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Angst vor Bürgerkrieg in Nahost: USA wollen vermitteln

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Von Euronews  mit dpa
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Angst vor Bürgerkrieg in Nahost: USA wollen vermitteln
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Ein Gebäude in Gaza-Stadt geht in Rauch und Flammen auf: Eines von 150 Zielen, die Israels Armee bei ihrem jüngsten Großangriff auf die Palästinensergebiete beschossen hat – aus der Luft, mit Panzern und Artillerie.

Angriff auf Hamas-Tunnelnetz

Die Offensive gilt vor allem der islamistischen Hamas und ihrem unterirdischen Tunnelnetz, doch sie trifft auch Zivilisten. Das sei unvermeidbar, heißt es vonseiten Israels.

Die Vereinten Nationen fordern die Öffnung der Grenze zwischen Israel und dem Gazastreifen – dort drohe ohne Hilfslieferungen eine humanitäre Katastrophe.

"Wir sind alarmiert über die anhaltende Eskalation der Gewalt in den palästinensischen Gebieten und in Israel", sagt Jens Laerke, Sprecher des UN-Nothilfebüros. "Die Zahl der Todesopfer steigt auf beiden Seiten und die Zivilbevölkerung leidet. Im Gazastreifen, in dem schätzungsweise zwei Millionen Palästinenser leben, haben die Kämpfe auch Auswirkungen auf den Zugang zu Wasser, sanitären Einrichtungen, Gesundheitsversorgung und den Kampf gegen Covid-19."

Über 120 Tote, 900 Verletzte

Mehr als 120 Menschen wurden seit Beginn der Eskalation vor knapp einer Woche getötet, mehr als 900 verletzt – die meisten auf palästinensischer Seite. Viele Menschen in Gaza sind obdachlos.

Mohammed Ghabayen hat mit seiner Familie Unterschlupf in einer Schule gefunden: "Wir haben sonst kein Dach über dem Kopf. Wir wissen nicht, wohin wir gehen sollen. Seit gestern haben meine Kinder nichts mehr gegessen. Es gibt keine Matratzen zum Schlafen und dazu kommt noch die Corona-Krise. Wir wissen nicht, ob wir uns besser vor dem Coronavirus oder den Raketen schützen sollen. Wir wissen nicht mehr weiter."

Auch die Hamas feuert weiter Raketen vom Gazastreifen auf Israel ab. Insgesamt waren es bislang rund 1800 Geschosse, den fünften Tag in Folge. In vielen Städten liefern sich Palästinenser und Israelis teils heftige Auseinandersetzungen.

Grenze zu Libanon: Zwei Tote nach Panzerfeuer

Und auch in den Nachbarländern kommt es zu Protesten und Gewalt. Aus dem Libanon flogen drei Raketen auf israelisches Gebiet. Zwei Demonstranten aus dem Libanon kamen bei Zusammenstößen an der Grenze ums Leben gekommen, einer von ihnen durch Panzerfeuer.

Ein 21-Jähriger sei getroffen worden, nachdem er mit Dutzenden anderen am Freitag über den Grenzzaun auf israelisches Gebiet gelangte, berichtete die staatliche libanesische Agentur NNA. Laut Augenzeugen wurde er am Bauch getroffen und starb später im Krankenhaus. Ein zweiter Demonstrant sei angeschossen worden. Er erlag später seinen Verletzungen, wie Sicherheitskreise bestätigten.

Die israelische Armee bestätigte, dass Panzer Warnschüsse auf eine Gruppe von Randalierern abfeuerten. Diese hätten den Zaun beschädigt und Feuer gelegt, ehe sie in libanesisches Gebiet zurückkehrten. Die Demonstranten hatten ihre Solidarität mit den Menschen in Gaza und Jerusalem gezeigt und palästinensische Flaggen mit Blick auf das Dorf Metula im Norden Israels geschwenkt. Libanons Präsident Michel Aoun verurteilte den Angriff.

USA wollen vermitteln, Ägypten scheitert

Die USA bemühen sich um Deeskalation des Konflikts. Der Spitzendiplomat Hady Amr traf am Freitag zu einem Vermittlungsversuch in Israel ein. Die US-Botschaft in dem Land verbreitete ein Foto von seiner Ankunft. US-Außenminister Antony Blinken hatte am Mittwoch gesagt, er habe Amr gebeten, sich mit Vertretern der Israelis sowie der Palästinenser zu treffen, um im Namen von US-Präsident Joe Biden um Deeskalation zu werben.

Die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, betonte am Freitag erneut das Selbstverteidigungsrecht Israels. Die Biden-Regierung sei auf allen Ebenen engagiert, um eine Deeskalation der Gewalt zu erreichen. Psaki fügte hinzu, der Verlust von Leben sei tragisch - "ob es palästinensische oder israelische Leben sind".

Zuvor hatte Israel ein Angebot Ägyptens zur Vermittlung einer Feuerpause abgelehnt. Eine ägyptische Delegation, die am Donnerstag nach Tel Aviv gereist sei, habe keinen Erfolg gehabt.