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Duma-Abstimmung: "Kinder des Gulag" kommen ihrem Recht auf Rückkehr näher

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Persönliche Gegenstände von Straflager-Insassen im Gulag-Museum zu Moskau
Persönliche Gegenstände von Straflager-Insassen im Gulag-Museum zu Moskau   -   Copyright  NATALIA KOLESNIKOVA/AFP or licensors
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Ein 500-Seelen-Dorf Zolotkovsky Razezd in der russischen Region Wladimir. Im Niemandsland zwischen Moskau und Nischni Nowgorod wartet Elizaveta Mikhaylova mit ihren beiden Töchtern seit über 30 Jahren in einer heruntergekommenen Holzhütte auf Gerechtigkeit.

Elizaveta ist die Tochter eines ehemaligen Gulag-Opfers. Ihr Vater saß zu Sowjetzeiten in einem der berüchtigten Straflager.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde 1991 ein russisches Gesetz erlassen, dass den Kindern ehemaliger Gulag-Insassen Enschädigung zuspricht. Geschehen ist noch nichts.

Elizaveta Mikhaylova hat sich mit ihrem kargen Alltag scheinbar arrangiert: "Sehen Sie, ein Dorf ist immer noch ein Dorf. Wir denken nur an Holz zum Heizen und um warm zu bleiben."

Gesetz und Praxis

Gesetzlich steht Kindern von Gulag-Opfern eine Unterkunft am ursprünglichen Wohnort der Eltern zu. In Elizavetas Fall wäre es die 300 Kilometer und fünf Fahrtstunden entfernte Hauptstadt Moskau.

Über ihr Motiv sagte Elizaveta Mikhaylova: "Meine Eltern wollten es, und ich muss es irgendwie schaffen nach Moskau zurückzukehren. Ich habe versprochen, dass ich alles tun werde, was ich kann. Meine Eltern wollten, dass wir mit meiner Schwester zurückgehen. Deshalb kämpfe ich immer noch."

Verfassungsgericht bestätigte Ansprüche

Das russische Verfassungsgericht bestätigte 2019 die Wohnungsansprüche der Kinder von Gulag-Opfern und forderte den Gesetzgeber auf, eine Lösung zu finden. Ein entsprechender Gesetzentwurf steht in dieser Woche im russischen Parlament zur Abstimmung.

Bislang wurde den "Kindern des Gulag" lediglich empfohlen, sich um Sozialwohnungen zu bewerben. Dafür liegt die Wartefrist in Moskau bei rund 30 Jahren.

Recht auf Rückkehr

Der auf Menschenrechte spezialisierte Anwalt Grigory Vaypan vertritt die Interessen von Elizabeta und zweier weiterer Kinder von Gulag-Überlebendenden.

Vaypan sagte: "Dank des Falles der "Kinder des Gulag" ist es uns gelungen, die Aufmerksamkeit auf diese Menschen zu lenken und zu zeigen, dass es sie gibt. Sie kämpfen darum, nach Hause zurückzukehren. Sie haben das Recht, zurückzukehren. Das Gesetz muss funktionieren!"

Der Anwalt hat eine Petition für den Erlass eines Gesetzes, dass den Kindern bei der Verwirklichung ihrer Ansprüche tatsächlich hilft, ins Leben gerufen. Sie wurde bereits 80.000 Mal unterzeichnet. Auich die Vereinten Nationen unterstützen die Aktion. Laut des Gulag-Museums in Moskau leben aktuell noch etwa 1.500 Gulag-Kinder in Russland.