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Avvocati di strada: Italiens größte Kanzlei ohne Einnahmen

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Von Luca Palamara mit Euronews
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Ein Obdachloser wird im Zentrum von Mailand versorgt. Bei bürokratischen Problemen helfen oft die "Avvocati di strada"
Ein Obdachloser wird im Zentrum von Mailand versorgt. Bei bürokratischen Problemen helfen oft die "Avvocati di strada"   -   Copyright  Antonio Calanni/Copyright 2020 The Associated Press. All rights reserved

"Avvocati di strada" ist die größte Anwaltskanzlei Italiens und gleichzeitig die am wenigsten rentable. Die "Straßenanwälte" bieten Obdachlosen und Menschen, die ihre Rechte nicht wahrnehmen können, weil sie keinen Wohnsitz haben, kostenlose Rechtsberatung an.

Die im Jahr 2000 in Bologna gegründete Vereinigung von Berufsanwälten ist seit 2008 in ganz Italien tätig, unter anderem in Neapel.

Einer der Anwälte ist Francesco Priore: "Durch eine Vereinbarung mit der Stadtverwaltung und in Zusammenarbeit mit den Sozialdiensten hilft unsere Vereinigung dabei, einen virtuellen Wohnsitz zu bekommen, der hier in Neapel 'Proximity Residence' genannt wird. Der Status entspricht dem einer normalen Meldeadresse, die aber in Wirklichkeit virtuell ist, weil die Leute nicht an diesem Ort leben, aber er ermöglicht ihnen den Zugang zu Gesundheitsdiensten, Wahlregistern und Personalausweisen."

Die Straßenanwälte arbeiten innerhalb eines Netzes von Diensten, die für diejenigen bestimmt sind, die am Rande der städtischen Gesellschaft leben.

Ernestina Servo ist Sozialarbeiterin in der "Kooperative Dedalus" in Neapel und erläutert die vielfältigen Gründe für das Scheitern in der Leistungsgesellschaft: "Job-Verlust, Arbeitslosigkeit, psychische Probleme, allgemeinere soziale Probleme, wie das Scheitern von Migrationsprozessen des Familienlebens und damit das Abgleiten in die Armut."

"Für viele unsichtbar"

Euronews-Korrespüondent Luca Palamara kommentierte in der "Kooperative Dedalus": "Die Menschen kommen hierher, um zu duschen. Sie haben keine Bleibe und sind für viele einfach unsichtbar - aber nicht für die Straßenanwälte, die versuchen, den Obdachlosen zu helfen, einen neuen Ort zu finden, an dem sie leben können und etwas von ihrer Würde zurückbekommen."

Wie im Fall von Luciano Febbraro, der auf der Straße lebt und einen Rechtsbeistand braucht, um die Papiere für seine lang ersehnte Geschlechtsumwandlung zu bekommen: "Wir müssen den Papierkram für meinen Ausweis und einen Wohnsitz erledigen, dann kann ich mit anderen Leuten reden, um zu ändern, wer ich bin, denn so fühle ich mich nicht wohl, ich fühle mich unwohl."

Straßenanwalt Francesco Priore sagte über seine Motivation: "Meine Entscheidung ist auf eine persönliche Erfahrung zurückzuführen: Ich habe gesehen, wie meinem Vater Ungerechtigkeiten widerfahren sind, und ich habe mir damals gesagt, dass mein Vater in Zukunft bestimmte Dinge nicht mehr erleben sollte, weil ich da bin um ihn zu verteidigen."

Etwa 3.000 Gerichtsverfahren pro Jahr führen die Kanzlei Avvocati di strada in ganz Italien, mit einem Nettogewinn von null Euro, aber viele Menschen aus ihrer sozialen Unsichtbarkeit zu befreien ist der Lohn dieser Rechtsanwälte.