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Warum mehr Förderung von Venezuelas extrem zähem, schmutzigem Öl der Umwelt schaden könnte

Archivfoto: Die Ölraffinerie El Palito in Puerto Cabello, Venezuela, ist in Betrieb. 21. Dezember 2025.
Archivfoto: Die Ölraffinerie El Palito in Puerto Cabello, Venezuela, ist am 21. Dezember 2025 in Betrieb. Copyright  AP Photo/Matias Delacroix, File
Copyright AP Photo/Matias Delacroix, File
Von Steven Grattan mit AP
Zuerst veröffentlicht am
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Schon ein kleiner Anstieg der venezolanischen Ölproduktion könnte das Klima so stark belasten wie ganze Staaten. Fachleute warnen eindringlich.

Umweltexperten warnen: Der Vorstoß der USA, Venezuelas gewaltige Ölreserven neu zu ordnen und auszuweiten, könnte jahrzehntelange Umweltschäden verschärfen. Er könnte auch die klimaerwärmenden Emissionen in einem Land erhöhen, das bereits mit den Altlasten einer seit Langem schrumpfenden Erdölindustrie ringt.

Die Warnungen kommen, nachdem Washington den Druck auf Venezuela nach der Festnahme von Ex-Präsident Nicolás Maduro am vergangenen Wochenende deutlich erhöht hat. Seither versuchen die USA, die Kontrolle über die venezolanischen Ölexporte zu übernehmen, die wichtigste Einnahmequelle des Landes. Sie haben Tanker beschlagnahmt, die nach US-Angaben Rohöl entgegen den Sanktionen transportierten, und kündigen an, venezolanisches Öl unter Aufsicht der USA auf den Weltmarkt umzuleiten.

Die Regierung Trump kündigte an, weltweit zwischen 30 und 50 Millionen Barrel venezolanisches Rohöl zu verkaufen. Einen Zeitrahmen nannte sie nicht. Die Erlöse würden auf von den USA kontrollierten Konten geparkt, was laut Regierung sowohl Venezolanern als auch Amerikanern zugutekommen soll.

Venezuela ist bereits stark von Ölverschmutzung betroffen

Branchenanalysten warnen: Ein deutlicher Ausbau der venezolanischen Förderung würde Jahre an Investitionen und zweistellige Milliardenbeträge erfordern, um die verrottete Infrastruktur zu erneuern. Das wirft die Frage auf, wie schnell die Pläne von Trump realistisch umzusetzen wären, oder ob überhaupt.

„Lagertanks sinken buchstäblich in den Boden, Bohrlochköpfe sind defekt, die Infrastruktur ist flächendeckend marode“, sagt Paasha Mahdavi, außerordentlicher Professor für Politikwissenschaft an der University of California in Santa Barbara. Er forscht zu Energie-Governance und politischer Ökonomie.

Venezuelas Ölreserven gelten mit geschätzt 300 Milliarden Barrel als die größten der Welt. Das Land, das sich von der Karibikküste bis in die nördlichen Anden erstreckt, ist stark von Ölverschmutzung betroffen. Laut Global Forest Watch, einer vom World Resources Institute betriebenen Online-Plattform, zählt es zudem zu den Tropenländern mit den höchsten Entwaldungsraten.

Venezuela fördert Schweröl, das deutlich mehr Emissionen verursacht als die meisten anderen Ölsorten. Grund ist der höhere Energiebedarf bei Förderung und Raffinierung. Oft wird dabei Erdgas abgefackelt, vor allem Methan, ein starkes Treibhausgas, das den Planeten aufheizt.

ARCHIV - Eine Person geht an einem Wandbild vorbei, das Ölpumpen und Bohrlöcher zeigt, in Caracas, Venezuela, 6. Januar 2026.
ARCHIV - Eine Person geht an einem Wandbild vorbei, das Ölpumpen und Bohrlöcher zeigt, in Caracas, Venezuela, 6. Januar 2026. AP Photo/Matias Delacroix, File

Eine Wiederbelebung der Ölindustrie Venezuelas würde die Umweltschäden vertiefen, warnen mehrere Experten. Das Land kämpft schon heute mit Lecks, Gasemissionen und maroder Infrastruktur. Höhere Förderung dürfte die Klimaemissionen treiben und das Risiko von Havarien in empfindlichen Ökosystemen erhöhen.

Das venezolanische Observatorium für Politische Ökologie dokumentierte von 2016 bis 2021 fast 200 Ölunfälle, die von den Behörden weitgehend unerwähnt blieben.

Satellitendaten von Global Forest Watch zeigen: Venezuela hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten rund zwei Komma sechs Millionen Hektar Baumbestand verloren, etwa so groß wie Nordmazedonien. Haupttreiber waren Landwirtschaft, Bergbau und Brände. Ölaktivitäten trugen in manchen Förderregionen ebenfalls zur Entwaldung bei.

Laut einem Bericht der Internationalen Energieagentur aus dem Jahr 2025 liegt die Methanintensität, also das Verhältnis von freigesetztem Methan zu produziertem Erdgas, in Venezuelas Öl- und Gassektor weit über dem Durchschnitt. Schätzungen zufolge sind die vorgelagerten Methanemissionen etwa sechsmal so hoch wie im Weltmittel. Die Intensität des Abfackelns, also die Menge verbrannten Erdgases pro gefördertem Öl, ist etwa zehnmal höher als üblich.

In einer Mitteilung an die Nachrichtenagentur AP erklärte das US-Energieministerium, US-Öl- und -Gasunternehmen, die Venezuelas Ölindustrie erneuern würden, verfügten über „die höchsten Umweltstandards“.

„Mit steigenden US-Investitionen in Venezuela werden sich die Umweltbedingungen verbessern“, hieß es weiter.

Die Förderung venezolanischen Rohöls ist energie- und CO2-intensiv

Das venezolanische Rohöl ist dicht, zäh und schwefelreich. Es lässt sich schwerer fördern und verarbeiten als leichtere Sorten, etwa aus US-Schieferölfeldern, sagt Diego Rivera Rivota, Senior Research Associate am Center on Global Energy Policy der Columbia University.

„Es ist sehr dicht, sehr zäh, sehr schwer. Und außerdem schwefelreich“, so Rivota. „Praktisch heißt das: Es braucht mehr Infrastruktur und deutlich mehr Energie als andere Ölsorten. Es ist also wesentlich energieintensiver, und damit auch deutlich kohlenstoffintensiver.“

Viele US-Raffinerien wurden jedoch schon vor Jahrzehnten genau für solche Qualitäten ausgelegt. Trotz des höheren Aufwands passt venezolanisches Rohöl daher gut in ihr Profil.

Schon ein moderater Anstieg der Ölförderung in Venezuela hätte Klimafolgen in der Größenordnung ganzer Staaten, sagt Mahdavi von der University of California in Santa Barbara.

Er schätzt: Ein Plus von etwa einer Million Barrel pro Tag, häufig als kurzfristiges Ziel genannt, würde jährlich rund 360 Millionen Tonnen Kohlendioxid allein aus der Produktion hinzufügen. Steigt die Förderung auf etwa eineinhalb Millionen Barrel täglich, könnten die Jahresemissionen auf rund 550 Millionen Tonnen klettern. Das entspräche etwa den Emissionen von rund der Hälfte aller benzinbetriebenen Fahrzeuge in den USA.

„Das ist nur die Produktionsseite“, betont Mahdavi. Viel größere Emissionen entstehen, wenn das Öl später von Verbrauchern verbrannt wird.

ARCHIV - Der Öltanker Evana liegt im Hafen El Palito in Puerto Cabello, Venezuela, 21. Dezember 2025.
ARCHIV - Der Öltanker Evana liegt im Hafen El Palito in Puerto Cabello, Venezuela, 21. Dezember 2025. AP Photo/Matias Delacroix, File

Venezuelas alternde Ölinfrastruktur erhöht das Risiko von Lecks

Patrick Galey von der Nichtregierungsorganisation Global Witness sagt, Venezuelas Ölsystem gehöre nach Jahren der Unterinvestitionen zu den schlechtest gewarteten weltweit. Alternde Pipelines und Tanks sowie weit verbreitetes Abfackeln von Gas erhöhen das Risiko von Lecks und Methanfreisetzungen. Ein schneller Ausbau würde die Förderung vermutlich über den Umweltschutz stellen und Klima- wie Naturschäden verschärfen.

Kevin Book, Forschungsdirektor bei ClearView Energy Partners, hält dagegen: Mit erheblichen Investitionen ließe sich die venezolanische Ölförderung effizienter machen, ökonomisch wie ökologisch.

„Neue Investitionen bringen modernste Technik zur Methan-Abscheidung und zum Emissionsmanagement ins Feld. Nicht nur aus Umweltgründen, sondern auch, weil es sich um einen wertvollen Rohstoff handelt, den man erfassen und verkaufen kann“, sagt Book. „Unter der Annahme, dass die Ölnachfrage ohnehin steigt, gibt es im Vergleich zum Status quo also sogar ein gewisses ökologisches Potenzial.“

In jüngsten öffentlichen Äußerungen konzentrierten sich US-Vertreter auf den Verkauf des Öls, die Erlöse und die Reparatur der Infrastruktur. Umweltauflagen oder Klimafolgen erwähnten sie nicht. Präsident Trump hat sowohl in seiner ersten als auch in seiner zweiten Amtszeit den wissenschaftlichen Konsens zum Klimawandel wiederholt zurückgewiesen und Umwelt- und Energiepolitik zurückgedreht.

Folgen für eine ohnehin fragile Umwelt

In Caracas sagt Antonio de Lisio, Umweltwissenschaftler und Forscher an der Zentraluniversität Venezuelas, die Ölausbeutung sei im Land seit jeher mit Umweltzerstörung einhergegangen. Zurückgeblieben seien Altverschmutzungen, die seit Jahrzehnten bestehen und nie vollständig aufgearbeitet wurden.

Venezuelas Schwerölvorkommen liegen in fragilen Ebenen, die von träge fließenden Flüssen durchzogen sind, erklärt er. Diese Geografie verstärke die Folgen von Lecks.

„Jedes Ölleck kann sich verschlimmern, weil diese Flüsse nicht schnell fließen, es sind langsam bewegte Gewässer“, sagt de Lisio. Er verweist auf Morichales, palmensumpfige Feuchtgebiete im Osten Venezuelas, in denen Verschmutzung lange bestehen bleibt.

Hinzu kommen energieintensive Aufbereitungsanlagen, die mit Hitze, Chemikalien und großen Wassermengen Schweröl exportfähig machen. Das berge zusätzliche Risiken, besonders in empfindlichen Flusssystemen.

Die Umweltschäden halten an, obwohl die Ölförderung zurückgegangen ist, sagt er. Der Maracaibo-See, ein flacher See im Westen Venezuelas, in dem seit mehr als einem Jahrhundert Öl gefördert wird, gehöre zu den am stärksten ölverschmutzten Ökosystemen der Welt.

Lecks und Verschmutzungen träfen auch andere Regionen, so de Lisio, etwa die Umgebung des Raffineriekomplexes Paraguaná und geschützte Küstenparks wie Morrocoy. Dort hat die Verschmutzung Meeresleben und Korallenriffe stark geschädigt.

Die wahren ökologischen und sozialen Kosten des venezolanischen Öls seien nie vollständig beziffert worden, sagt de Lisio.

„Würden diese Kosten vollständig eingerechnet, sähe man, dass die weitere Ölförderung für Venezuela kein gutes Geschäft ist.“

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