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Nach Geheimdienstinfo: Spekulationen um Machtstruktur Nordkoreas

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Nach Geheimdienstinfo: Spekulationen um Machtstruktur Nordkoreas
Copyright  朝鮮通信社/KCNA via KNS
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Hat der bislang absolutistisch regierende nordkoreanische Führer Kim Jong Un einen Teil seiner Machtfülle abgegeben? Offenbar liegen dem südkoreanischen Geheimdienst entsprechende Informationen vor. Demnach soll Kim Jong Un eine Gruppe von Regierungsbeamten dazu befugt haben, selbstständig Entscheidungen zu treffen. Das wäre ein Novum in der jüngsten Geschichte Nordkoreas.

Zu dieser Gruppe soll auch Kim Yo Jong gehören, die Schwester Kim Jong Uns. In deren Kompetenzbereich fällt ein Teil der Außenpolitik, insbesondere die Gestaltung der gespannten Beziehungen zu Südkorea und den USA.

Unbestätigte Geheimdienstinformationen

Wie bei Geheimdienstinformation so üblich: sie sind mit Vorsicht zu genießen und unbestätigt. Zumal die südkoreanischen Agenten und Auswerter in der Vergangenheit nicht immer richtig lagen mit ihrer Lesart der Vorgänge im hermetisch abgeriegelten Nordkorea.

Darüber hinaus handelt es sich auch nicht etwa um eine der Öffentlichkeit zugänglich gemachte Länderstudie, sondern um eine südkoreanischer Ausschusssitzung des Parlamentes, die hinter verschlossenen Türen stattfand. Bei derartigen Gelegenheiten werden Abgeordnete vom Geheimdienst mit Informationen versorgt, die von journalistischer Seite kaum nachprüfbar sind.

Kim im Stress

Nach dem Treffen hatte der südkoreanische Abgeordnete Ha Tae-keung einige der diskutierten Geheimdienstinformationen in geraffter und verkürzter Form an die Öffentlichkeit weitergegeben. Kim habe derzeit keine ernsthaften Gesundheitsprobleme, war zu hören. Und es gebe auch keine direkten Anzeichen dafür, dass er seine Schwester systematisch zu seiner Nachfolgerin aufbauen wolle.

Der Geheimdienst Südkoreas ist allerdings zu der Erkenntnis gelangt, dass der nordkoreanische starke Mann unter "Stress" stehe, was immer das auch konkret heißen mag. Möglicherweise ist dies im Zusammenhang mit den Wirtschaftsproblemen des Landes zu sehen.

Problem mit Abriegelungsfolgen

Ein Parteigremium "diskutiert" derzeit den Fünfjahresplan zur wirtschaftlichen Entwicklung Nordkoreas. Am Mittwoch hatte Kim vor dem Zentralkomitee der Partei eingestanden, dass es aufgrund "unerwarteter und unvermeidbarer Herausforderungen" zu wirtschaftlichen Problemen gekommen sei. Der Lebensstandard der Menschen im Lande habe sich nicht wie geplant verbessert und bei einigen Entwicklungszielen müsse man "ernsthafte Verzögerungen" konstatieren. Derart selbstkritische Einlassungen sind seitens der nordkoreanischen Führung extrem ungewöhnlich.

Nach Expertenmeinung leidet das Land konkret unter den Auswirkungen der COVID-19 Krise, da Nordkoreas extreme Abriegelungsmaßnahmen dazu geführt haben, dass die informellen Handelswege nach China temporär gekappt wurden.

Devisenreserven schrumpfen

Aus südkoreanischen Parlamentarierkreisen konnte in Erfahrung gebracht werden, dass dem Geheimdienst Südkoreas Erkenntnisse vorliegen, nach denen die ausländischen Devisenreserven Nordkoreas geringer seien, als bislang angenommen. Der Geheimdienst wollte eine dementsprechende Äußerung des südkoreanischen Abgeordneten Kim Byung-kees allerdings nicht bestätigen.

Kim Jong Un hatte erst vor wenigen Tagen seinen Regierungschef entlassen. Begründet wurde dies mit wirtschaftlichen Misserfolgen. Zuvor hatten sintflutartige Regenfälle zu schweren Überschwemmungen geführt und tausende Menschen obdachlos gemacht.