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Nach der Wahl von Raisi in Iran: "Viel versprechen und nichts tun"

Von Anelise Borges  & Euronews
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Es gab viel Jubel, aber auch Resignation im Iran nach der Präsidentenwahl am Samstag
Es gab viel Jubel, aber auch Resignation im Iran nach der Präsidentenwahl am Samstag   -   Copyright  Ebrahim Noroozi/Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved.
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Mit Ebrahim Raisi (auch: Raeissi) bekommt der Iran einen Präsidenten ohne politische Erfahrung, aber mit Profil. Der Wahlsieg des erzkonservativen Klerikers war keine Überraschung. Er wird von den Hardlinern unterstützt.

Ob Raisi realpolitisch auch einer ist, wird sich ab August zeigen, wenn er offiziell die Präsidentschaft übernimmt.

Euronews-Korrespondentin Anelise Borges hat sich in Teheran am Tag nach der Wahl ein Stimmungsbild verschafft. Zunächst an einem Zeitungsstand im Zentrum der Hauptstadt: "Auf den Titelseiten der Zeitungen ist der neue Präsident Ebrahim Raeissi allgegenwärtig. Er werde der Präsident aller Menschen sein, ob Sie ihn gewählt haben oder nicht, steht in einer Zeitung. Und in ein er anderen heißt es: Er wird dieses Land für vier Jahre führen."

Ebrahim Raisi war der Wunschkandidat der politischen Elite für das Präsidentenamt. Vielleicht gerade, weil der 60-jährige Kleriker über keine politische Erfahrung verfügt.

Er konnte rund 60 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen. Die sehr niedrige Wahlbeteiligung von 48,9 Prozent kann aber durchaus als Signal der Ablehnung des politischen Establishements im Iran gewertet werden.

"Es gibt keine Arbeit"

Ein älterer Passant sagte in Teheran: "Jemand muss was unternehmen. Es gibt keine Arbeit, und die Jugend kämpft mit den Lebenshaltungskosten."

Auch eine ältere Frau hatte Grund zum Klagen:_ "Wir haben keine hohen Erwartungen an den gewählten Präsidenten. Sie reden und versprechen viel, tun aber nichts für uns. Ich musste meinen Sohn ins Ausland schicken."_

Im Wahlkampf stellte Raeissi oft Wirtschaftsthemen in den Vordergrund und versprach ein schnelles Ende der seit mehreren Jahren schwelenden Finanzkrise. Diese beruht unter anderem auf Wirtschaftssanktionen durch den Westen, aber nicht nur.

"Lange Liste von Problemen"

Anelise Borges kommentierte: "Die Regierung von Ebrahim Raeissi wird eine lange Liste von Problemen zu bewältigen haben, darunter die Arbeitslosigkeit, die Schätzungen zufolge bei 20 Prozent liegt, und die Inflation, die in diesem Jahr 39 Prozent erreichen wird. Wenn der neue iranische Präsident im August sein Amt antritt, wird er vielleicht auch daran arbeiten wollen, das Vertrauen der Iraner wiederherzustellen. Viele von ihnen sind nach Jahren einer gefühlten Entfremdung zwischen den Menschen und den Machthabern enttäuscht."