Der andere Pandemieumgang: „Das ist ein bisschen die schwedische Mentalität“

Hinweisschild auf die Schutzmaßnahmen
Hinweisschild auf die Schutzmaßnahmen Copyright AFP (Videostandbild)
Von euronews
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Wie zwei in Schweden lebende Schweizer die Pandemie in dem Land erleben, das so anders vorgeht als die meisten anderen europäischen Staaten.

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An Hinweisen, die aufgrund der anhaltenden Coronavirus-Pandemie empfohlenen Schutzmaßnahmen einzuhalten, mangelt es in Stockholm nicht. Das Tragen eines Mundschutzes im öffentlichen Nahverkehr beispielsweise ist nicht Pflicht. Und so wird die Empfehlung auch nur von rund 15 bis 20 Prozent der Menschen befolgt, sagt der Arnold Gisler, Präsident des Schweizerklubs Stockholm, der seit 1997 in Schweden lebt.

„Sie haben von Anfang an immer erzählt: Die Maske hilft nichts"

„Das ist eigentlich der Fehler der Regierung oder vom Gesundheitsamt: Sie haben von Anfang an immer erzählt: Die Maske hilft nichts. Und das sitzt in den Köpfen der Leute. Und wenn man dann plötzlich nach zehn Monaten sagt: Ihr sollt trotzdem eine Maske anhaben... Die haben zehn Monate lang gehört, die Maske hilft nichts. Und darum kümmern sich die Leute auch nicht drum“, meint Gisler.

Daniele Marletta, ein Schweizerisch-italienischer Doppelbürger, lebt seit 2006 in Stockholm. Er erläutert: „Am Anfang da war ich natürlich auch selbst ein bisschen skeptisch, als ich da mit ansah, wie alle anderen Länder in Europa quasi sehr schnell reagiert haben“, so Marletta. „Da kam natürlich schon die Frage: Alle Anderen verhalten sich auf eine andere Art und Weise wie wir das nicht für notwendig halten“, sagt er.

Auch eine Mentalitätsfrage

Schweden hat gegenüber den Nachbarländern Finnland und Norwegen deutlich höhere Ansteckungs- und Totenzahlen. Dennoch sind die Behörden seit Pandemiebeginn mit Verboten sparsam. „Das ist ein bisschen die schwedische Mentalität auch. Man will den Leuten nicht was vorschreiben. Hier denkt man immer, alles geht freiwillig. Und ist nicht so einfach zu verstehen vielleicht am Anfang, wenn man hier hochkommt. Aber das liegt in den Genen“, so Gisler. Und Marletta berichtet: „Es gibt natürlich schon Einschränkungen. Aber das Leben geht hier bei uns eigentlich so weiter, wie man es kennt im Großen und Ganzen.“

Obwohl die Zahlen gegen Schweden sprechen: Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt derzeit bei 349 - zum Vergleich: In der Schweiz und in Deutschland wird sie jeweils mit rund 129 angegeben.

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