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"Beschämend": Rechthaberische Elke Heidenreich (78) sorgt für Shitstorm

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Von Kirsten Ripper  & Euronews mit Twitter, ZDF
Elke Heidenreich in der Talkshow
Elke Heidenreich in der Talkshow   -   Copyright  Markus Lanz, ZDF
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Die Autorin und Kulturjournalistin Karla Paul, die sich auf Twitter @Buchkolumne nennt, hat den umstrittenen Ausschnitt aus der Talkshow von Markus Lanz mit Elke Heidenreich geteilt. Zu den Aussagen der 78-jährigen Schriftstellerin meint sie: "Es ist beschämend, wie #ElkeHeidenreich hier bei #Lanz urteilt. Es ist sexistisch und rassistisch und zeugt von Ignoranz und mangelnder Ahnung von moderner Kommunikation, zudem ist es empathie- und respektlos. \_Frau Heidenreich - so viel gelesen und so wenig verstanden_."

Worum geht es?

Elke Heidenreich kritisiert die Sprecherin der Grünen Jugend Sarah Lee Heinrich. Über die 20-Jährige sagt die Schriftstellerin: "Also, was sind alle immer sofort beleidigt. Um bei diesem Mädchen zu bleiben, Sarah Lee Heinrich. Sie kann gar nicht sprechen. Das sind wieder Kinder, die nicht lesen. Das sehe ich immer wieder in dieser Generation. Wenn einer aussieht wie sie, frage ich natürlich, wo kommst Du her oder wo kommen Sie her? Und zwar nicht, um sie zu diskriminieren. Weil ich sofort sehe, sie kommt kommen nicht aus Wuppertal oder Wanne-Eickel. Die hat Eltern, die von woanders kommen.

Wo kommen Sie eigentlich her, ich finde das kein Problem, dass man sie fragt. "

Heidenreich weiter: "Wenn ich einen netten dunkelhäutigen Taxifahrer habe, der Kölsch spricht, wenn ich frage: Wo kommen Sie denn her? Sagt der "Meine Eltern kommen aus Marokko".

Und noch mal zu Sarah Lee Heinrich: (...) dass sie einen Tweet unterschrieben hat mit Heil, das geht eben gar nicht, das ist eben gar nicht komisch. Das ist off the records, das geht eben gar nicht. (...)

Sie ist Sprecherin der Grünen Jugend, sie kann aber gar nicht sprechen. Und das macht mich skeptisch. Hauptsache divers, Hauptsache Migrationshintergrund, Hauptsache Quote, das ist eben der falsche Weg."

Moderator Markus Lanz, der Elke Heidenreich duzt, scheint der Autorin weitestgehend zuzustimmen. Als der österreichische Journalist Florian Klenk um Verständnis für die junge Grünen-Politikerin wirbt, schaut Heidenreich in eine andere Richtung.

Die Anwältin Seda Basay-Yildiz nennt das Gesagte "unterirdisch".

Viele finden die Aussagen Heidenreichs "unerträglich".

Andere outen sich als enttäuschte Leserinnen.

Der Autor Mohamed Amjahid schreibt auf Twitter auch, er "stehe als Anthropologe für Interviews zum Thema Elke Heidenreich bereit. Habe lange dazu geforscht und teile gerne mein Wissen."

In einem Scherz-Foto zeigt ein "Knallcharge" eine verständnislose Elke Heidenreich.

Einige Twitter-Userinnen und -User stimmen Heidenreich zu, die auch Gendern in der Sprache generell ablehnt. So schreibt Twitter-User Alexander als Antwort auf die Unterstützung für Sarah Lee Heinrich durch die ¨Politikerinnen Aminata Touré (Grüne) und Sawsan Chebli (SDP), Heidenreich bringe Dinge auf den Punkt und vertrete "berechtigte Kritik".

Hinter der Diskussion um Sarah Lee Heinrich, die in einer Diskussionsrunde über die "eklige weiße Mehrheitsgesellschaft" gesprochen hatte, steckt ein Stück weit auch ein Generationenkonflikt. Der 67 Jahre alte Grüne Jürgen Trittin hatte seine junge Parteigenossin Sarah Lee Heinrich in der Sendung bei Markus Lanz zwar verteidigt, aber zeigte sich weit weniger entsetzt über die Kritik von Elke Heidenreich als viele Jüngere.

Zudem geht es um die Debattenkultur in Deutschland: Was darf frau oder man wie sagen? Ist es fair, wenn die erfahrene Elke Heidenreich einer mehr als 50 Jahre jüngeren Frau die Qualifikation für ein Amt abspricht, in das sie gewählt wurde? Und mit welchen Worten darf Sarah Lee Heinrich ihrem Missfallen an der biodeutschen Mehrheitsgesellschaft ausdrücken, in der sie in ihrem jungen Leben offenbar schon so allerhand Rassismus erfahren hat.