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Bericht zum Völkermord in Ruanda: "Frankreich war blind"

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Gedenkstätte für die Opfer in Ruanda
Gedenkstätte für die Opfer in Ruanda   -   Copyright  Ben Curtis/Copyright 2019 The Associated Press. All rights reserved.
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Fast drei Jahrzehnte nach dem Völkermord in Ruanda hat eine Historikerkommission Frankreich eine politische Mitverantwortung an den Verbrechen zugewiesen.

In dem mehr als tausend Seiten umfassenden Bericht werfen die Experten Frankreich "Blindheit" und "Versagen" vor, weil es in den Jahren 1990 bis 94 den Völkermord an mehr als 800.000 Angehörigen der Bevölkerungsgruppen Tutsi und Hutu nicht verhindert habe.

Eine "Mittäterschaft" bei den Tötungen lasse sich dagegen nicht nachweisen. Damals regierte im Elyséepalast der Sozialist François Mitterrand, der enge Beziehungen zum damaligen ruandischen Staatschef Juvénal Habyarimana pflegte.

"Völlig von der Realität abgehoben"

Vincent Duclert, Leiter der Historikergruppe, sagt, Frankreich habe eine Politik verfolgt, die völlig von der Realität abgehoben und von der Kolonialgeschichte geprägt gewesen sei. "Es war eine ultra-ethnische Politik, die nicht erkannte, dass Ruanda zur Bewältigung der Krise fähig war und dadurch im Grunde den ethnischen Konflikt noch verstärkte, eine Politik, die sich dem rassistischen Regime von Präsident Habyarimana anpasste und zu spät mit ihm brach."

"Frankreich war blind und wies alle Warnungen zurück. Das ist in der Tat ein großes Problem. Aber wenn wir eine Mitverantwortung Frankreichs für den Völkermord feststellen, bedeutet das im Grunde, dass die gesamte internationale Gemeinschaft mitverantwortlich ist."

Klare Einordnung der Historiker

Präsident Emmanuel Macron, der den Bericht vor zwei Jahren in Auftrag gegeben hatte, bezeichnete die Studie am Freitag als Schritt nach vorn, um das französische Engagement in Ruanda zu verstehen.

Angehörige von Opfern des Genozids begrüßen den Bericht - und die klare Einordnung der Historiker. "Die Begriffe 'erdrückende Mitverantwortung' und 'Versagen' sind im Grunde nichts Neues. Aber ess ist gut, wenn die französische Politik diese Wortwahl aufgreift. Es bedeutet einen wichtgen Wandel", sagt Jessica Mwiza von der Opfervereinigung Ibuka.

"Es wird immer noch viel geleugnet, vor allem in Frankreich aufgrund der Anwesenheit von Völkermord-Tätern und deren Familien im Land. Die Tatsache, dass Politiker endlich diese starken Begriffe aufnehmen, kann nur gut sein, denn es bekämpft das Gefühl der Straffreiheit."

Die französische Armee war 1994 mit einem Uno-Mandat in der Region stationiert. Ruanda wirft Frankreich bereits seit Jahren vor, sich durch seine Rückendeckung für die damalige Regierung an dem Völkermord mitschuldig gemacht zu haben.