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Frankreich im Lockdown: 60% geben zu, gegen Corona-Regeln zu verstoßen

Paar mit Masken in Paris, 23.05.2020
Paar mit Masken in Paris, 23.05.2020   -   Copyright  AP Photo/Francois Mori
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Viele Franzosen klagen über den zweiten Lockdown, aber offenbar hält sich ein nicht zu unterschätzender Teil der Bevölkerung nicht oder kaum an die von der Regierung vorgeschriebenen Regeln.

Eine jüngst veröffentlichte Umfrage legt offen, dass der zweite Lockdown deutlich weniger respektiert wird als der erste. Nach knapp zwei Wochen - die neuen Restriktionen sind seit dem 30. Oktober in Kraft - geben 60 Prozent der Befragten zu, sich mindestens einmal über sie hinweg gesetzt zu haben.

60 Prozent haben gegen die Beschränkungen des zweiten "Confinement" verstoßen

Wenn man in Betracht zieht, dass im Frühjahr, nach anderthalb Monaten im Lockdown gerade mal 33 Prozent angaben, die Regeln mindestens einmal missachtet zu haben, ist diese Zahl vergleichsweise hoch. Die vom Ifop-Institut zusammen mit Consolab durchgeführte Umfrage zeigt, dass immer mehr Menschen gegen die auf der obligatorischen Ausgeh-Bescheinigung angebenen Gründe verstoßen haben:

- 17% der Befragten gaben an, dass sie beim Einkaufen, Spazieren oder beim Sport die erlaubte Zeit von einer Stunde überschritten hatten

- 23% Befragten gaben an, nicht gezögert zu haben, gleichzeitig mehrere Familienmitglieder zu sich nach Hause einzuladen oder aber sie zu besuchen; das sind immer noch 8 Prozent mehr als im Frühjahr

- 2 % gaben auch zu, dass sie Freunde in der eigenen oder der anderen Wohnung getroffen haben

Schließlich - der französische Ruf verpflichtet - haben 9 % der befragten Personen angegeben, die offiziellen Regeln des Lockdown zum "Vergnügen" gebrochen zu haben; mit anderen Worten: um (s)einen Sexualpartner zu sehen. Das sind 3 Prozentpunkte mehr als während des ersten Lockdowns.

Ist die Jugend schuld?

Die zweite Welle der Covid-19-Pandemie mag sich voll entfaltet haben - die Zahl der Patienten auf den Intensivstationen der Krankenhäuser stiegt, erst am vergangenen Mittwoch kamen 351 neue Patienten dazu, insgesamt sind es fast 4.800 seit dem Beginn der zweiten Welle seit Anfang September - doch vielen Franzosen scheint der Ernst der Lage nicht bewusst zu sein.

François Kraus, der Direktor der Abteilung für politische und aktuelle Angelegenheiten des Ifop-Instituts, erklärt förmlich: "Die Einhaltung der Beschränkungen ist weniger streng, die Angst um die Gesundheit ist weniger ausgeprägt."

Der erhobene Zeigefinger richtet sich vor allem gegen die Jugend: das Gefühl der Unverwundbarkeit bei einigen jungen Menschen, vor allem bei denen, die allein leben, bedeutet, dass sie die allgemeine Aufweichung der Regeln weiter nutzen werden, um eine Art der Geselligkeit aufrecht zu erhalten.