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Mordfall Sarah Everard: "Die Menschen wurden wachgerüttelt"

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Von Euronews
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Mordfall Sarah Everard: "Die Menschen wurden wachgerüttelt"
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Ein Park im Süden Londons: Nicht weit von hier wurde Sarah Everard vor einem Monat entführt und später ermordet. Heute erinnert hier ein Blumenmeer an die 33-jährige Britin, noch immer bleiben Passanten stehen.

"Es hat sich was getan"

Ihr Fall hat in ganz Großbritannien eine Debatte über Sexismus und toxische Männlichkeit ausgelöst. "Es hat sich etwas getan, die Leute wurden wachgerüttelt. Am Esstisch diskutieren sie über das Thema, auch mit ihren Söhnen. Der Ton hat sich verändert. Viele denken darüber nach, ob sie vielleicht manchmal dazu beigetragen haben, dass sich eine Frau unwohl fühlt", sagt die Frauenrechtsaktivistin Jamie Klingler.

Everard verschwand am 3. März auf dem Nachhausweg nach dem Besuch bei einer Freundin. Ihr mutmaßlicher Mörder ist ein Polizist.

Aufschrei in den sozialen Medien

Millionen von Frauen teilten nach Everards Verschwinden online unter dem Hashtag #ReclaimTheStreets ihre Erfahrungen mit Belästigung und Gewalt. Dass Frauen nirgends vor patriarchaler Gewalt sicher seien – weder zu Hause noch in der Öffentlichkeit – sei leider noch immer viel zu normal, sagt die Aktivistin Karen Ingala Smith:

"Wir nehmen die Gewalt von Männern gegen Frauen als selbstverständlich hin, wir akzeptieren sie einfach. Nach dem Mord an Sarah Everard haben viele Frauen ihre Wut rausgelassen. Aber Sarah Everards Ermordung ist eine von vielen und diese anderen Fälle haben oft nicht dieselbe Aufmerksamkeit bekommen, aber das sollten sie", so Smith.

Alle drei Tage wird eine Frau getötet

Im Schnitt alle drei Tage wird in Großbritannien eine Frau von einem Mann getötet. Es sei ein grundlegendes Umdenken nötig, sagt eine Gruppe von Aktivistinnen. Sie haben den "Good Guys Guide" ins Leben gerufen, eine Kampagne, die Männer dazu auffordert, über ihr Verhalten gegenüber Frauen nachzudenken. Denn vieles passiere unbewusst.

"Als Frau habe ich mein ganzes Leben lang Belästigung auf der Straße erlebt, von klein auf", sagt Camila Gurgel, Initiatorin des "Good Guys Guide". "Und jetzt endlich öffnen sich viele junge Männer und versuchen zu verstehen, wie schrecklich so eine Erfahrung sein kann. Diese Chance wollten wir nutzen, um sieben einfachen Regeln aufzuschreiben, die jeder Mann befolgen kann, um uns zu helfen. 'Geh nachts auf der anderen Straßenseite', 'Geh nicht zu dicht hinter ihr'. Dinge, die jeder tun kann.“

Polizei geht gewaltsam gegen Demonstrantinnen vor

Everards Familie hat sich dazu entschieden, nicht in die Debatte einzugreifen. Und manche kritisieren die Aktivistinnen dafür, ihren Tod zu politisieren. Die jungen Frauen sagen, das Gegenteil sei der Fall.

Die Sorgen der Frauen würden zu wenig von Polizei und Politik beachtet und nicht ernstgenommen. Das zeige auch die Reaktion der Sicherheitskräfte auf eine Mahnwache für Sarah Everard nach ihrem Tod. Die Polizei löste sie gewaltsam auf, mit Verweis auf die Corona-Auflagen.