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Von Ratten und Verrat: Sind die Leaks eine Gefahr für Boris Johnson?

Boris Johnson auf Wahlkampftour in Wales
Boris Johnson auf Wahlkampftour in Wales   -   Copyright  Phil Noble/AP
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Fast täglich kommen neue Zitate oder pikante Details aus der Vergangenheit des britischen Premiers Boris Johnson ans Licht. Dabei ist der 56-J¨ährige auf Wahlkampftour - vor den Regionalwahlen in Wales und Schottland sowie den Kommunalwahlen in Großbritannien.

Der konservative Regierungschef, der einen dritten Lockdown unbedingt vermeiden wollte, soll im vergangenen Jahr gesagt haben, eher sei er bereit in Kauf zu nehmen, "dass sich die Leichen zu Tausenden auftürmen". Diesen Satz will Boris Johnson aber nie so gesagt haben.

Immer neue Leaks der "chatting rats"

In der britischen Presse ist viel von "chatting rats" die Rede, was einige mit "Plauder-Ratten" und andere mit "gesch¨wätzige Ratten" übersetzen. Doch nett sind die Ratten nicht. Vielleicht ist es auch nur ein Verräter - nämlich Johnsons Ex-Vertrauter Dominic Cummings. Dass er seinen Posten nicht einfach so räumen würde, sagten einige in London schon im vergangenen Jahr voraus, als Johnsons Co-Stratege für den Brexit selbst einen Karton aus der Tür trug.

Cummings war in Ungnade gefallen, nachdem er sich mit seiner Familie mitten im harten Lockdown 400 Kilometer entfernt aus London aufs Land abgesetzt hatte, weil seine Frau an Covid-19 erkrankt war. Im November 2020 sah er sich zum Rücktritt gezwungen.

DANIEL LEAL-OLIVAS/AFP
Boris Johnson und Dominic Cummings - ein Bild aus alten ZeitenDANIEL LEAL-OLIVAS/AFP

Wer hat die Renovierung der Downing Street bezahlt?

In den vergangenen Wochen geriet der Premierminister auch wegen der Renovierung seiner Wohnung in der Downing Street unter Druck. Sein ehemaliger Berater.Dominic Cummings schrieb in einem Blog-Beitrag, dass Johnson "Pläne hatte, heimlich Spender für die Renovierung (seiner Wohnung) zu bezahlen" und nannte das "unethisch, dumm, [und] möglicherweise illegal.".

Für die Oppositionsparteien sind die Vorwürfe im Vorfeld der Kommunalwahlen am 6. Mai ein gefundenes Fressen. Die britische Regierung behauptet, Johnson habe für die Renovierung der Wohnung bezahlt, aber die oppositionelle Labour-Partei fordert, der Premier müsse erklären, wie er das Geld erhalten habe.

"Es geht um Integrität. Es geht um das Geld der Steuerzahler. Jeden Tag gibt es mehr Beweise für diese Schlamperei. Offen gesagt, es stinkt", sagte Labour-Chef Keir Starmer der BBC.

Freunde von Boris Johnsons Freundin

In seinem Blog macht Cummings weitere Anschuldigungen. Der Premierminister habe Untersuchungen zu vorab veröffentlichten Informationen über den zweiten Lockdown verhindern wollen, weil er gehört habe, dass der Freund seiner Verlobten Carrie Symonds darin verstrickt gewesen sei.

"Ich habe ihm gesagt, dass er unmöglich eine Untersuchung über ein Leak, das Millionen von Menschen betrifft, abbrechen kann, nur weil darin die Freunde seiner Freundin verwickelt sein könnten", schrieb Cummings.

Chris Jackson/2020 Getty Images
Carrie Symonds mit ihrem Lebensgefährten Boris JohnsonChris Jackson/2020 Getty Images

Steuervorteile für Staubsauger-Milliardär James Dyson

Zu den Enthüllungen gehört auch, dass Johnson dem Unternehmer und Brexit-Anhänger James Dyson Steuervorteile versprochen haben soll - dafür dass er in der Pandemie mit seinen Ingenieuren Beatmungsgeräte herstellt. Milliardär Dyson habe zugesagt, aber nur wenn er keine Steuern dafür bezahlen würde. Boris Johnsons Antwort per WhatsApp an den 73-jährigen James geriet auf mysteriöse Weise an die Öffentlichkeit. Rishi - nämlich Finanzminister Rishi Sunak - werde sich darum kümmern, soll der Premier geantwortet haben.

Der vor allem durch seine Staubsauger bekannte Dyson war kurz vor dem Brexit nach Singapur gegangen, ist jetzt aber zurück in London.

Die britische Regierung sieht sich zudem mit wachsenden Vorwürfen zu umstrittenen Lobby-Aktivitäten und krummen Geschäften konfrontiert, die teils mit David Cameron zusammenhängen, der zwischen 2010 und 2016 Premierminister war. Eine Reihe von Untersuchungen über Camerons Lobbyarbeit für Greensill Capital sind eingeleitet. Die Finanzfirma ist im vergangenen Monat Pleite gegangen.

Dass die zahlreichen Leaks eine echte Gefahr für Boris Johnson werden, bezweifeln viele, die in dem Politiker mit teils rüden Umgangsformen eine Art Stehauf-Männchen sehen, dem auch die Ratten nichts anhaben können.