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Hofbräuhaus vs. Hofbrauhaus: Es geht um das "äu" und noch viel mehr

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Von Euronews  mit DPA
Menschen greifen bei der Eröffnung des 186. Oktoberfestes in München nach einem Glas Bier (2019)
Menschen greifen bei der Eröffnung des 186. Oktoberfestes in München nach einem Glas Bier (2019)   -   Copyright  AP Photo/Matthias Schrader, FILE

In München steht ein "Hofbräuhaus" - und das wär gern das einzige auf der Welt. Mit "äu", auch wenn das Leuten von anderswo her schwer über die Lippen geht.

Schlimmer noch, wenn sich jemand beinah so nennt, aber gar kein Hofbräuhaus ist. Wie das "Hofbrauhaus" in Dresden, weder eine Brauerei noch eine Gaststätte, sondern nur eine Marke, und dann auch noch ohne "äu". Das wurmt die Münchner - schon seit Jahren. Und darum geht es ab heute vor dem Landgericht München I. "Hofbräuhaus vs Hofbrauhaus" heißt der prominente Fall. 

Das Staatliche Hofbräuhaus München wendet sich schon seit zehn Jahren erfolglos gegen die Namensgebung des Dresdner Hofbrauhauses ohne "äu". Man habe sich "lange und immer wieder um eine gütliche Konfliktbeilegung bemüht und verschiedene Einigungsvorschläge unterbreitet. Leider ohne Erfolg", teilte das Hofbräuhaus mit. Nun kommt der Namensstreit vor Gericht.

"Die Verwechslung des Namens ist gerade im internationalen Bereich hundertprozentig. Da heißen wir Hofbrauhaus", so Hofbräu-Sprecher Stefan Hempl. In vielen Sprachen gibt es kein "äu" - für englischsprachige Gäste ist das weltweit bekannte Hofbräuhaus ein "Hofbrauhaus". So lauten auch die Internetadressen lizenzierter Ableger des Münchner Originals in den USA, etwa in Las Vegas.

Deshalb ließ sich Hofbräu München nach eigenen Angaben mit der Marke "Hofbräuhaus" auch korrespondierende Domainnamen schützen. Bei Konflikten seien zumeist einvernehmliche Einigungen erzielt worden.

Dennoch holte sich der Lebensmittelhändler John Scheller 2011 die sogenannte Wort- und Bild-Marke für "Dresdner Hofbrauhaus" beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA). 

Das Wort Hofbrauhaus selbst kann man nicht sichern, da es ein deutsches Wort ist. Hofbräu München reichte gegen die Markenanmeldung Widerspruch beim DPMA ein, jedoch ohne Erfolg.

Neben mehreren nach dem Vorbild des Münchner Hofbräu-Originals im Ausland - in den USA, aber auch in Brasilien und China - geführten "Hofbräuhäusern" betreiben Franchise-Partner im deutschsprachigen Raum ein Dutzend Hofbräu-Wirtshäuser: etwa im österreichischen Klagenfurt, in Berlin und Hamburg. Und just auch in Dresden gibt es ein "Hofbräu zur Frauenkirche". Doch all diese Partner zahlen für den Namen an die Brauerei in München.

Das von Herzog Wilhelm V. gegründete Münchner Hofbräuhaus gibt es seit 1589. Im Jahr 1879 wurde die Schutzmarke beim kaiserlichen Patentamt eingetragen. Mittlerweile ist der Markenschutz für das Staatliche Hofbräuhaus in München bei der EU-Behörde für geistiges Eigentum (EUIPO) mit Sitz im spanischen Alicante vermerkt.

John Scheller hingegen hatte zunächst nichts mit einer Brauerei zu tun. Doch einer seiner vier Läden im Raum Dresden steht just auf dem Brunnen der 1872 entstandenen Dresdner Brauerei "Hofbrauhaus Aktienbrauerei und Malzfabrik zu Dresden". Diese hatte vor rund 100 Jahren die Produktion eingestellt. Dann gab es das Bier nicht mehr - bis Scheller den Namen wiederbelebte.

Er ließ den Brunnen freilegen, für Kunden nun sichtbar durch eine Glasplatte. Er sicherte sich den Namen, ließ ein eigenes Bier brauenund verkauft das nun in den Lebensmittelmärkten. Es gehe ihm darum, die Tradition wieder aufleben zu lassen - und nicht darum, eine Konkurrenzmarke zu etablieren, betonte Scheller vor dem Prozess. Er beziehe sich auf den historischen Namen und Fakten, die einzig regional von Bedeutung seien.

Da der Einspruch des Hofbräuhauses gegen die Markenanmeldung des Hofbrauhauses ohne Ergebnis geblieben war, verlangen die Münchner nun über die zivilrechtliche Klage die Löschung der Dresdner Marke. "Wir müssen unsere Marke verteidigen", sagt Hempl. "Wenn wir das nicht tun, verwirken wir unseren Markenschutz."

Scheller wiederum sah keine Kollision. "Ich gehe optimistisch in das Verfahren. Wir sind keine Trittbrettfahrer, sondern beziehen uns auf ein Stück Dresdner Historie. Uns geht es einzig und allein darum, diese zu bewahren und keinen Machtkampf zu führen."