnteilseignerInnen, die heute über den Plan abstimmen. Die Lage sei äußerst ernst:

"Wir haben kein Geld mehr", so Kley bei der außerordentlichen Hauptversammlung des Konzerns. Ohne das Unterstützungspaket von neun Milliarden Euro, für das bei der Hauptversammlung eine Zweidrittelmehrheit notwendig ist, drohe der Airline "in den nächsten Tagen die Insolvenz. Mit einer Entscheidung der Eigentümer wurde am Abend gerechnet.

Wann genau es zur Zahlungsunfähigkeit käme, wollte auch der Vorstand auf Nachfrage nicht sagen. Eine Insolvenz oder ein abgeschwächtes Schutzschirmverfahren sei "kein Drohszenario, sondern eine reale Gefahr", sagte Personal- und Rechtsvorstand Michael Niggemann. Dies wäre nach seinen Worten im Fall einer Ablehnung des Staatseinstiegs durch die Hauptversammlung nur noch abzuwenden, wenn sich eine andere Finanzierungslösung fände, die sich aber nicht abzeichne.

Großaktionär Thiele will Rettung zustimmen

Vor der ausschließlich im Internet übertragenen außerordentlichen Hauptversammlung hatte Großaktionär Heinz Hermann Thiele erklärt, dass er dem Rettungspaket zustimmen werde. Wegen der schwachen Beteiligung der übrigen Stimmrechtsinhaber mit einer Präsenz von 39,3 Prozent hätte er mit seinem Aktienanteil von mindestens 15,5 Prozent Gelegenheit zu einer Blockade. Im Vorfeld hatte sich der Selfmade-Milliardär kritisch über den seiner Meinung nach zu starken Staatseinfluss geäußert.

Vor der Unternehmenszentrale in Frankfurt demonstrierten FlugbegleiterInnen für die Annahme des Rettungspakets. Ihre Gewerkschaft UFO hatte dem Plan bereits zugestimmt, der Kündigungen verhindern soll, aber unter anderem Arbeitszeitverkürzungen vorsieht.

Auch die EU-Wettbewerbsbehörde gab grünes Licht für die Staatsbeteiligung. Bedingung ist jedoch, dass die Lufthansa in München und Frankfurt jeweils 24 Start- und Landerechte an Wettbewerber abgibt.

Ryanair will trotzdem gegen die Beteiligung vor dem EU-Gerichtshof klagen. Mit der Genehmigung verrate die Kommission die Prinizipien des EU-Rechts, so der Chef des irischen Billigfliegers.

Tatsächlich könnte die Corona-Pandemie für Billigflieger zum Wettbewerbsvorteil werden, so der deutsche Luftfahrtjournalist Andreas Spaeth: "Das einzige Geschäft, das mittelfristig wieder laufen könnte, ist der Freizeitbereich, also Menschen, die normalerweise kurze Strecken mit Firmen wie Ryanair zurücklegen. Für diese Unternehmen könnte es einfacher sein, sich zu erholen und wieder Marktanteile zu gewinnen, während Fluglinien wie Lufthansa ihr Geschäftsmodell anpassen müssen."

Lufthansa schuldet Kunden 1 Milliarde Euro

Solange die Aktionäre das Rettungspaket nicht gebilligt haben, werden auch Lufthansa-Kunden auf die Erstattung ihrer abgesagten Flüge warten müssen. Das Unternehmen schuldet ihnen laut eigenen Angaben rund eine Milliarde Euro.