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Deutschland vor der Wahl 2021: Wie rassistisch sind wir?

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Von Euronews
Diskussion mit Filiz Polat (Die Grünen) und Lars Castellucci (SPD)
Diskussion mit Filiz Polat (Die Grünen) und Lars Castellucci (SPD)   -   Copyright  Caroline Will/Debating Europe
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Wie rassistisch ist Deutschland? Und welche Richtung sollte die Migrationspolitik in Deutschland und der Europäischen Union einschlagen? Wie kann erfolgreiche Integration funktionieren?

Darüber haben Debating Europe und Euronews mit der Sprecherin für Migration und Integration Filiz Polat von den Grünen und Lars Castellucci von der SPD in einem Bürgerforum diskutiert.

Die Diskussion wurde am 13. August aufgezeichnet - die Lage in Afghanistan hat sich seitdem leider dramatisch verschlechtert. Moderiert wurde das Gespräch von Willi Schulz von Debating Europe.

Sie finden die Diskussion hier oder auf unserem YouTube-Kanal anschauen.

Beim Thema rechtsexteme Chat-Gruppen innerhalb der Polizei sehen beide, die Grünen-Politikerin Filiz Polat und Lars Castellucci von der SPD, Horst Seehofer in der Verantwortung.

Man muss langsam verstehen, dass diese rechtsextremen Netzwerke nicht nur deutschlandweit, nicht nur europaweit, sondern weltweit hervorragend vernetzt sind, immer einen Schritt voraus.
Filiz Polat
Grüne

"Man muss langsam verstehen, dass diese rechtsextremen Netzwerke nicht nur deutschlandweit, nicht nur europaweit, sondern weltweit hervorragend vernetzt sind, immer einen Schritt voraus", so Filiz Polat. Vor allem das Innenministerium habe das viel zu lange verharmlost. Der SPD-Politiker will keinen Generalverdacht gegen die Sicherheitskräfte. Castellucci erklärt: "Ich hab erst mal ein Grundvertrauen, aber ich will auf jeden Fall auch ausbrechen aus diesem Typischen, weil man das Grundvertrauen in die Sicherheitskräfte nicht erschüttern will, vor die stellt und dann sagt, was nicht sein darf, das kann auch nicht sein. Und das ist glaub ich das, was der Union dann immer durchgeht.

Und wie steht es um den alltäglichen Rassismus in Deutschland?

Filiz Polat meint, dass jede und jeder allein, aber auch in Gruppen gegen die "Rassismen in sich selbst" arbeiten kann. "Gerade Europa hat historische Kontinuitäten - angefangen mit dem Kolonialismus - und das trägt bis heute in unsere Gesellschaft rein. Und das wissen wir teilweise gar nicht, wo diese Rassismen in unserem Alltag wirken. Ich hab sehr viele weltoffene Menschen getroffen, auch in der Flüchtlingskrise 2015-2016, die haben selber gesagt, sie sind weltoffen, waren in der Entwicklungszusammenarbeit unterwegs, viel in der Welt, aber hatten troztdem auch Rassismen in sich, also wie sie über Schwarze gesprochen haben."

Wir haben insgesamt ein Problem in der Gesellschaft vor allem dadurch, dass so viele von uns auf so unterschiedlichen Umlaufbahnen unterwegs sind und sich nicht richtig treffen. Dass es sich nicht so richtig mischt. Und das müssen wir immer wieder versuchen zu unterbrechen.
Lars Castellucci
SPD

Castellucci erinntert sich gerne an seinen Studienaufenhalt in den USA: "Die Weltoffenheit, die man genießt, wenn man ins Ausland geht, die widerspricht sich ja überhaupt nicht mit so was wie Heimatliebe oder so. Ich hab, als ich zurücgekommen bin aus den USA, richtig gespürt, wo ich herkomme und dass ich da gerne auch wieder hin zurückgehe, und das ist auch ein tolles Gefühl. Wer das nicht hat, ist auch in Ordnung. Und darüber immer wieder reden - und vielleicht auch mal an untypischen Orten - also das kann aber auch die Verwandtschaft sein. Da wird auch Unterschiedliches gedacht. Und ich glaube, wir haben insgesamt ein Problem in der Gesellschaft vor allem dadurch, dass so viele von uns auf so unterschiedlichen Umlaufbahnen unterwegs sind und sich nicht richtig treffen. Dass es sich nicht so richtig mischt. Und das müssen wir immer wieder versuchen zu unterbrechen."