In letzter Minute: Waffenstillstand im Gaza-Streifen um 24 Stunden verlängert

Ein Hubschrauber mit von der Hamas freigelassenen israelischen Geiseln landet am frühen Donnerstag, 30. November 2023, auf dem Sheba Medical Center in Ramat Gan
Ein Hubschrauber mit von der Hamas freigelassenen israelischen Geiseln landet am frühen Donnerstag, 30. November 2023, auf dem Sheba Medical Center in Ramat Gan Copyright Leo Correa/Copyright 2023 The AP All rights reserved
Von Christoph DebetsAP, dpa
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Kurz vor dem Ablauf des Waffenstillstandes haben sich Israel und die Hams darauf geeinigt, die Waffenruhe um 24 Stunden zu verlängern. Die Verhandlungen werden nun schwierigere, da die Hamas im Gegenzug für die Freilassung von Männern und Soldaten mehr Freilassungen verlangt.

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Israel und die Hamas haben sich am Donnerstag darauf geeinigt, ihre befristete Waffenruhe um einen weiteren Tag zu verlängern, wenige Minuten bevor sie auslaufen sollte. Dies gab das Golf-Emirat Katar bekannt, das zwischen den beiden Seiten vermittelt.

Von israelischer Seite hieß es, in Anbetracht der Bemühungen der Vermittler, den Prozess der Geiselbefreiung fortzusetzen, und vorbehaltlich der Bedingungen des Abkommens, werde die „operative Pause fortgesetzt“.

Damit könnten weitere in den Gazastreifen verschleppte Geiseln freikommen und noch mehr humanitäre Hilfe in das Gebiet gelangen.

Die Verhandlungen wurde bis kurz vor Ablauf des Waffenstillstandes geführt, da es Unstimmigkeiten über die Geiseln gab, die von der Hamas im Gegenzug für einen weiteren Tag der Kampfpause freigelassen werden sollten.

Die Feuerpause galt seit vergangenem Freitag 6 Uhr MEZ und sollte am Donnerstag um 6 Uhr auslaufen.  Sie war zuletzt um zwei Tage verlängert worden. Nach der ursprünglichen Übereinkunft soll die Pause auf maximal bis zu zehn Tage verlängert werden können.

Jeden Tag Freilassung von 10 Geiseln

Das katarische Außenministerium teilte mit, dass die Waffenruhe zu denselben Bedingungen verlängert wurde wie in der Vergangenheit, als die Hamas täglich 10 israelische Geiseln im Austausch für die Freilassung von 30 palästinensischen Gefangenen freigab.

Die Ankündigung erfolgte nach einem Patt in letzter Minute am Donnerstag, als die Hamas erklärte, Israel habe eine vorgeschlagene Liste abgelehnt, die sieben lebende Gefangene und die sterblichen Überreste von drei Personen enthielt, die nach Angaben der Gruppe bei früheren israelischen Luftangriffen getötet worden waren. Israel erklärte später, die Hamas habe eine verbesserte Liste vorgelegt und damit den Weg für die Verlängerung geebnet.

Die Unterhändler hatten bis Donnerstag gearbeitet, um die Details für eine weitere Verlängerung der Waffenruhe auszuarbeiten. Die Erwartung war, die Kampfpause, um mindestens ein oder zwei weitere Tage zu verlängern, wobei der Schwerpunkt auf der Freilassung von Frauen und Kindern lag.

Israel hatte nach der Übergabe von 16 Geiseln durch die Hamas 30 pälastinensische Gefangene freigelassen. 16 Jugendliche und 14 Frauen konnten zu ihren Familien im Westjordanland zurückkehren.

In die Freude über den jüngsten Austausch mischt sich in Israel die Sorge, um das von der Hamas verschleppte 10 Monate alte Baby, der vier Jahre alte Bruder und die Mutter der beiden Kinder. Die Islamisten hatten erklärt, dass die drei bei einem israelischen Angriff umgekommen seien. Israels Armee ermittelt, ob diese Berichte der Wahrheit entsprechen.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu traf Familien der Opfer der Hamas-Angriffe. Er hatte versprochen, dass die Befreiung aller Geiseln Priorität habe.

Ob der Druck der USA, eine längere Waffenruhe einzuhalten, Erfolg hat, bleibt abzuwarten.

Humanitäre Katastrophe in Gaza

Die Menschen in Gaza konnten in den vergangenen Tagen dank vermehrter Hilfslieferungen kurz aufatmen. Doch die Lebensbedingungen der 2,3 Millionen - von denen 1,7 Millionen Binnenflüchtlinge und die Hälfte Kinder sind - bleiben eine humanitäre Katastrophe.

Die Verhandlungen geraten nun in ein schwierigeres Wasser, da die meisten der von der Hamas gefangen gehaltenen Frauen und Kinder freigelassen wurden und man erwartet, dass die Hamas nun im Gegenzug für die Freilassung von Männern und Soldaten mehr Freilassungen verlangen.

Die Hamas hatte am Mittwoch weitere 16 Gefangene freigelassen. Es handelte sich wie schon in den Tagen zuvor um zehn Israelis, teilte die israelische Armee am Mittwoch mit. Darunter sind drei Deutsche. Im Gegenzug setzte Israel eine weitere Gruppe von 30 Palästinensern aus israelischen Gefängnissen auf freien Fuß, wie die israelische Gefängnisbehörde in der Nacht zum Donnerstag mitteilte. 

Nach fast acht Wochen israelischen Bombardements und einer Bodenkampagne im Gazastreifen, in der Tausende von Palästinensern getötet, drei Viertel der 2,3 Millionen Einwohner entwurzelt wurden und die zu einer humanitären Krise immensen Ausmaßes geführt haben, ist der internationale Druck gestiegen, die Waffenruhe so lange wie möglich aufrechtzuerhalten. Israel hat die Freilassung von Dutzenden von Geiseln in den letzten Tagen begrüßt und erklärt, dass es die Waffenruhe aufrechterhalten wird, wenn die Hamas weiterhin Gefangene freilässt.

Dennoch unterstrich Ministerpräsident Netanjahu am Mittwoch, dass Israel seine Kampagne zur Beseitigung der Hamas, wieder aufnehmen wird.

"Wenn diese Phase der Rückführung unserer Entführten abgeschlossen ist, wird Israel dann wieder kämpfen? Meine Antwort ist also ein klares Ja", sagte Netanjahu. "Wir werden auf jeden Fall bis zum Ende weiterkämpfen.

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Der Ministerpräsident sprach vor einem Besuch von US-Außenminister Antony Blinken in der Region, der sich für eine weitere Verlängerung des Waffenstillstands und die Freilassung von Geiseln einsetzen will. Blinken traf am späten Mittwoch in Israel ein.

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