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Scholz an Gazprom: "Keine technischen Gründe" für Lieferreduzierung

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Von euronews
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Scholz bei Siemens Energy in Mülheim an der Ruhr
Scholz bei Siemens Energy in Mülheim an der Ruhr   -   Copyright  Bernd Thissen/ dpa

Im Streit um Gaslieferungen aus Russland hat Bundeskanzler Olaf Scholz Gazprom indirekt vorgeworfen, falsche Angaben zu den Problemen mit der Gaspipeline Nordstream 1 zu machen. Der deutsche Bundeskanzler inspizierte am heutigen Mittwoch die Turbine, die laut dem russischen Staatskonzern der Grund für die reduzierten Gaslieferungen ist. Sie wird nach einer Wartung in Kanada derzeit bei Siemens Energy in Mülheim an der Ruhr zwischengelagert. 

Dort widersprach Scholz der russischen Darstellung erneut: Dem Weitertransport der Turbine nach Russland und dem anschließenden Einbau stehe wirklich absolut gar nichts entgegen, so der Kanzler: "Es gibt keine technischen Gründe für die Reduktion der Gaslieferung durch Nord Stream 1. Es gibt funktionierende Turbinen, hier steht eine. Der Austausch dieser Turbinen kann im klassischen Routinerhythmus weiter stattfinden, so wie das in den vergangenen Jahren auch immer der Fall war. Es müsste nur Gazprom als derjenige der das zu bekommen hat, sagen : ‘Ich möchte die Turbine auch haben’."

Gazprom beschuldigt weiter Siemens Energy

Laut Gazprom hat Siemens Energy bisher nicht alle offizielle Dokumente und Informationen geliefert, die für den Gebrauch der Turbine nötig seien. 

Siemens-Energy-Vorstandschef Christian Bruch sagte jetzt in Mülheim, aus Sicht des Unternehmens sei alles vorbereitet.

Auch Gas-Sanktionen gegen Russland ständen der Nutzung der Turbine nicht entgegen, so Scholz. Angesichts des russischen Krieges in der Ukraine müsse man sich aber bewusst sein, dass es jederzeit vorgeschobene Gründe geben könne, die dazu führten, dass etwas nicht funktioniere.

Scholz schließt AKW-Laufzeitverlängerung nicht aus

 Wegen der angespannten Energieversorgung kam er auch auf die Diskussion um die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken in Deutschland zu sprechen, die aktuell rund sechs Prozent des Stroms liefern. Es könne "Sinn machen", diese weiter als bisher laut Atomausstieg geplant laufen zu lassen. Vor allem, da der Ausbau der Erneuerbaren Energien in den deutschen Bundesländern sehr unterschiedlich weit fortgeschritten sei. So verlaufe der Ausbau der Windenergie in Bayern sehr langsam.

Gazprom senkte die Lieferungen durch Nord Stream 1 in der vergangenen Woche auf 20 Prozent der Maximalkapazität. In Deutschland gilt wegen der Gasknappheit infolge des Ukraine-Krieges die Alarmstufe des Notfallplans Gas, die zweite von drei Stufen. Laut Bundesnetzagentur ist die Versorgungssicherheit damit gewährleistet. Beim derzeitigen Liefervolumen kann das für Herbst und Winter üblicherweise angepeilte Speichervolumen jedoch nicht erreicht werden.