Serbien nicht nur in der Energiekrise: "Wir sind als Nation zu fett"

Die Haupteinkaufsstraße von Belgrad festlich erleuchtet - trotz Energiekrise
Die Haupteinkaufsstraße von Belgrad festlich erleuchtet - trotz Energiekrise Copyright Euronews Serbia
Von Natasha Jovanovic mit Euronews
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Serbien wird von der Energiekrise mindestens genauso stark getroffen wie andere europäische Länder. Die Kaufkraft ist stark gesunken, viele Menschen müssen auch zu den Festtagen sparen. Aber für die Silvesternacht gelten ganz andere Gesetze.

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Früher glänzten die Lichter schon im Oktober, dieses Jahr hat Belgrad erst zwei Wochen vor Neujahr geleuchtet. Die Neujahrsbeleuchtung wird nur einen Monat lang und nur im Stadtzentrum eingeschaltet sein. Auf der Hauptstraße herrscht festliche Atmosphäre, begleitet von Weihnachtseinkäufen. 

Trotz der Finanzkrise wird nicht unbedingt aufs Geld geschaut. Das bestätigte eine Euronews-Umfrage im geschäftigen Zentrum der Hauptstadt.

Eine Frau in den mittleren Jahren sagt lächelnd: "Ich kaufe ein, ich muss einkaufen, je nach den Möglichkeiten."

Ein Mann meinte: "Zuerst müssen wir den ganzen Monat sparen, damit wir am Ende des Monats Geschenke für das neue Jahr kaufen können, für die Kinder, für alle anderen."

Eine junge Frau verwies achselzuckend auf ihren Status: "Ich bin Studentin, ich muss Geld sparen."

Ein älterer Mann sagte: "Man sollte immer sparen, aber ich glaube nicht, dass schlechte Tage kommen werden."

"Das ist bei den Serben nicht der Fall"

Die Preise sind in den vergangenen Monaten mehr denn je gestiegen. Die Kaufkraft der Bevölkerung ist nicht groß, und Ökonomen wie Ljubodrag Savic warnen, dass es nicht der richtige Zeitpunkt ist, einen Kredit aufzunehmen oder eine Immobilie zu kaufen. 

Der Professor für Wirtschaftswissenschaften sagte im Euronews-Interview: "Aus mehreren Gründen sollten wir unsere Ausgaben reduzieren und gut aufpassen, was wir kaufen. Erstens sind wir als Nation fett und es würde uns nicht schaden, weniger zu essen, zweitens ist jetzt nicht die Zeit zum Ausgeben, sondern zum Sparen. Ein kluger Mann, wie man sagt, spart Geld, wenn er es hat, aber das ist bei den Serben nicht der Fall."

Unabhängig davon, wie viel Geld die Menschen haben, ist die Silvesternacht serbische Tradition in Reinkultur. Für diese Nacht sind sie bereit, zwischen 30 und sogar 400 Euro auszugeben. Live-Musik ist in allen Restaurants Pflicht, und um Mitternacht kommen Trompeter.

"Gäste aus aller Welt" in ausgebuchten Restaurants

Auch im Lokal "Tri Hats" von Milica Petkovic, die sich über die Buchungslage nicht beschweren kann: "Fast alles bei uns ist reserviert. unsere Gäste kommen aus der ganzen Welt, das ist ein weiterer Beweis dafür, dass wir nicht alle Sprachen sprechen müssen. Hier kommen alle gut mit unserer Musik, dem guten Service und natürlich dem guten Essen zurecht

Für diejenigen Belgraderinnen und Belgrader, die nicht genug Geld für den traditionellen Restaurantbesuch haben, hat die Stadtverwaltung ein Open-Air-Festival mit zwei Bühnen in der Stadt organisiert, wo neun berühmte Sängerinnen, Sänger und DJ`s auftreten werden.

Euronews-Korrespondentin Natasha Jovanovic kommentierte in Belgrad: "Es ist nicht ungewöhnlich für Serben, zu feiern, wenn es am schwierigsten ist. Auf den Straßen und Plätzen und mit Musik haben die Menschen hier sogar während der größten Krisen gefeiert, während der Sanktionen in den 90er Jahren, aber auch als die Bomben fielen."

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