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Hotel in Rom nimmt behinderte Flüchtlinge aus der Ukraine auf

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Von Katharina Sturm
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Ukrainische Flüchtlinge
Ukrainische Flüchtlinge   -   Copyright  Euronews

Eine italienische Hilfsorganisation hat rund 50 Menschen, die meisten von ihnen behindert, aus der Ukraine evakuiert. Ihnen wurde von den regionalen Behörden eine vorübergehende Unterkunft in der Hauptstadt Rom angeboten.

Wenn Gott entschieden hat, dass ich überleben soll, bedeutet das, dass mein Leben einen Sinn hat.
Mekolai
Blinder Flüchtling aus der Ukraine

Die Menschen haben eine schwere Reise auf sich genommen, um in Sicherheit zu gelangen. Mehrere Krebspatienten, die mit ihnen reisten, wurden gleich nach ihrer Ankunft ins Krankenhaus gebracht.

Boris und sein Vater sind beide blind. Sie brauchten einen Monat, um Mariupol - die derzeit am schlimmsten betroffene Stadt der Ukraine - mit ihrer Familie zu verlassen.

"Ich erinnere mich an jedes Detail unserer Reise und an jedes Geräusch des Krieges", sagt Boris' Vater Mekolai. Obwohl er weiß, dass es dort, wo er jetzt ist, keine Bombardierungen gibt, sagt er, dass er immer noch von diesem Geräusch verfolgt wird. Er gerät jedes Mal in Panik, wenn er ein lautes Geräusch hört. Er sagt: "Wenn Gott entschieden hat, dass ich überleben soll, bedeutet das, dass mein Leben einen Sinn hat".

Mekolais Sohn ist erst 14 Jahre altund hat schon so viel durchgemacht. Er kann immer noch nicht glauben, was geschehen ist.

Euronews-Sprecherin Gioargia Orlandi ist vor Ort und erklärt:
"Rund 200 ukrainische Staatsangehörige sind derzeit in diesem Hotel im Zentrum Roms untergebracht. Die meisten von ihnen kommen aus dem Südosten der Ukraine. Der Teil des Landes, der am stärksten von der russischen Armee bombardiert wurde. Sie sagten uns, sie hätten Glück, weil sie gerade noch rechtzeitig fliehen konnten, bevor die russischen Streitkräfte ihre militärischen Angriffe in diesem Teil der Ukraine verstärkten. Sie erzählten uns auch, dass sie Freunde, Nachbarn oder andere Zivilisten kennen, die zurückbleiben, weil sie nicht fliehen konnten."

Viele haben um psychologische Unterstützung gebeten, wie Margarita. Zusammen mit ihrem behinderten Sohn Maxime und dessen Frau Anna konnten sie den Donbas verlassen. Sie sagt, dass sie ihn in den Keller trugen mussten, als sie den Lärm der Bomben in der Nähe hörten. Margarita zeigt Bilder von dem, was von ihrem Haus übrig blieb, als sie es verließen. Die dreiköpfige Familie hat zwei Wochen in eine Notunterkunft ohne Strom, Lebensmittel und Wasser verbracht.

Das Team der italienischen Hilfsorganisation, die diese Menschen in Sicherheit gebracht hat, arbeitet seit Tagen unermüdlich. Vorrangig geht es darum, den Evakuierten zu helfen, sich zu integrieren, aber das ist nicht immer einfach.

Mariangela de Blasi ist Mitarbeiterin der Hilfsorganisation, die sich um die Geflüchteten kümmert. Sie sagt, dass diese Menschen glauben, dass Italien ein vorübergehender Ort sei. Sie hätten nicht das Bedürfnis, sich in der örtlichen Gemeinschaft zu engagieren, nicht das Gefühl dazuzugehören und würden auch das Land nicht wirklich kennenlernen wollen.

Die Geflücheten haben es sich nicht ausgesucht zu gehen, sie wurden dazu gezwungen. Sie glauben, dass sie eines Tages in ihr Heimatland zurückkehren werden, aber ob und wann dies geschehen wird, ist ungewiss.