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Was bringen die Antigen-Schnelltests?

Medizinisches Personal zeigt ein Wattestäbchen für einen Rachen-Abstrich zum Corona-Test
Medizinisches Personal zeigt ein Wattestäbchen für einen Rachen-Abstrich zum Corona-Test   -   Copyright  Kay Nietfeld/dpa via AP
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Grundsätzlich gibt es drei verschieden Testverfahren, um das Corona-Virus beim Menschen nachzuweisen:

Der PCR-Test

Der am häufigsten eingesetzte und relativ aufwändige Test ist der sogenannten PCR-Test. Die Buchstaben PCR stehen dabei für Polymerase Chain Reaction, auf deutsch Polymerase-Kettenreaktion. Bei diesem Testverfahren wird mittels eines Wattestäbchens ein Abstrich aus dem Rachen genommen. Ist das Virus im Abstrich enthalten, werden konkret definierte DNA-Abschnitte des Virus mit einem Enzym vervielfältigt. Diese werden dann mit einem besonderen Apparat nachgewiesen. Mit dem Test kann sowohl eine Aussage über das Vorhandensein des Virus, als auch über die Menge des im Rachenabstrich gefundenen Virus getroffen werden.

Antigen-Schnelltests

Dieser Test kann ebenso einen Nachweis über das Vorhandensein des SARS-CoV-2 erbringen. Der Test zeigt an, ob ein bestimmtes Oberflächengen des Virus im Rachenabstrich vorhanden ist. Im Gegensatz zum PCR-Test ist er vergleichsweise einfach vor Ort durchzuführen und liefert die Ergebnisse innerhalb weniger Minuten.

Antikörper-Test

Ein Antikörper-Test weist das Corona-Virus nicht direkt nach, sondern Antikörper im Blut eines Probanden. Ihr Vorhandensein weist nach, dass ein Mensch bereits eine Corona-Infektion durchgemacht hat. Der Test weist die Immunreaktion des menschlichen Körpers auf die Infektion mit SARS-CoV-2 nach und eignet sich nicht, um eine akute Infektion nachzuweisen. Denn Antikörper entstehen erst Tage oder Wochen, nachdem der Körper die Infektion bewältigt hat. Dieser serologischer Test ist dann sinnvoll, wenn es darum geht zu erfassen, wieviele Menschen eine Infektion (unbemerkt) überstanden haben.

Antigen-Schnelltests: Schnell, aber weniger genau

Die Antigen-Schnelltests sind erst seit vergangenem Sommer auf dem Markt und ihre Hersteller betonen, dass ihre einfache Handhabung mit der eines Schwangerschaftstests vergleichbar sei.

Doch die Corona-Schnelltests gelten im allgemeinen weniger genau als PCR-Tests, auch wenn ihre Entwicklung inzwischen so weit voran geschritten ist, dass sie sich durchaus mit den PCR-Tests messen können. Dennoch ist ihre Handhabung nicht so einfach, wie von Herstellern gern behauptet wird.

"Die Schnelltests werden einen gewissen Prozentsatz an falsch-negativen Ergebnissen aufweisen, unabhängig davon, wo sie angewendet werden, und es besteht auch die Möglichkeit von falsch-positiven Ergebnissen", erklärt Dr. Gigi Gronvall, Wissenschaftlerin am Johns Hopkins Center für Gesundheitliche Sicherheit gegenüber Euronews.

Inzwischen weisen die meisten Schnelltests jedoch eine hohe Sensitivität (Anteil der richtig positiven Testergebnisse) und vor allem auch eine mehr als 98%ige Spezifität auf. Das bedeutet, dass der Anteil der richtig falschen Ergebnisse relativ genau ist.

Bei den Antigen-Schnelltests ist häufig auch ein mobiles Analyse-Gerät nötig, um die Viren nachzuweisen. Die Gefahr, Fehler zu machen steigt, wenn ihre Durchführung dem Normalverbraucher überlassen wird, wie zum Beispiel in einigen US-Bundesstaaten. In Deutschland dürfen nur Ärzte diese Schnelltests durchführen, allerdings liegt das auch daran, dass Corona-Infektionen meldepflichtig sind.

Antigen-Schnelltests: Kein Labor nötig

Neben der Möglichkeit, den Test vor Ort - also ohne Labor - einzusetzen, ist der geringe Zeitaufwand ein weiterer Vorteil der Schnelltests:

"Die Schnelligkeit ist wirklich der große Vorteil dieser Tests", erklärt Gronvall, und weiter: "Wenn ein Testergebnis manchmal 48 Stunden auf sich warten lässt, fragen sich manche: was bringt das?"

PCR-Tests erfordern eine Bearbeitung mit speziellen Laborgeräten und Chemikalien - sie sind also sehr aufwändig. Die Bearbeitungszeit dauert in der Regel mehrere Tage, bevor die Patienten Ergebnisse haben, allerdings kann in großem Maßstab getestet werden. Bei den Antigen-Schnelltests ist das nicht der Fall, denn die Analyse-Geräte schaffen kaum mehr als 80 Tests pro Tag.

Der Forscherin zufolge gibt es keinen Grund, warum das Ergebnis eines PCR-Tests so lange auf sich warten lässt. Und sie sieht keinen Grund, warum man Ergebnisse nicht innerhalb von 24 Stunden oder weniger erhalten könne: "Das liegt einzig und allein an der Infrastruktur, die dahinter steht, also die Proben dorthin zu bringen, wo der Test durchgeführt werden kann, weil es ein Labortest ist."

"Bei allen Tests gibt es Vor- und Nachteile, und diese Antigen-Tests haben den Vorteil, dass sie schnell und relativ einfach zu handhaben sind. Und sie sind preiswert. Es gibt also viele gute Dinge an ihnen, aber der Nachteil ist, dass sie eine nicht ganz so hohe Sensivität aufweisen wie ein PCR-Test", erklärte Gronvall.

Warum reichen Schnelltests nicht aus?

Um die Zahl der Neuinfektionen einzudämmen, sind sowohl PCR- als auch Antigen-Schnelltests relevant. So ist es mit ihrer Hilfe möglich, Patienten und ihre Kontaktpersonen zu identifizieren und auch, ob jemand gerade infektiös sind. Gerade für asymptomatische oder präsymptomatische Kontaktpersonen könnte ein Schnelltest sinnvoll sein - denn auch sie können andere anstecken.

Das Robert-Koch-Institut geht beispielsweise davon aus, dass ein bis zwei Tage vor Symptombeginn ein "relevanter Teil" der Corona-Neuinfektionen ausgeht. Am größten ist die Ansteckungsfähigkeit in der Zeit um den Symptombeginn. Und gerade in dieser Zeit, in der bei den Infizierten schon eine hohe Virenlast im oberen Atemwegstrakt vorhanden ist, könnten sich die Antigen-Schnelltests als sinnvoll erweisen, die Infektionsketten zu unterbrechen.

"Möglicherweise detektiert man jemanden früher, aber weil es [mit einem PCR-Test] länger dauert, bis die Ergebnisse da sind, verpasst man möglicherweise die Zeit, wenn sie eine hohe Virenlast in Nase und Mund haben und sie ausatmen", sagte die Wissenschaftlerin Gronvall.

Mit den Schnelltests hingegen könne man möglicherweise ansteckende Personen, schnell und gezielt isolieren. Gronvall meint, dass die ideale Lösung die Verwendung mehrerer Tests für verschiedene Situationen wäre, mit einem schnellen Antigentest, wenn ein Ergebnis schnell benötigt wird oder es keine andere Möglichkeit gibt.

Kommt es auf ein möglichst genaues Ergebnis an, sollte ein PCR-Test gemacht werden. Gronvall gibt allerdings zu bedenken: "Aber sie sind teurer. Einige Wissenschaftler, sind der Meinung, wir hätten die PCR aufstocken und die Kosten senken sollen - es gibt keinen Grund, warum sie nicht theoretisch skaliert werden könnte".

Aus ihrer Sicht könnten die Kosten gesenkt werden, wenn mehr Hersteller dazu übergehen, PCR-Tests einzuführen.

"Es sieht so aus, als ob dieses Virus noch einige Zeit begleiten wird, selbst nachdem Impfstoffe verfügbar sind, also werden die Tests weiter eine Rolle spielen".