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Corona in Deutschland: Fallzahlen steigen kontinuierlich

Von Euronews mit dpa
Mann bekommt Corona-Impfung in Köln-Chorweiler, 3.5.2021
Mann bekommt Corona-Impfung in Köln-Chorweiler, 3.5.2021   -   Copyright  Martin Meissner/Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved.
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Während die Überschwemmungen im Westen Deutschlands die Menschen in Atem hält, geht die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Deutschland stetig nach oben. So meldete das Robert-Koch-Institut (RKI) 546 neue Corona-Fälle binnen 24 Stunden.

Das bedeutet einen leichten Anstieg der 7-Tage-Inzidenz von 10 auf 10,3 im bundesweiten Durchschnitt, regional liegt Berlin mit 15,8 an der Spitze, gefolgt von Hamburg (13,8) und Hessen (13,6). Die niedrigste Inzidenz haben Sachsen-Anhalt (3,1), Mecklenburg-Vorpommern (3,4) und Thüringen (3,8). Erfahrungsgemäß fällt die Zahl der gemeldeten Infektionen über das Wochenende geringer aus, da Arztpraxen und Labore am Wochenende geschlossen sind und sich dadurch eine Verzögerung bei der Datenübermittlung ergibt. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg demnach auf 91.363.

RKI: Gefahrenlage "hoch"

Das RKI stuft die Gefahrenlage durch die Ausbreitung der "besorgniserregenden" Varianten, allen voran Delta, besonders für nicht- oder nicht vollständig - geimpfte Menschen in Deutschland als "hoch" ein, auch wenn inzwischen 45,3 Prozent der Bevölkerung bereits vollständig gegen COVID-19 geimpft ist. Für zweimal Geimpfte sei die Gefährdung hingegen "moderat".

Zuletzt hatten Epidemiolog:innen ihre Berechnungen für das Erreichen einer Herdenimmunität, also dem Punkt, an dem auch Nicht-Geimpfte durch den Rest der geimpften oder immunen Bevölkerung mit geschützt werden, hochgeschraubt. Dem RKI zufolge müssen dafür nicht wie ursprünglich angenommen 60-70 Prozent, sondern mindestens 80 bis 85 Prozent einer Bevölkerung immun sein.

Wie die Regierung in der Pandemie nun weiter verfährt, bleibt abzuwarten. Bislang beruhten viele der einschränkenden Maßnahmen auf dem Inzidenzwert, die im Rahmen der Bundesnotbremse griffen. Diese lief allerdings Ende Juni aus. Für die anrollende Welle sollen auch Werte wie etwa die Anzahl der Krankenhauseinweisungen stärker berücksichtigt werden.

England feiert Freiheiten, Schottland, Wales und Nordirland bleiben zurückhaltend

Trotz Kritik aus dem In- und Ausland wegen der dramatisch ansteigenden Infektionszahlen, hat Großbritanniens Premierminister Boris Johnsons sich nicht von seinem Plan abbringen lassen, die letzten Corona-Einschränkungen für England auszusetzen, Abstandsregeln fallen weg, genauso wie das Tragen von Masken. Auch die Nachtclubs öffneten wieder und eine Obergrenze für den Besuch von Großveranstaltungen fielen weg. In Großbritannien und Nordirland wurden nach offiziellen Angaben 48.161 Neuinfektionen binnen 24 Stunden gemeldet, ein Anstieg um 43,3 Prozent im Vergleich zur Vorwoche. Die 7-Tage-Inzidenz liegt bei 376,1 auf 100.000 Einwohner und ist damit auf einem ähnlich hohen Niveau wie zum Jahreswechsel.

Johnson appellierte an die Eigenverantwortung der Menschen und vertraut auf die hohen Impfquoten im Land, wo rund 68 Prozent vollständig geimpft sind. 88 Prozent haben zumindest eine Impfung erhalten. So habe das Impfprogramm die Verbindung zwischen Ansteckung und Krankenhauseinweisung [...] erheblich geschwächt. Dennoch: innerhalb der vergangenen 24 Stunden mussten 740 Menschen wegen Corona ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Expert:innen warnen deshalb schon jetzt vor einer Überlastung des Gesundheitssystems und fürchten die weiter steigenden Neuinfektionszahlen. Schon jetzt gibt es in einigen Branchen Personalengpässe wegen der vorgeschriebenen Selbstisolation als Kontaktfall. Besonders betroffen sind die Verkehrsbetriebe und der nationale Gesundheitsdienst NHS. Derzeit befinden sich 1,7 Millionen Menschen in Großbritannien in Selbstisolation.

Wales, Schottland und Nordirland tragen Johnsons Entscheidung nicht mit - sie sind für ihre Gesundheitspolitik selbst verantwortlich und halten einige der Corona-Restriktionen bei.

Israel verzeichnet ebenfalls Anstieg

Mit Sorge beobachtet wird auch der Anstieg der Corona-Neuinfektionen in Israel. Dort überschritt die Zahl der täglichen Neuinfektionen die 1.000er Grenze, das erste Mal seit Mitte März. Israel galt wegen seiner schnell voranschreitenden Impfkampagne als Vorbild im Kampf gegen die Corona-Pandemie.

Mehr als 56 Prozent der Bevölkerung sind vollständig geimpft, zumeist mit dem mRNA-Impfstoff von Pfizer/Biontech. Die Zahl der Schwerkranken ist binnen eines Monats von 19 auf 58 gestiegen. Mehr als die Hälfte davon hat nach Angaben des Gesundheitsministeriums mindestens eine Impfdosis gegen das Coronavirus erhalten. Zuletzt hatte Studien bescheinigt, dass die Impfwirkung bei der Delta-Variante um einiges verringert hatte. Naftali Bennett, Ministerpräsident Israels hatte erst am Freitag erklärt, dass sich die Einschätzung durchsetze, "dass die Wirksamkeit der vorhandenden Impfstoffe gegen die Delta-Variante schwächer ist, als wir gehofft hatten".

Es zeige sich, dass das Problem nicht allein durch Impfungen gelöst werden könne. Nach einem kurzem Intermezzo hatte Israel die Maskenpflicht in Innenräumen wieder eingeführt. Zudem erlässt das Land ab diesem Mittwoch wieder Beschränkungen für Versammlungen von mehr als 100 Menschen in geschlossenen Räumen.