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Anschlag auf Atomphysiker laut Iran israelischer "Terror"

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Anschlag auf Atomphysiker laut Iran israelischer "Terror"
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Nach der Ermordung des Kernphysikers Mohsen Fachrisadeh im Iran betont Teheran, am Atomprogramm festzuhalten. Der Weg des Wissenschaftlers werde nun noch intensiver fortgesetzt, so der Atomchef des Landes. Die iranische Führung beschuldigt Israel, hinter dem Anschlag zu stecken.

Fachrisadeh sei das Ziel einer Terroropertion geworden, als er auf dem Weg nach Teheran gewesen sei, so Verteidigungsminister Amir Hatami. Seine Leibwächter hätten versucht, ihn zu beschützt, aber er sei schwer verletzt worden und zusammen mit zwei weiteren Personen in ein Krankenhaus eingeliefert worden. Dort sei Fachrisadeh als Märtyr gestorben.

Sarif an EU: Doppelstandards beenden

Terroristen hätten einen bedeutenden iranischen Wissenschaftler ermordet, so Außenminister Dschawad Sarif auf Twitter. Dies sei ein feiger Akt, bei dem vieles auf Israel hindeute und ein verzweifelter Versuch der Kriegstreiberei. Der Iran rufe die internationale Gemeinschaft und besonders die EU dazu auf, ihre Doppelstandards zu beenden und diesen Akt von Staatsterror zu verurteilen.

Aus Israel kam zunächst keine Reaktion auf die Anschuldigung. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte 2018 bei einer Ansprache auf Fachrisadehs Rolle für das iranische Atomprogramm aufmerksam gemacht und gesagt, "merken Sie sich diesen Namen".

Der Anschlag auf den Physiker ereignete sich kurz vor dem 10. Jahrestag der Ermordung des iranischen Atomwissenschaftlers Majid Sharirari am 29. November 2010, für die Teheran ebenfalls Israel verantwortlich machte.

Sie ruft auch Erinnerungen an die Ermordung des iranischen Topgenerals Ghassem Soleimani im Januar durch US-Drohnen in Bagdad hervor, die fast zu kriegerischen Auseinandersetzungen führte.

Zielte Anschlag auf Verhindern einer iranisch-amerikanischen Annäherung ab?

Fachrisadeh wurde am Freitag in Ab-Sard, einem Vorort östlich der Hauptstadt Teheran, erschossen. Der Kernphysiker war Mitglied der Iranischen Revolutionsgarden und ein Experte für die Herstellung von Raketen. Zuletzt leitete Fachrisadeh die Abteilung für Forschung und technologische Erneuerung im Verteidigungsministerium.

Viele BeobachterInnen sahen in dem Anschlag auch einen Versuch Israels und der Regierung von US-Präsident Donald Trump, einen Neuanfang der Beziehungen zwischen Teheran und Washington zu torpedieren. "Das war nicht nur ein Anschlag auf den Professor, sondern auf die bevorstehenden diplomatischen Bemühungen beider Länder nach der Amtsübernahme von Joe Biden", twitterte der Politologe Mohsen Milani. Ähnlich sieht es auch die prominente iranische Journalistin Sahra Asghari. "Der Anschlag war der Preis, den der Iran für Trumps Wahlniederlage bezahlen musste."