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Rechte feiern Mord in Idar-Oberstein als Notwehr

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Von Euronews mit dpa, Twitter
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Tankstelle in Idar-Oberstein
Tankstelle in Idar-Oberstein   -   Copyright  Christian Schulz/(c) Foto Hosser
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Die tödliche Attacke auf einen Tankstellen-Kassierer in Idar-Oberstein (Rheinland-Pfalz) hat deutschlandweit Bestützung ausgelöst und eine Debatte über den richtigen Umgang mit der Tat.

Weil er ihn auf die Maskenpflicht hingewiesen habe, soll ein 49-Jähriger den jungen Kassierer am Samstagabend erschossen haben.

In den sozialen Medien kritisieren einige, dass in der Berichterstattung eine Verbindung zwischen dem Mord und der Maskenpflicht im Vordergrund stünde. "Das verschweigt die Beweggründe und verteilt Schuld und Verantwortung falsch." Nicht die Maskenpflicht sei schuld an dem Mord, schreibt diese Twitter-Nutzerin.

In rechten Kreisen wird der Mord sogar als Notwehr und Auflehnung gegen eine "Corona-Diktatur" gefeiert.

Seit Beginn der Maskenpflicht würde er als Verkäufer fast täglich rassistisch und homophob beleidigt und bedroht werden, sagt ein anderer Twitter-Nutzer und fordert dazu auf, die Bedrohung ernst zu nehmen.

Die Stadtverwaltung Idar-Oberstein diskutiert über eine angemessene Trauerfeier für den getöteten Mann. Es soll eine öffentliche Gedenkveranstaltung geben.

"Ich bin total schockiert, dass so etwas in unserer Heimatstadt Idar-Oberstein passieren kann", sagt Bürgermeister Frank Frühauf. "Und man kann eigentlich kaum in Worte fassen, was für ein tragisches Schicksal hier passiert ist."

Der Täter, ein Deutscher aus Idar-Oberstein, sitzt in Untersuchungshaft. Er sagte nach Angaben der Ermittler aus, dass er die Corona-Maßnahmen ablehne. Er habe sich in die Ecke gedrängt gefühlt und keinen anderen Ausweg gesehen, als ein Zeichen zu setzen.

Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock sagte, "Die Radikalisierung des Querdenkermilieus bereitet mir große Sorgen." Auch andere Politiker wie SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz und CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak verurteilten die Tat.

Der Präsidenten des thüringischen Verfassungsschutzes, Stephan Kramer, sagte gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, er habe schon früh vor einer Eskalation gewarnt, die Tat sei eine Konsequenz rechtsextremistischer Verschwörungsfantasien.

"Der kaltblütige Mord an dem Studenten, der als Tankstellenkassierer arbeitete, ist furchtbar, aber für mich keine Überraschung angesichts der steten Eskalation der letzten Wochen."