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"Wundermittel nicht in Sicht": Coronavirus-Lage in Deutschland

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Von Alexandra Leistner
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Ein Schnelltest-Container in Duisburg: Werde die Impfzentren in Deutschland auch bald wieder öffnen?
Ein Schnelltest-Container in Duisburg: Werde die Impfzentren in Deutschland auch bald wieder öffnen?   -   Copyright  Martin Meissner/AP

Die Coronavirus-Zahlen steigen wieder, was hinsichtlich des herannahenden Winters keine Überraschung ist. Auch gibt es einen Teil in der deutschen Gesellschaft, der bisher noch nicht geimpft wurde. Manche werden dies noch tun, andere "werden wohl nicht zu überzeugen sein", wie der Chef der Ständigen Impfkommission in Deutschland, Prof. Dr. Thomas Mertens, in der Bundespressekonferenz am Dienstagmorgen sagte.

Die 7-Tage-Inzidenz in Deutschland liegt nach Angaben des RKI bei 153,7. Die Gesundheitsämter übermittelten demnach 10.813 neuen Coronavirus-Infektionen innerhalb eines Tages. 81 Todesfälle mit oder durch COVID-19 wurden zudem übermittelt.

RKI-Lagebericht für den 2. November 2021

Die Werte für die 7-Tage-Inzidenz in den Bundesländern liegen zwischen 306,5 pro 100.000 EW in Thüringen und 70,6 pro 100.000 EW in Schleswig-Holstein.

Es wurden 607 Hospitalisierungen in Bezug auf COVID-19 übermittelt, die 7-Tage-Inzidenz der hospitalisierten Fälle liegt bei 3,29 Fällen pro 100.000 Einwohner.

Am 01.11.2021 (12:15 Uhr) befanden sich laut RKI 2.058 COVID-19-Fälle in intensivmedizinischer Behandlung (+74 zum Vortag). Der Anteil der COVID-19-Belegung an allen betreibbaren Intensivbetten für Erwachsene liegt bei 9,4 %.

Seit dem 26.12.2020 wurden insgesamt 112.022.911 Impfungen verabreicht. Insgesamt haben 69,4 % der Bevölkerung mindestens eine Impfung gegen COVID-19 bekommen.4 66,7 % wurden bereits vollständig gegen COVID-19 geimpft.

Impfdurchbrüche: War das zu erwarten?

Krank trotz Impfung? Dazu hat der STIKO-Chef Mertens, gesagt "die Durchbruchinfektionen entsprechen dem, was man erwarten konnte". Zwar gebe es ein Nachlassen der Immunität, diese habe aber - wie erwartet - keinen Einfluss auf den Schutz vor Infektion sondern auf den Schutz vor Erkrankung. Wer eine Grundimmunisierung habe - also zwei Mal geimpft wurde - habe ein sehr viel geringeres Risiko, schwer an COVID-19 zu erkranken.

Warum bekommt in Deutschland nicht jeder eine Booster-Impfung?

Weil die Grundimmunisierung bei den 18-59-Jährigen in manchen Ländern nur bei 60 Prozent liegt, sei es der falsche Fokus, jetzt einen Booster für alle zu empfehlen, so die Gesundheitsexperten während der Bundespressekonferenz in Berlin.

Weil es in manchen Gegenden rund 30 Prozent nicht einmal ein erstes Mal geimpft wurden, müsse man hier ansetzen sowie diejenigen impfen, die aus medizinischer Sicht eine dritte Impfung dringen brauchen.

Hinsichtlich des herannahenden Winter sagte Prof. Dr. Martin Scherer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), "Das Wundermittel ist bislang nicht in Sicht. Mit den Mitteln, die wir haben, müssen wir auskommen."

Anders als im vergangenen Winter seien viele Menschen in diesem Jahr geimpft. Dazu kämen Abstandsregeln und Kontaktbeschränkungen. Scherer sprach von einer "Blaupause für die nächsten Jahre. Das Virus wird nicht weggehen."

Wichtig sei es, dass die Fehler im Schutz der Alten- und Pflegeheime nicht wiederholt würden. Die Bewohner:innen dort müssten ihre Booster erhalten, mobile Teams können unterstützen, aber alle müssten zusammenarbeiten, um einen ausreichenden Schutz dieser Bevölkerungsgruppe in diesem Winter sicherzustellen.

Die Politik habe entschieden, dass die Impfung freiwillig bleibt. Das heiße aber, dass die Bevölkerung mitarbeiten müsse, so der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. Andreas Gassen. "Lassen Sie sich impfen", so Gassen eindringlich. Eine Auffrischung sei laut STIKO für alle über 70 sowie medizinisches Personal empfohlen. "Der Ausweg aus der Pandemie ist die Impfung, sie steht allen kostenlos zur Verfügung."

Wer verimpft den Booster?

Praxen können die Booster leisten, aber die Patienten müssen sich selbst bei ihrem Hausarzt melden. EInladung durch Krankenkassen und Behörden sowie Kampagnen.

Wenn jemand unter 70 eine Booster-Impfung will, wie soll der Arzt reagieren?

Mediziner:innen sollen sich laut STIKO auf wissenschaftliche Empfehlungen beziehen und die Empfehlung durchsetzen. Zuerst seien diejenigen dran, die die Auffrischung am dringendsten brauchen.

Hat eine Erkrankung trotz Impfung einen Booster-Effekt?

Mit dieser Frage beschäftige sich die STIKO derzeit intensiv, so der STIKO-Chef Mertens. Deswegen sollten jetzt diejenigen geboostert werden, die ein Risiko für schwere Erkrankungen haben.

Ist es besser jemanden zu boosten, als den Impfstoff wegzuschmeißen?

Ja, bevor er wegkommt, sagt der STIKO-Chef, sei es natürlich zu empfehlen, jemanden noch einmal zu impfen. Das geordnete Vorgehen sei jetzt aber wichtig, deswegen sollen diejenigen in Deutschland geimpft werden, die über 70 Jahre alt sind sowie das medizinische Personal.