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Was ist zu tun? Das fordern 300 ForscherInnen im Kampf gegen Covid-19

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Von Euronews  mit The Lancet, Twitter
München im Lockdown
München im Lockdown   -   Copyright  Matthias Schrader/Copyright 2019 The Associated Press. All rights reserved

Mehr als 300 WissenschaftlerInnen haben sich dem Appell der Max-Planck-Forscherin Viola Priesemann aus Göttingen in THE LANCET32625-8/fulltext) bereits angeschlossen. Sie fordern ein gemeinsames europäisches Vorgehen mit dem Ziel, die Zahl der Neuinfektionen mit SARS-CoV-2 einzudämmen und niedrig zu halten.

"Eine starke, koordinierte europäische Antwort"

Viola Priesemann schreibt: "Wenn die europäischen Regierungen jetzt nicht handeln, sind weitere Infektionswellen zu erwarten, mit Folgeschäden für Gesundheit, Gesellschaft, Arbeitsplätze und Unternehmen. Bei offenen Grenzen in Europa kann ein einzelnes Land allein die Zahl der COVID-19-Fälle nicht niedrig halten; gemeinsames Handeln und gemeinsame Ziele zwischen den Ländern sind daher unerlässlich. Wir fordern daher eine starke, koordinierte europäische Antwort und klar definierte Ziele für die mittlere und lange Zukunft."

Die WissenschaftlerInnen plädieren dafür, mit einem gemeinsamen harten Lockdown in Europa die Ausbreitung des Virus zu bekämpfen. Das Ziel müsse sein, die Zahl der Neuinfektionen auf maximal 10 pro eine Million Einwohner und pro Tag zu reduzieren. So wenige Neuansteckungen hat es in Deutschland zuletzt im Sommer gegeben.

Dass es Deutschland mit einem Lockdown light versucht hat, sei den Versuch wert gewesen, meint Viola Priesemann, doch: "Spätestens Mitte, Ende November hätte man sich überlegen müssen: ganz oder gar nicht."

Fußballspiel mit unfairen Regeln

Die Forscherin vergleicht den Kampf gegen die Pandemie mit einem Fußballspiel, aber mit unfairen Regeln: "Jedes Mal, wenn die Virus-Mannschaft ein Tor schießt, bekommt sie bis zu drei neue Spieler." Es gelte, die Fallzahlen gering zu halten, damit das Virus nicht die Oberhand bekomme.

"Das Ziel klar kommunizieren"

Die ForscherInnen meinen auch, dass besser kommuniziert werden müsse, um den Erfolg zu gewährleisten: "Es ist entscheidend, das Ziel und den Vorteil von niedrigen Fallzahlen klar zu kommunizieren, um die Kooperation der Öffentlichkeit zu fördern. Der Erfolg dieser Maßnahmen hängt entscheidend von der Kooperation und Beteiligung der Öffentlichkeit ab. Wenn die wirtschaftlichen und sozialen Vorteile einer Senkung der Fallzahlen klar kommuniziert werden, wird dies die öffentliche Kooperation stark fördern."

Die ForscherInnen rufen auch andere dazu auf, ihre Initiative ebenfalls zu unterzeichnen.

Auch RKI-Chef Lothar Wieler hat sich der Initiative angeschlossen, ebenso wie der Coronavirus-Experte Christian Drosten, Melanie Brinkmann vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, Sandra Ciesek von der Uniklinik Frankfurt und Isabelle Eckerle von der Uniklinik Genf.

ECDC
Karte der Infektionen in EuropaECDC

Wie es derzeit mit den Infektionen in Europa aussieht, zeigt die Karte der europäischen Behörde ECDC. Fast der ganze Kontinent ist tief rot.