Kadyrow fodert Putin zum Einsatz von "Atomwaffen geringer Stärke" in der Ukraine auf

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Von Euronews  mit AFP, AP
Tschetschenen-Chef Ramsam Kadyrow am 30. September in Moskau
Tschetschenen-Chef Ramsam Kadyrow am 30. September in Moskau   -   Copyright  Mikhail Metzel/Sputnik   -  

Der Präsident der russischen Teilrepublik Tschetschenien, Ramsan Kadyrow, hat an diesem Samstag die russische Armee aufgefordert, "Atomwaffen geringer Stärke" in der Ukraine einzusetzen. Das erklärte der Politiker der Putin-Partei in einem Telegram-Post, nachdem sich die russischen Streitkräfte aus der strategisch wichtigen Stadt Lyman in der Region Donezk zurückgezogen hatten. Schon zuvor hatte Kadyrow vom russischen Präsidenten Wladimir Putin ein härteres Durchgreifen in der Ukraine verlangt.

"Meiner Meinung nach müssen drastischere Maßnahmen ergriffen werden, bis hin zur Ausrufung des Kriegsrechts in den Grenzgebieten und dem Einsatz von Atomwaffen mit geringer Sprengkraft", sagte Kadyrow in seiner Videobotschaft.

"Man muss die 'spezielle militärische Operation' im vollen Sinne des Wortes durchführen und darf sich nicht mit Spielen vergnügen", sagte Kayrow, der am Freitag in Moskau bei der vom Kreml organisierten Zeremonie der Annexion ukrainischer Gebiete durch Russland mit dabei war.

Russische Staatsmedien meldeten, Ramsan Kadyrow habe während Putins Rede bei dem Festakt die Tränen kaum zurückhalten können.

Doch einen Tag später kommen wieder harte Worte. Es sei nicht notwendig, bei den Entscheidungen Rücksicht auf die "westlich-amerikanische Gemeinschaft" zu nehmen, meinte der Tschetschene, denn diese habe "viel gegen uns getan".

Ebenso wie Ramsan Kadyrow kritisiert Jewgeni Prigoschin, der sich gerade erst als Gründer und Chef der Wagner-Söldner geoutet hatte, an diesem Samstag die Kriegsführung von Russlands Armee in der Ukraine. Davon berichtet auch der Bellingcat-Mitarbeiter, der Kadyrow und Prigoschin als Hardliner oder Ultra-Falken bezeichnet.

Kadyrow beklagt in seiner Botschaft - wie Prigoschin - den Rückzug der russischen Truppen aus Lyman. Der für die Operationen dort zuständige russische Generaloberst Alexander Lapin habe den Soldaten "nicht die notwendige Kommunikation, Interaktion und Munitionsversorgung" zur Verfügung gestellt. Er kritisierte auch den Chef des Generalstabes der Streitkräfte Russlands Waleri Gerassimow.

Und Kadyrow - der Mann, der in Grosny mit harter Hand regiert - beklagte die Fehlentwicklungen innerhalb der russischen Armee: "Die Vetternwirtschaft in der Armee wird nicht zum Guten führen. (...) Es gibt keinen Platz für Vetternwirtschaft in der Armee, vor allem nicht in schwierigen Zeiten".

FT-Russland-Experte Max Seddon erklärt, dass mit Kadyrow zum ersten Mal ein Politiker Putin tatsächlich auffordert, in der Ukraine Atomwaffen einzusetzen - auch wenn die Elite in Moskau darüber in den vergangenen Wochen viel diskutiert habe. Dies sei ein gefährlicher Moment.