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Gegen Putin an Kiews Seite kämpfen - die Gründe sind vielfältig

Kämpfen an Kiews Seite - die Gründe sind vielfältig
Kämpfen an Kiews Seite - die Gründe sind vielfältig Copyright GENYA SAVILOV/AFP or licensors
Copyright GENYA SAVILOV/AFP or licensors
Von Naira DavlashyanAndrey Poznyakov & Pavel Barsukov
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Belarussen, Tschetschenen, oppositionelle Russen: Es gibt viele Gründe, an der Seite Kiews gegen Russland zu kämpfen. Von Solidarität bis Überlebensinstinkt. Ein Rundblick mit mehreren Experten.

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"Mit dem Angriff auf die Ukraine hat Russland die Vorstellung erschüttert, dass die Länder, die nach der Aufspaltung der Sowjetunion entstanden, unabhängig sind", erklärt Temur Umarow, Analyst am Carnegie-Zentrum für russische und eurasische Studien in Berlin, gegenüber Euronews.

Wladimir Putin erhält zwar weiterhin - wenn auch vorsichtige - Unterstützung von den Machthabern ehemaliger Sowjetrepubliken. Aber auch Tausende von Menschen aus Ländern der ehemaligen UdSSR kämpfen aktuell an der Seite der Ukraine gegen die russische Invasion.

"Die Menschen nehmen diesen Krieg nicht nur als Krieg Russlands gegen die Ukraine wahr", erklärt Temur Umarow, "sondern als ein Krieg Russlands gegen alle Länder, die früher Kolonien Russlands oder Teil der Sowjetunion waren."

Einige Menschen kamen Ende 2021 in die Ukraine, als die Situation an der Grenze zu eskalieren begann, andere flohen schon früher vor der Verfolgung in ihren Heimatländern. Viele haben sich nach der Invasion auf die Seite Kiews geschlagen.

Belarussen schlugen sich bereits 2014 auf Kiews Seite

Belarussen sind eine der größten Gruppen, die für die Ukraine kämpfen. Mehrere Hundert bis mehrere Tausend Soldaten nehmen je nach Schätzung als Teil der Streitkräfte der Ukraine (AFU) oder paramilitärischer Gruppen an den Kämpfen teil.

Belarussen schlugen sich bereits 2014 auf Kiews Seite, als Moskau während des ersten Ukrainekrieges kremltreue Separatisten im Osten des Landes unterstützte. Im März 2022 bildeten sie ein Bataillon, das nach Kastus Kalinouski, einem der Anführer des polnischen Aufstands gegen das russische Reich im 19. Jahrhundert benannt ist. Diese Gruppe wurde im Mai zu einem Regiment erweitert.

"Putin hält die Unabhängigkeit von Belarus ebenfalls für einen historischen Fehler", erklärte Aliaksandr Klaskouski, ein politischer Analyst beim "Pozirk"-Projekt. " Belarussen und Ukrainer haben hier die gleiche Plattform - es ist die Opposition gegen das 'Imperium'."

Oppositionell gesinnte Belarussen glauben, dass der Sieg der Ukraine "ein Fenster der Möglichkeiten für demokratische Veränderungen in Belarus öffnen wird", so der Experte.

Arbeitskräfte aus Zentralasien unter starkem Druck

Die Idee, Lukaschenkos Regime mit Gewalt zu stürzen, wird innerhalb und außerhalb des Landes immer populärer. "Immer häufiger wird gesagt, dass das belarussische Regiment im Falle eines Sieges der Ukraine auch zurBefreiung von Minsk aufmarschieren könnte", so Klaskouski.

Mehrere Millionen Menschen aus Zentralasien leben und arbieten in Russland. Seit Ausbruch des Krieges im Februar 2022 drängen die russischen Behörden darauf, dass die zentralasiatischen Arbeitskräfte im Gegenzug für einen russischen Pass in die Armee eintreten.

Temur Umarow betont, dass unter dem Druck der russischen Behörden Hunderte von Zentralasiaten in das Kriegsgebiet geschickt werden. "Sie haben keine andere Wahl. Das ist bereits ein Massenphänomen".

Eine Möglichkeit für diese Menschen zu überleben besteht darin, sich den ukrainischen Behörden zu ergeben oder auf die Seite der AFU überzuwechseln. "Und das ist eine ziemlich gefährliche Entscheidung, wenn man bedenkt, dass alle zentralasiatischen Länder den Dienst in einer fremden Armee unter Strafe stellen", so Umarow weiter.

Einige zentralasiatische Länder wie Kasachstan haben eine große ukrainische Diaspora, so dass einige Einwohner dieser Länder "aus emotionalen Gründen" gegen den Kreml kämpfen. "Einige sind aus Zentralasien gekommen, aber die Mehrheit sind diejenigen, die seit langem in der Ukraine leben", betonte der Experte.

Fortführung der tschetschenischen Unabhängigkeitskriege

Russen und russische nationale Minderheiten, insbesondere ethnische Tschetschenen, spielen eine besondere Rolle im Kampf gegen die Aggression des Kremls. Experten wissen von mindestens acht tschetschenischen Einheiten in Bataillonsstärke.

Die größte ist das tschetschenische Friedensbataillon Dschochar Dudajew, benannt nach dem ersten Präsidenten der selbsternannten Republik Itschkeria (der von den tschetschenischen Separatisten verwendete Name).

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"Sie kämpfen dort für die Ukrainer gegen das imperiale Russland", erklärt Tracy German, Expertin für den postsowjetischen Raum am King's College London. - "Und sie sehen es als ihren gemeinsamen Kampf für die 'Entkolonialisierung', um ihre Terminologie zu verwenden."

Für viele tschetschenische Freiwillige ist der Ukraine-Konflikt eine "Fortsetzung des Krieges", denn unter den Kommandeuren befinden sich viele Veteranen der ersten beiden Tschetschenienkriege.

Laut Hana Josticova, Wissenschaftlerin an der Universität Glasgow, lässt sich die genaue Zahl der Tschetschenen, die auf Seiten der AFU am Krieg teilnehmen, nicht beziffern. "Diese Leute sind im Exil oder auf der Flucht, und es gab viele Attentatsversuche gegen sie seitens der russischen Regierung oder Kadyrow, so dass sie sich ziemlich bedeckt halten", sagte sie.

Die russische Propaganda auf den Kopf gestellt

"Wir sind Verteidiger und Befreier, keine Bestrafer", lautete die Botschaft, mit der die "Legion für die Freiheit Russlands" am 7. Juni die Sendung von Radio 7 in Russland unterbrach. Die Botschaft: "Die Kriegsverbrecher werden beseitigt, mit Ausnahme derer, die bereuen, die sich ergeben".

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Diese aus Russen bestehende Gruppe wurde vor einem Jahr gegründet, aber erst nachdem diese paramilitärische Gruppe zusammen mit dem Russischen Freiwilligenkorps (RDC) Ende Mai in die Region Belgorod eingedrungen war, wurde sie bekannt.

Die Kämpfer bezeichnen sich selbst als "eine von den Streitkräften der Ukraine offiziell anerkannte Einheit von Russen", und ihr Ziel ist es laut Text auf ihrer offiziellen Website, "die Wahrheit, die Gerechtigkeit und den Geist der Freiheit nach Russland zurückzubringen".

"Sie haben wahrscheinlich ein gewisses Maß an Unabhängigkeit, vielleicht bei der Auswahl ihrer Ziele, bei der Organisation ihrer Einsätze und bei einigen anderen taktischen Details. Aber im Großen und Ganzen werden sie höchstwahrscheinlich direkt vom ukrainischen Geheimdienst koordiniert", so Huseyn Aliyev, Osteuropa-Experte an der Universität Glasgow.

Nach Ansicht des Experten ist allein die Tatsache, dass Einheiten, die hauptsächlich aus Russen - darunter auch ehemalige Soldaten - bestehen, für die Ukraine kämpfen, "ein großer Schlag ins Gesicht der russischen Propaganda".

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"Über die Herkunft, über die Nationalität dieser Personen in Russland wird offenbar sehr wenig berichtet. In allen Berichten über den Überfall in Belgorod, die wir in Russland gesehen haben, wurde erwähnt, dass es sich um ukrainische Nationalisten handelt, die dies getan haben, und (...) dass es sich in Wirklichkeit um polnische und US-amerikanische Staatsangehörige handelt", sagte er.

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