Eilmeldung
This content is not available in your region

Gesündere Böden für ein gesünderes Leben

euronews_icons_loading
Gesündere Böden für ein gesünderes Leben
Copyright  euronews
Schriftgrösse Aa Aa

Wissenschaft im Dienst der Natur, um bis 2030 den Großteil der landwirtschaftlichen Nutzfläche Europas zu schützen und zu erhalten. Ein ehrgeiziges Ziel und Thema dieser Futuris-Sonderausgabe.

Missionen für Europa

Es geht um die Missionen, die Europa auf den Weg bringt, um Lösungen für die wichtigsten Herausforderungen unserer Zeit zu finden, wie die Anpassung an den Klimawandel, den Schutz von Land und Meer oder den Kampf gegen den Krebs. Diese Initiative umfasst fünf Sektoren im Rahmen des Programms "Horizont Europa", das 2021 beginnen wird.

Unser Gast, die EU-Kommissarin für Innovation, Forschung, Kultur, Bildung und Jugend Mariya Gabriel erklärt uns, auf was dieser Zehnjahresplan aufbaut und welche Ziele damit verbunden sind.

"Themen wie der Kampf gegen Krebs, der Klimawandel, intelligente Städte, die Gesundheit von Böden, Ozeanen und Meeren wurden ausgewählt, weil sie enorme Auswirkungen auf das Wohlergehen der europäischen Bürger haben", sagt Marya Gabriel. "Wir müssen gemeinsam handeln, um konkrete Ergebnisse zu erzielen. Das zeigen auch die Empfehlungen unserer Berichte; beispielsweise will die Krebsmission bis 2030 drei Millionen Leben retten; auf unserem Kontinent leben weniger als 10 Prozent der Weltbevölkerung, aber 25 Prozent der entdeckten Fälle kommen aus Europa. Wir müssen handeln".

Was sind Schlüsselelemente für den Erfolg dieser Missionen, will euronews-Reporter Claudio Rosmino wissen. Die EU-Kommissarin antwortet:

"Eine Mission muss zuallererst bürgernah sein. Die Bürger müssen sich in ihr wiedererkennen und durch ihre Beteiligung am Prozess Ergebnisse sehen. Deshalb freue ich mich, dass wir diesen Prozess von Anfang an in Gang setzen konnten. Diese neue Politik, der Prozess der Zusammenarbeit, kann für künftige Entscheidungen ein echter 'Game Changer' sein."

Mission "Bodengesundheit und Ernährung"

Bei der Mission "Bodengesundheit und Ernährung" ist das Ziel das Bewahren von 70 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche bis 2030. Missionsleiter Cees Veerman erklärt, welche Art von Maßnahmen ergriffen werden, um dieses Ziel zu erreichen:

"Eine der spektakulärsten Maßnahmen ist natürlich eine weitere Verschlechterung des Bodens zu verhindern. Die Versiegelung des Bodens soll gestoppt werden, seine Verschmutzung. Gesündere Böden durch eine Erhöhung des Kohlenstoffgehalts und seine Kapazität Wasser zu speichern, sodass die biologische Vielfalt, die Landwirtschaft, also die Nahrungsmittelproduktion, die Forstwirtschaft, aber auch die in den Städten lebenden Menschen dazu beitragen können, die Böden in einem besseren Zustand zu erhalten."

Ein Beispiel für diesen Ansatz ist das "Best4Soil"-Projekt. In Österreich wird Landwirtschaft betrieben, die Natur und Wissenschaft verbindet: Böden sind für das Leben auf der Erde von grundlegender Bedeutung. Mehr als 95 Prozent unserer Nahrungsmittel stammen aus der Landwirtschaft. Den Boden gesund zu halten, ist also lebenswichtig.

Zwischen 60 und 70 Prozent der europäischen Böden sind jedoch ausgelaugt, haben zu wenig organische Substanzen und Mineralien, die zu Nährstoffen für Pflanzen und Mikroorganismen werden. Das ergaben die Untersuchungen des "Soil Health and Food Mission Board" und der Gemeinsamen Forschungsstelle.

Das sind die Folgen einer Reihe unangemessener Landpraktiken, wie z.B. intensiver Ackerbau, übermäßige Bewässerung, Verschmutzung durch Chemikalien und Pestizide. Die Böden zahlen auch die Folgen des Klimawandels, der Erosion und des Anstiegs des Meeresspiegels. Im Kontext des Paradigmenwechsels in der Landwirtschaft ist dieser Bauernhof in Österreich ein Beispiel für eine positive Partnerschaft zwischen Natur und Wissenschaft.

Alfred Grand, Besitzer des Grand-Bauernhofs sagt: "Und wenn wir diese beiden Zugänge, den lösungsorientierten Zugang und den problemorientierten Zugang kombinieren, dann kommen wir viel schneller zu einer nachhaltigen Lösung. Wir wollen mit der Wissenschaft gemeinsam neue Lösungen, neue Systeme erproben, evaluieren und dann auch den Berufskollegen, aber auch der Gesellschaft zeigen.."

Gemüsevielfalt aus Handarbeit

Im Rahmen des EU-Projekts "Best4Soil" erprobt dieser österreichische Forschungsbetrieb mit Sitz im niederösterreichischen Absdorf geeignete Verfahren und Fruchtfolgen zur Verbesserung der Bodenverhältnisse.

"Es gibt verschiedene Methoden, die man als Landwirt verwenden kann, dazu gehört zum Beispiel die Anwendung von Kompost, die Aussaat von Winterbegrünungen oder Zwischenbegrünungen oder die Fruchtfolge. Und wir verwenden Kompost, sofort nachdem wir eine Kultur geerntet haben, versuchen wir eine Begrünung anzusäen. Je bunter, je diverser diese ist, je mehr Bodenleben ich mit dem Kompost einbringe, umso gesünder sind meine Böden. Und umso weniger Pestizide muss ich zum Beispiel verwenden", so Grand.

Je nach Art des Bodens kann es Hunderte Jahre dauern, bis die Natur eine ein Zentimeter dicke Schicht fruchtbaren Bodens produziert hat; aber durch schlechte Praktiken kann diese Schicht in nur wenigen Jahren verloren gehen. Der Koordinator des "Best4Soil"-Projekts sagt:

"Die Landwirtschaft steht vor der Herausforderung, die Welt und die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren. Wir sehen in vielen Teilen der Welt, dass die Bodenqualität durch schwere Maschinen aufgrund der intensiven Produktionssysteme sinkt. Deshalb ist es sehr wichtig, dass wir die Bodenbewirtschaftung nachhaltiger gestalten."

Kompost erhält Biodiversität

Auf dem Grand-Bauernhof spielt Kompost eine zentrale Rolle, um die Biodiversität zu erhalten.Vermikompost und Deckfrüchte, Pflanzen, die ausgesät werden, um den Boden vor Erosion zu schützen und die Fruchtbarkeit zu erhalten, sind zwei vorbeugende Praktiken, um die Bodenqualität zu erhöhen. Alfred Grand:

"Für die Bodengesundheit spielt diese Vielzahl an Mikroorganismen eine bedeutende Rolle. Je größer die Anzahl, je größer die Artenvielfalt ist, umso stabiler ist der Boden, umso weniger Krankheiten und umso weniger Probleme habe ich im Boden."

Neben Vermikompost wird thermophiler Kompost getestet, eine andere Naturdüngerart. Er besteht aus einer Mischung aus organischem Material, der Kohlenstoff- und Stickstoff enthält. Forscher analysieren regelmäßig Kompost-Proben, um seine Qualität und die in den Boden und in die Atmosphäre freigesetzten Bestandteile zu überprüfen. Jegliche Verunreinigung soll vermieden werden. Der Kompostbildungsprozess wird durch Bakterien und Pilze aktiviert; dabei können Temperaturen zwischen 60 und 70 Grad Celsius entstehen und es werden Organismen abgetötet, die Pflanzenkrankheiten verursachen. Florian Schütz, Master-Student an der Wiener Universität für Bodenkultur:

"In Zeiten von Klimawandel ist es sehr wichtig, dass wir unsere Energie und Ressourcen schonen. Die Biomasse ist eine Energie- und vor allem auch Stickstoffquelle, bei der wir schauen müssen, dass wir möglichst viel davon sichern."

Das"Market Garden"-Modell

Das "Market Garden"-Modell, das vom kanadischen Landwirt Jean Martin Fortier entwickelt wurde, ist ein Beispiel für den auf der Natur basierenden Ansatz. Das Konzept besteht darin, auf einer kleinen Fläche von etwa einem Hektar gesunde und verschiedene Lebensmittel zu produzieren, die an die lokale Bevölkerung verkauft werden. Schwere Maschinen kommen nicht zum Einsatz.

Livia Klenkhart, Produktionsleiterin des Grand-Gartens, sagt: "Unsere Art und Weise der Gemüseproduktion hat sehr viele Vorteile mit sowohl ökonomischen, ökologischen als auch sozialen Dimensionen. Für mich persönlich ist am wichtigsten, dass Arbeitsplätze geschaffen werden, dass wir den direkten Kontakt zum Konsumenten haben und hier auch eine Aufklärungsarbeit leisten. Und dass wir den Boden und die Umwelt fördern und wieder aufbauen"

Bei nachhaltiger Bewirtschaftung sind Böden der Schlüssel für das Gleichgewicht unserer Ökosysteme. Weil sie wie ein Schwamm wirken, Kohlenstoff speichern und Treibhausgase reduzieren, können Böden die Auswirkungen des Klimawandels abschwächen.