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Beispiellose Protestwelle in Russland: Über 3.000 Festnahmen

Von Euronews mit dpa
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Protestwelle in Russland: Eine von über 3.000 Festgenommenen
Protestwelle in Russland: Eine von über 3.000 Festgenommenen   -   Copyright  Alexander Zemlianichenko/Copyright 2020 The Associated Press. All rights reserved.
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Während der beispiellosen Protestwelle in Russland sind am Samstag landesweit über 3.000 Menschen festgenommen worden. Das berichtete die russische Menschenrechtsorganisation OVD-Info. Russische Behörden nannten keine Zahlen.

Die nicht genehmigten Demonstrationen erstreckten sich über mindestens 90 Städte vom äußersten Osten Russlands bis nach Moskau und Sankt Petersburg. Mehrere Dutzend Menschen sollen bei Zusammenstößen mit Sicherheitskräften verletzt worden sein.

Allein in der Hauptstadt hätten sich 15.000 Demonstrierende versammelt, berichtete OVD-Info. 1.167 von ihnen seien in Polizeigewahrsam genommen worden. Die Ehefrau des Oppositionspolitikers Alexej Nawalny, dessen Haftentlassung die Demonstrierenden forderten, kam nach mehreren Stunden wieder auf freien Fuß. Bei einer Großdemonstration in Sankt Petersburg wurden laut OVD-Info mehr als 460 Menschen festgenommen.

Demonstranten vor Nawalnys Gefängnis

In Moskau löste die Polizei eine Massenkundgebung auf dem zentralen Puschkinplatz auf. Viele Demonstrierende versammelten sich daraufhin vor einem nahe gelegenen Gefängnis, in dem Nawalny seit fast einer Woche wegen Verstößen gegen Meldeauflagen einsitzt. Auch hier kam es zu Festnahmen.

Der belgische Europaabgeordnete Guy Verhofstadt forderte angesichts der Gewaltausbrüche neue Sanktionen gegen Russland.

Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell kündigte an, am Montag mit den Außenministern der EU-Staaten bei einem Treffen in Brüssel über die nächsten Schritte zu beraten. Er habe die Geschenisse in Russland mit Sorge verfolgt, schrieb Borrell. Gewalt sei in unangemessener Weise eingesetzt worden. Er kritisierte auch die technischen Ei´nschränkungen im Internet- und Mobilfunkbereich, die es vor und während der Proteste am Samstag gegeben haben soll.

Die Proteste richteten sich vornehmlich gegen die politische Verfolgung Andersdenkender, aber ich auch gegen die Amtsführung von Präsident Wladimir Putin. Dieser ist durch ein Enthüllungsvideo von Nawalny über einen Prachtbau am Schwarzen Meer, der durch Schmiergelder finanziert worden sein soll, innenpolitisch unter Druck geraten. Der Kreml wies die in dem von Nawalny präsentierten Video erhobenen Vorwürfe zurück.

Der ehemalige russische Schachweltmeister Garry Kasparow warf Putin vor, ein "Sponsor des Mafia-Terrors" zu sein.

Proteste für die Freilassung Nawalnys gab es auch in Deutschland. In Berlin zogen rund 2.000 Menschen an der russischen Botschaft vorbei. In Düsseldorf versammelten sich zweihundert Menschen auf dem Marktplatz.

Das Auswärtige Amt in Berlin reagierte bis zu diesem Sonntagmorgen nicht auf die Vorkommnisse in Russland. Mitarbeiter von Nawalny in Russland kündigten an, die Proteste am kommenden Woche fortsetzen zu wollen, obwohl jegliche Kundgebungen in Russland derzeit mit Verweis auf die Corona-Pandemie verboten sind.