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Brexit bisher ohne Deal: Kommt jetzt die "Zollbombe"?

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Ursula von der Leyen und Angela Merkel am Schlusstag des EU-Gipfels in Brüssel
Ursula von der Leyen und Angela Merkel am Schlusstag des EU-Gipfels in Brüssel   -   Copyright  Johanna Geron/AP
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Über den Verhandlungen zwischen der Europäischen Union und Großbritannien um ein Handelsabkommen hängen zwar weiterhin tiefdunkle Wolken, es gibt aber auch ermutigende Lichtblicke.

Nach der Skepsis von Premierminister Boris Johnson am Donnerstag sendete EU-Kommissionpräsidentin Ursula von der Leyen am Schlusstag des Brüsseler Gipfels versöhnliche Signale hinsichtlich einer flexiblen Haltung des Staatenbundes.

Von der Leyen sagte: "Wir haben unseren britischen Partnern immer wieder deutlich gemacht, dass das Prinzip des fairen Wettbewerbs die Voraussetzung für einen privilegierten Zugang zum EU-Markt ist. Das heißt aber nicht, dass wir vom Vereinigten Königreich verlangen würden, uns jedes Mal zu folgen, wenn wir uns entscheiden, unsere Ansprüche zu erhöhen. Im Bereich der Umwelt würden sie zum Beispiel frei bleiben. Souverän, wenn Sie so wollen, zu entscheiden, was sie tun möchten. Wir würden einfach die Bedingungen für den Zugang zu unserem Markt anpassen, entsprechend der Entscheidung des Vereinigten Königreichs, und das würde auch umgekehrt gelten."

No deal: "Sehr ernste Auswirkungen"

Immerhin erklärte der britische Kultur- und Medienminister Oliver Dowden, es gebe eine bedeutende Möglichkeit, einen Deal hinzubekommen.

Der irische Regierungschef Micheál Martin blieb aber skeptisch: "Das ist die vorherrschende Stimmung im Moment. Aber davon abgesehen, wurden ähnliche Kommentare (...wie die von Johnson; d.Red.) vor weit über einem Jahr in Bezug auf den Austrittsvertrag und das Protokoll gemacht. Es bleibt also abzuwarten. Die Verhandlungen sind noch im Gange und ich denke, dass die Auswirkungen für alle Beteiligten im Falle eines 'no deal' sehr ernst sind."

Handel warnt vor "Zollbombe"

Martins Befürchtungen werden durch kritische Analysen in Großbritannien genährt. Zudem bilden sich am wichtigen Fährhafen Dover In England schon seit Tagen kilometerlange Lkw-Staus.

Der britische Handelsverband BRC warnte für den Fall des "no deal" vor einer "Zollbombe" für Supermärkte und Verbraucher. Auf frische, aus der EU importierte Lebensmittel wie Obst und Gemüse würden Zölle von durchschnittlich mehr als 20 Prozent fällig, stellte der BRC fest.

Gegenwärtig kommen 80 rund 80 Prozent der britischen Lebensmittelimporte aus der EU.

Die britische Supermarktkette Tesco erwartet, dass der durchschnittliche Einkaufskorb um fünf Prozent teurer werden könnte. Der britische Außenminister Dominic Raab hatte unlängst erklärt, er sei nicht beunruhigt über mögliche Preissteigerungen oder Engpässe von Waren.