"Sie vergiften ihn langsam" - Nawalny geht es immer schlechter

Alexej Nawalny im Februar 2021 in einem Käfig vor dem Bezirksgericht Babuskinskij in Moskau
Alexej Nawalny im Februar 2021 in einem Käfig vor dem Bezirksgericht Babuskinskij in Moskau Copyright Alexander Zemlianichenko/Copyright 2021 The AP. All rights reserved
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Der Gesundheitszustand von Alexej Nawalny verschlechtert sich immer mehr in den Mauern des IK-6-Gefängnisses.Trotz Klagen seines Anwalts über dessen akute Gesundheitsbeschwerden ist er erneut in eine Einzelzelle verlegt worden.

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Nach mehr als zwei Jahren Haft ist Russlands Oppositionsführer Alexej Nawalny gesundheitlich schwer angeschlagen. Doch statt medizinischer Behandlung gibt es weitere Schikanen gegen den Gegner von Präsident Wladimir Putin.

Der Gesundheitszustand von Alexej Nawalny verschlechtert sich immer mehr in den Mauern des IK-6-Gefängnisses, etwa 250 Kilometer von Moskau entfernt. Trotz Klagen seines Anwalts über dessen akute Gesundheitsbeschwerden ist er erneut in eine Einzelzelle verlegt worden. Am Freitag sei er erst aus der Isolationshaft gekommen, um am Montag zu weiteren 15 Tagen dort eingewiesen zu werden, so das Team des Oppositionspolitikers am Dienstagabend auf dessen Telegram-Kanal.

Seit seiner letzten Verlegung in eine Einzelzelle vor etwas mehr als zwei Wochen hat er 8 Kilo abgenommen. Sein Anwalt behauptete in einem Tweet, er habe sich dort eine Magenkrankheit zugezogen, "gegen die ihn niemand behandelt". Medikamente, die von Nawalnys Mutter geschickt wurden, seien zurückgeschickt worden und es werde befürchtet, dass der berühmte russische Blogger und Oppositionsführer langsam vergiftet wird.

Zum 13. Mal in Einzelhaft

Seit dem vergangenen Sommer ist es bereits das 13. Mal, dass Nawalny in den so genannten Strafisolator verlegt wurde. Maximal 15 Tage darf ein Gefangener dort eingewiesen werden. In der engen Einzelzelle herrschen besonders schwere Haftbedingungen: Gefangene dürfen in der Zeit keine Besuche oder telefonieren.

Der aktuelle Anlass für die Rückverlegung in die Strafzelle ist nicht bekannt. In der Vergangenheit reichten oft Kleinigkeiten wie ein offener Knopf, ein falscher Gruß oder die auf Kommando nicht schnell genug auf den Rücken gelegten Hände als Vorwand für die Einweisung. Nach Angaben auf dem Nawalny-Kanal auf Telegram sei seine neue Einzelhaft die Strafe für eine Recherche über Korruption in der Gefängnisbehörde. Der von Nawalny gegründete Fonds für Korruptionsbekämpfung (FBK) hatte zuvor einen Beitrag über den überteuerten Ankauf von Lebensmitteln in russischen Gefängnissen veröffentlicht. So sei Kohl - das Hauptnahrungsmittel der Häftlinge - zum mehr als Vierfachen des Großhandelspreises von der Behörde bestellt worden. 

"Wir schließen nicht aus, dass sie ihn langsam vergiften"

Diesmal sind zudem auch andere Haftbedingungen verschärft worden. So sei Nawalnys täglicher Ausgang im engen Gefängnishof auf 7.00 Uhr morgens verlegt worden. Zudem sei im gleichen Zellentrakt eine Nähmaschine aufgebaut worden, damit er den Strafblock nicht einmal zur Arbeit verlassen könne.

Nawalny war im Sommer 2020 bei einer Reise nach Sibirien mit dem Nervenkampfstoff Nowitschok vergiftet worden. Er wurde damals im Koma liegend nach Deutschland ausgeflogen, wo er in der Berliner Charité behandelt wurde. Laut dem Investigativnetzwerk Bellingcat steckt der russische Geheimdienst FSB hinter der Vergiftung.

Nawalny, der seit Jahren die Korruption im Umfeld der russischen Regierung und des Präsidenten anprangert, wurde vor zwei Jahren inhaftiert, nachdem er aus Berlin nach Moskau zurückgekehrt war.

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