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"Gewinnen Kontrolle zurück" - Hat Frankreich das Schlimmste überstanden?

Frankreichs Ministerpräsident Olivier Veran überwacht die Verlegung von COVID-19-Patienten in Lyon
Frankreichs Ministerpräsident Olivier Veran überwacht die Verlegung von COVID-19-Patienten in Lyon   -   Copyright  Philippe Desmazes/AP
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Frankreich gelingt es nach zwei Wochen Lockdown, die Kurve der zweiten Corona-Welle abzuflachen. Zumindest glaubt das Frankreichs Gesundheitsminister Olivier Véran. Französischen Medienberichten zufolge erklärte er, dass der Rückgang der Neuinfektionen und die gesunkene Inzidenzrate den Eindruck erweckten, dass "wir einen Höhepunkt der Pandemie überschritten haben".

"Wir gewinnen die Kontrolle über die Pandemie zurück. Das ist eine gute Nachricht", fügte er hinzu, "aber wir haben das Virus noch nicht besiegt [...] Es ist eindeutig zu früh, einen Sieg zu verkünden und in unseren Bemühungen nachzulassen", so Véran, der in Bron bei Lyon den Transport von COVID-19-PatientInnen in andere Regionen beobachtete.

Derzeit ist die französische Alpenregion besonders schlimm von der Pandemie betroffen.

Während sich die Zahl der Corona-Infizierten den 2 Millionen nähert, ist die Zahl der Einweisungen auf Intensivstationen mit 270 Einweisungen binnen 24 Stunden auf dem niedrigsten Stand seit drei Wochen, wie die Zahlen der von Santé publique France zeigen.

Véran betonte, dass "das Niveau der Neuinfektionen mit 20.000 bis 30.000 (Fällen) pro Tag nach wie vor hoch ist". Und weit entfernt von der Zielvorgabe von 5.000 Neuinfektionen pro Tag, die Emmanuel Macron bei der Ankündigung des zweiten Lockdowns am 28. Oktober gefordert hatte.

Dennoch: die leichte Verlangsamung scheint sich positiv auf die Krankenhaus-PatientInnen auszuwirken. Am Sonntag meldete Santé publique 17.390 neue Krankenhaus-Einweisungen für die vergangenen sieben Tage, ein Rückgang seit dem 9. November.

2.761 Corona-Patienten mussten in der vergangenen Woche auf die Intensivstation verlegt werden, vor einer Woche lag dieser Wert noch bei über 3.000.

Intensivstationen immer noch voll

Mit derzeit mehr als 33.000 stationären COVID-19-PatientInnen, inklusive 4.896 auf Intensivstationen, bleibt die Belastung für Krankenhäuser und Pflegepersonal weiterhin sehr hoch.

"Es scheint sich ein Wendepunkt bei den Neuansteckungen abzuzeichnen, aber die Krankenhäuser sind immer noch voll, die Intensivbetten sind immer noch voll, wir sind also noch nicht über den Berg", resümierte Philippe Juvin, Leiter der Notaufnahme des Hôpital Européen Georges Pompidou in Paris und Bürgermeister der Gemeinde La Garennes-Colombes.

Die französische Regierung peilt Lockerungen für Weihnachten an. Urlaub im Lockdown wäre eine Katastrophe für die ohnehin schon schlechte Stimmung im Land, ganz zu schweigen von der Wirtschaft und der Beliebtheit der Behörden.

Inwieweit sollten Familienzusammenkünfte erlaubt sein? Werden Reisen erlaubt sein? Und wann wird entschieden?

"Die Unsicherheiten [...] sind immer noch zu viele, um eine genaue Vorhersage zu treffen", erklärte Olivier Véran, während er eine Aufweichung des Lockdowns versprach, wenn die Richtung beibehalten würde. Eine komplette Aufhebung der Einschränkungen ist allerdings nicht vorgesehen. In einem Interview mit der Tageszeitung "Le Monde" am vergangenen Wochenende hatte Frankreichs Ministerpräsident Jean Castex kurzfristig "festlichen Familientreffen im öffentlichen Raum"eine Absage erteilt.

Frankreichs Regierung sieht sich zudem mit den immer drängenderen Forderungen konfrontiert, über die sogenannten "lebenswichtigen" Güter hinaus alle Geschäfte schnellstmöglich wieder zu öffnen, denn viele stehen vor dem Bankrott.

Am vergangenen Wochenende hatte es vor allem in Nizza und Marseille größere Demonstrationen gegeben. Die Vorsitzende der konservativen Partei "Les Républicans", Valérie Pécresse, hat eine Wiedereröffnung der Geschäfte ab dem 27. November gefordert, der sogenannte "Black Friday", der den Beginn der Weihnachtseinkaufsaison markiert.

Derzeit prüft die französische Regierung die Möglichkeit der Geschäftsöffnungen ab dem 1. Dezember, doch Cafés und Restaurants dürften davon kaum profitieren. Sie sollen weiterhin geschlossen bleiben.