Nach den Ausschreitungen von Dublin: Hat Irland plötzlich ein Rechtsextremismus-Problem?

Jüngste Ausschreitungen in Dublin
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Von Euronews
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Rechte Kräfte in Irland behaupten, dass vor allem Asylsuchende die Kriminalität im Land antreiben würden. Die Ausschreitungen von Dublin haben sich als ein Weckruf für die Regierung erwiesen.

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Nach dem Messerangriff in Dublin auf drei Kinder und eine Frau in der vergangenen Woche sind viele Menschen in Irland schockiert. Rechtsextremes Gedankengut scheint in dem Land vermehrt um sich zu greifen.

Die Rechtsextremen seien eine sehr kleine Bewegung in Irland, "doch sie greifen die Sorgen über das Einwanderungssystem im Land auf", sagt John Mooney, der als Redakteur bei der Irish Sunday Times arbeitet. Die Auswirkungen, die eine große Zahl von Migranten auf die irische Gesellschaft habe, beispielsweise auf den Wohnungssektor, ermöglichten den Rechtsextremen aus diesem Thema Kapital schlagen zu können, meint Mooney.

Rechte Kräfte behaupten, dass vor allem Asylsuchende die Kriminalität in Irland antreiben und die Wohnungskrise verschärfen würden. Die Migration in dem EU-Land hat seit den 90er-Jahren stark genommen. Mittlerweile ist etwa jeder Fünfte der rund fünf Millionen Einwohner Irlands im Ausland geboren.

Angesichts von 13.000 Obdachlosen finden viele, dass es zu viel Einwanderung gibt, wie Hermann Kelly von der rechtsextremen Irish Freedom Party. Der Parteivorsitzende glaubt, dass das System der "rücksichtslosen Öffnung der Grenzen durch die Regierung, das einer großen Anzahl von ungeprüften Männern unbekannter Herkunft die Einreise ins Land ermöglicht, zu einer Zunahme von Gewalt und sexuellen Übergriffen" geführt habe. Dies sei so bereits auch in Schweden, Frankreich oder Deutschland der Fall gewesen, sagt Kelly.

Die steigenden Mieten machen es vielen Menschen in Dublin schwer, sich ein Haus zu leisten. Der irische Arbeitgeberverband IBEC ist jedoch der Meinung, dass man auf Einwanderer angewiesen ist, da sonst bestimmte Wirtschaftszweige zusammenbrechen würden.

Man glaube nicht, dass die Gesellschaft oder die Wirtschaft ohne die Einwanderer auskommen könne, sagt Direktorin Kara McGann. "Es handelt sich nicht um eine homogene Gruppe. Wir sehen viele Einwanderer aus Europa, die vor allem zum Arbeiten hierher kommen."

Die Ausschreitungen in Dublin haben sich als ein Weckruf für die irische Regierung erwiesen. Die Öffentlichkeit ist wütend darüber, dass die Rechtsextremen anscheinend Fuß gefasst haben. Wenn die Regierung die Probleme im Zusammenhang mit der Masseneinwanderung nicht angemessen angeht, könnte sich das, was in der vergangenen Woche geschehen ist, schon bald wiederholen.

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