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Sprachenstreit: Tausende für Katalanisch als Schulsprache

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Von su  mit AP
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Sprachenstreit: Tausende für Katalanisch als Schulsprache
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Tausende Menschen haben im Stadtzentrum von Barcelona für Katalanisch als Schulsprache demonstriert. Der Anlass: Spaniens Oberster Gerichtshof hatte entschieden, dass der Unterricht an öffentlichen Schulen zu mindestens 25 % auf Spanisch (Castellano) gehalten werden soll. 54 Bildungseinrichtungen, vereint in der Plattform "Som Escola", sind dagegen. Derzeit wird Spanisch in den meisten Schulen nur im Spanischunterricht gesprochen, alles andere wird auf Katalanisch unterrichtet. 

Ein Demonstrant:

"Die Sprache des Landes, Kataloniens, ist Katalanisch, nicht Spanisch (Castellano)... das nennen wir  Sprachinvasion" 

Demonstranten sagen, dass dies ihr Bildungssystem bedrohen würde. Es habe dazu beigetragen, dass im Alltag wieder Katalanisch gesprochen werde. Die Regionalsprache war während der Franco-Diktatur (1939-1975) an den Rand gedrängt worden. Andererseits gibt es Familien, die möchten, dass ihre Kinder mehr Spanisch lernen. Sie meinen, dass das aktuelle System ihr Recht verletzt, in der gemeinsamen Sprache des Landes zu lernen.

Eine Demonstrantin:

"Zuhause sprechen wir Katalanisch, die Großeltern sprechen Katalanisch, die Familie spricht Katalanisch und trotzdem sprechen die Kinder problemlos Spanisch... dank Internet, Fernsehen, Freunden."

Katalanisch ist kein Dialekt des Spanischen, sondern eine ebenfalls direkt aus dem Vulgärlatein hervorgegangene Sprache im Nordwesten Spaniens und Andorra, die auch in nahegelegenen Regionen in Frankreich und Italien verstanden wird. Es gibt etwa 11,5 Millionen aktive Sprecher, etwa 12,6 Millionen Menschen verstehen Katalanisch.

UNTERDRÜCKTE KULTUR

Im Lauf der Jahrhunderte wurde die katalanische Kultur und damit auch ihre Sprache von Königen und Diktatoren immer wieder unterdrückt, zuletzt unter General Francisco Franco (1892 bis 1975). Nach dem Spanischen Bürgerkrieg (1936 bis 1939) schloss Franco das Katalanische aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens aus, in der Schule wurde ausschließlich auf spanisch unterrichtet.

Bis 1946 war Katalanisch sogar ganz verboten. Gesprochen wurde es trotzdem – allerdings führte die Sprache ein jahrzehntelanges Schattendasein. Die repressiven Maßnahmen wurden erst in den 1950er Jahren etwas gelockert, sodass allmählich wieder Bücher auf Katalanisch gedruckt werden konnten.

Mit dem Beginn des "Nova Canço" – des modernen katalanischen Chansons mit seinen bekanntesten Vertretern Raimon und Lluís Llach – erwachte in den 1960er Jahren ein neues Selbstbewusstsein. Das politische Engagement der Künstler half, die katalanische Kultur wiederzubeleben.

su mit AP