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"Es ist unser Land, sie sind Besatzer": Wut und Fassungslosigkeit in Mykolajiw

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Von Natalia Liubchenkova
Zerstörungen in Mykolajiw
Zerstörungen in Mykolajiw   -   Copyright  AP Photo/Petros Giannakouris   -  

Wolodymyr räumt auf. Er lebt in Mykolajiw, Raketen haben das Nachbargebäude und den Hof in seinem Wohnblock getroffen.

Mykolajiw liegt nahe der russisch besetzten Gebiete, die gerade nach den so genannten Referenden feierlich annektiert wurden. Die Führung in Moskau zelebrierte den völkerrechtswidrigen Landraub als Erfolg, ein Großteil der Welt verurteilt ihn.

Wolodymyr hat eine klare Meinung, zu den Referenden als auch dem, was er jetzt kommen sieht..

Wozu sind solche Referenden gut? In Saporischschja und in Cherson haben sie schon angefangen, Ukrainer zu mobilisieren … die leben gerade mal 100 km von uns entfernt. Sie müssen sich melden, um für Putin gegen uns zu kämpfen. Wie kann das sein … was macht Putin da? Weder verstehen wir das noch können wir das verzeihen.
Wolodymyr
Lebt im befreiten Mykolajiw

Die Region Mykolajiw grenzt an die besetzte Region Cherson. Seit der russischen Besatzung gibt es kein sauberes Trinkwasser mehr. Die Russen sind weg, die Stadt wird aber regelmäßig weiter beschossen, es trifft zivile Infrastruktur, Wohn- und Krankenhäuser.

Wladislav fährt Taxi. Die Ergebnisse der so genannten Referenden lehnt er ab.

Worüber reden wir hier eigentlich? Diese Referenden, alles Fälschung, da gibt es gar nichts zu diskutieren. Das ist Wahnsinn. Es ist unser Land, sie sind die Agressoren, sie sind Besatzer. So ist das.
Wladislav
Taxifahrer

Dmytro ist Wirtschaftswissenschaftler, er meint, der Kreml habe sich mit der Annexion verkalkuliert, denn dadurch käme auch der Status der Krim wieder in den Blick: _"_Nach der Annexion der Krim war ich war sehr irritiert, wie schnell das Thema bei allen westlichen Staaten von der Tagesordnung verschwand. Aber mit diesen letzten Referenden hat Putin diesen "Ausnahmestatus" der Krim völlig zerstört, auch sie steht jetzt wieder auf der Tagesordnung."

Wenn wir unsere Städte, unser Land befreien, dann wird die Krim keine Ausnahme sein, auch sie wird wieder ein Teil der Ukraine werden müssen.
Dmytro
Wirtschaftswissenschaftler aus Mykolajiw

Luftalarm und Explosionen sind in Mykolajiw an der Tagesordnung, überall in der Stadt sieht man Pappkarton anstelle der zerborstenen Fenster. Restaurants und Läden sind geschlossen, die Stadt wirkt vielerorts verlassen. Wer noch - oder wieder - da ist, macht keinen Hehl aus der Wut gegen die Invasoren.