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Deutschland meldet mehr als 23.000 Neuinfektionen, Spahn in der Kritik

Eine Pflegekraft mit Gesichtsmaske an der Uniklinik Essen, 26.03.2020
Eine Pflegekraft mit Gesichtsmaske an der Uniklinik Essen, 26.03.2020   -   Copyright  Martin Meissner/AP
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23.542 Neuinfektionen hat das Robert-Koch-Institut an diesem Freitag gemeldet. Das ist ein neuer Höchststand und ein Anstieg um 1.700 Neuinfektionen im Vergleich zum Vortag, als fast 22.000 positiv Getestete gemeldet wurden. Insgesamt sind in Deutschland inzwischen 12.200 Menschen mit oder an COVID-19 gestorben.

Spahn will "im Notfall" auch Corona-positives Personal arbeiten lassen

Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn hat unterdessen mit Äußerungen zum Einsatz Corona-positiven Pflegepersonals für Kritik gesorgt. Er erklärte, dass die Quarantäne von Infizierten und Kontaktpersonen der beste Weg sei, weiteren Infektionen vorzubeugen. Allerdings müsse man natürlich Abstriche machen, wenn die Versorgung in Kliniken ansonsten zusammenbreche. Man müsse schauen, "was ist neben der bestmöglichen Lösung die zweitbeste [ist]", so Spahn. Unter Umständen sei es nötig, dass Kontaktpersonen mit täglichen Tests und FFP2-Masken weiter arbeiten müssten. Die "Rückfallrückfallposition" sei aber, "die positiv Getesteten mit ganz besonderen Schutzvorkehrungen auch arbeiten zu lassen".

Diese Aussage kommt einen Tag vor der Präsentation aktueller Regierungspläne gegen den Pflegenotstand, am Ende eines zweitägigen Pflegetags, an denen Branchenvertreter auf den Pflegenotstand aufmerksam machen wollten. Die Regierung hatte versprochen, den Pflegemangel zu bekämpfen.

Dieser ist besonders gravierend bei den Intensivplätzen für Covid-19-Kranke - dort fehlen Intensivpfleger. Das wird durch die Pandemie nur offensichtlicher. Intensivpflegefachkräfte würden sich nicht "mal eben in ein paar Monaten" ausbilden lassen, so Spahn, daher müsse man einen langen Atem haben: "Wir haben hier einen Marathon, keinen Sprint."

Zwar bewertete RKI-Chef Wieler die Verlangsamung der Neuinfektionen als positiv, eine Zeichen für Entspannung sei das aber nicht. Besonders auf den Intensivstationen sei die Lage ernst. Eine zügige Rückkehr zur Normalität ist vorerst nicht zu erwarten.

RKI-Chef Wieler: "Wir müssen noch ein paar Monate die Pobacken zusammenkneifen."

Am Donnerstag hatte das Robert-Koch-Institut in einer Presskonferenz über die jüngsten Entwicklungen berichtet. Der Chef des RKI Prof. Lothar Wieler geht davon aus, dass sich die Situation in den kommenden Monaten weiter verschärfen wird. Es sei durchaus möglich, dass viele Menschen für längere Zeit krankheitsbedingt ausfallen und nicht arbeiten können. Genauso sei es möglich, dass Kliniken an ihre Grenzen stoßen und dass die optimale Patientenversorgung nicht immer gewährleistet werden kann.

Er appellierte zudem an die Bevölkerung, die bekannten AHA+L Regeln einzuhalten und weiterhin penibel darauf zu achten, die Kontakte zu reduzieren. Bei Anzeichen einer Atemwegserkrankung sollen Betroffene mindestens fünf Tage lang zu Hause bleiben, um eine Ansteckung zu vermeiden.

"Wir haben es selbst in der Hand, die Zahlen auf ein Niveau zu bringen, mit dem wir alle umgehen können", also auch Krankenhäuser und Gesundheitsämter. Entwarnung gibt er aber nicht: "Wir müssen noch ein paar Monate die Pobacken zusammenkneifen, damit wir das hinbekommen", so Wieler.

Spahn warnt vor anhaltenden Einschränkungen

Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn hatte sich am vergangenen Mittwoch besorgt geäußert und die Bevölkerung auf anhaltende Einschränkungen eingestimmt. So befürchtet Spahn, dass die Zahl der Covid-19-Patienten, die intensivmedizinisch betreut werden müssen, sich noch vor Ende November verdoppeln könnte.

Er geht davon aus, dass von den 20.000 Neuinfizierten jeweils rund 2 Prozent über zwei Wochen lang auf der Intensivstation liegen werden, d.h. rund 6 000 Patienten gleichzeitig, hatte Spahn gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vorgerechnet. Für Ärzte und Pflegepersonal bedeute das ein Arbeiten an der Belastungsgrenze.