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Expertin Isabella Eckerle: Warum die Coronavirus-Mutation B117 gefährlich ist

Krankenhaus in der Schweiz
Krankenhaus in der Schweiz   -   Copyright  LAURENT GILLIERON/AP
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In der Schweiz sind mehrere Fälle der Coronavirus-Mutationen aus Großbritannien und aus Südafrika nachgewiesen worden. An der Erforschung der Mutationen beteiligt ist die Virologin Isabella Eckerle, die an der Universität Genf für neuartige Viruskrankheiten verantwortlich ist.

Auf Twitter lanciert Isabella Eckerle an diesem Sonntag eine neue Warnung. Sie schreibt: "Es gibt keine Ausrede in ein paar Wochen/Monaten, dass die Ausbreitung der neuen Variante #b117 überraschend oder nicht vorhersehbar war, und nicht zu verhindern. Alle Informationen & zu ergreifenden Schritte sind glasklar." Dann verweist die Virologin auf den Aufruf zu einem europaweiten Lockdown, den hunderte ForscherInnen vor dem Jahreswechsel gestartet hatten.

Auch wenn die Mutation offenbar keinen schlimmeren Krankheitsverlauf auslöst, ist sie wohl viel ansteckender.

Im Interview mit Blick erklärt Isabella Eckerle: "Das Virus respektiert keine Landesgrenzen. Dafür gibt es zu viel Mobilität. Wollen wir gut durch die nächsten Monate kommen, müssten jetzt alle Länder an einem Strang ziehen. Im Prinzip müssten alle Länder jetzt ähnliche Maßnahmen ergreifen, um das Virus einzudämmen. Ganz Europa bräuchte einen koordinierten Lockdown."

Die Wissenschaftlerin meint, trotz Impfungen drohe eine unkontrollierbare neue Welle, die man verhindern könnte, wenn man sofort die Fallzahlen durch weitere Maßnahmen einschränkt. Es sei wichtig die Neuinfektionen deutlich und dauerhaft einzudämmen, damit weniger Menschen wegen Covid-19 ins Krankenhaus müssen und weniger Menschen sterben.

In Deutschland beraten die Kanzlerin Angela Merkel und die MinsterpräsidentInnen der Länder am Dienstag über eine Verlängerung des Lockdown. In der Schweiz gibt es vor allem lokale Maßnahmen der Kantone, aber die Experten der Taskforce verlangen weitergehende Einschränkungen. In Österreich gilt der dritte Lockdown seit dem 26. Dezember.

In Großbritannien lag die Zahl der täglichen Neuinfektionen den sechsten Tag in Folge über 50.000. An diesem Sonntag waren es 54 990, am Samstag waren es mehr als 57 000 gewesen. Zudem wurden am Sonntag 454 weitere Todesfälle in Zusammenhang mit Covid-19 gemeldet. In vielen britischen Krankenhäusern sind Ärztinnen, Ärzte, Pflegerinnen und Pfleger völlig überlastet.

Dort in Europa, wo die Gen-Sequenzen des Coronavirus untersucht werden, haben Proben auch die die Virus-Mutationen enthalten - wie beispielsweise in Dänemark - Tendenz: steigend.

Mehr Kinder testen

Isabella Eckerle fordert im Gespräch mit Blick auch, mehr Kinder zu testen. Sie sagt: "Eine neue Antikörper-Studie in Genf hat uns gerade gezeigt, dass in der zweiten Welle quer durch alle Bevölkerungsgruppen etwa 22 Prozent infiziert waren – Kinder ab sechs Jahren genauso häufig wie Erwachsene."

Die vorherige Annahme, dass Kinder weniger vom Coronavirus betroffen sind, wurde in neueren Studien widerlegt. Schwere Krankheitsveräufe bei Kindern sind aber viel seltener.