Kreml strebt weitere Eroberungen in der Ukraine an

Ukrainisches Flugabwehrboot auf dem Fluss Dnipro in Kiew
Ukrainisches Flugabwehrboot auf dem Fluss Dnipro in Kiew Copyright LVLT / EBU
Von Christoph Debetsdpa, EFE
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Beide Seiten melden Erfolge bei der Abwehr von Drohnenangriffen. Russland erzielt Geländegewinne im Donbass.

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Die Ukraine hat weitere gehäufte Drohnenangriffe aus Russland in dieser Nacht gemeldet. Medienberichten zufolge waren Explosionen in der Nähe der Stadt Odessa und in der Industriestadt Kropywnyzkyj im Oblast Kirowohrad zu hören.

Offiziellen Angaben zufolge feuerte Russland von der Krim und den besetzten Gebieten einen Iskander-K-Marschflugkörper und eine X-59-Rakete sowie 20 Angriffsdrohnen ab.

„20 Shaheds und eine X-59-Lenkrakete wurden abgeschossen. „Die Marschflugkörper Iskander-K haben ihr Ziel nicht erreicht“, hieß es in einer Erklärung der ukrainischen Luftwaffe.

Die russische Luftabwehr machte nach Angaben des Verteidigungsministeriums 33 Drohnen unschädlich, die aus der Ukraine in Richtung Russland abgefeurt worden waren. Sie seien abgefangen oder zerstört worden, bevor sie ihre Ziele über den Regionen Lipezk, Rostow und Wolgograd erreicht hätten, teilte das Ministerium über den Kurznachrichtendienst Telegram mit.

Schwerpunkt Luftabwehr

Da beide Seiten davon ausgehen, dass der Gegner den Einsatz von „Kamikaze“-Drohnen deutlich steigern wird, sucht die Ukraine nach einem Weg zu einem wirksameren Schutz gegen Drohnen. In Kiew patrouilliert ein Flugabwehrboot auf dem Fluss Dnipro, der eine klarere Sicht als in der Stadt bietet und, was noch wichtiger ist, einen Positionswechsel viel schneller ermöglicht, als es an Land der Fall wäre.

Estland erklärte am Samstag seine Absicht, seine Systeme zum Schutz vor Drohnen auf der Grundlage der Erfahrungen der Ukraine im Krieg mit Russland aufzubauen.

In seiner täglichen Videoansprache versprach der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj eine „weitere Stärkung der Luftverteidigung – darauf haben wir uns bereits geeinigt“. Er betonte die Bedeutung des Schutzes vor russischen Luftangriffen. In einer Woche seien 104 von 112 angreifenden Shahed-Drohnen abgefangen worden, sagte Selenskyj. „Und die Zerstörung jeder einzelnen bedeutet, dass Leben und Infrastruktur gerettet wurden“.

Russische Geländegewinne

Der ukrainische Generalstab berichtete unterdessen von unverändert heftigen Gefechten am Boden. Ausländische Experten wie das Institut für Kriegsstudien (ISW) in den USA beobachten, dass Russland mit seinen Vorstößen Geländegewinne erzielt.

Die ukrainische Armee wehrte nach Angaben ihrer Führung auch am Samstag Dutzende russische Angriffe an der Front im Osten und Süden des Landes ab. Im Abendbericht des Generalstabs war die Rede von 71 Gefechten - ein leichter Rückgang nach 82 Gefechten am Freitag. Die Militärangaben waren nicht unabhängig überprüfbar. Trotzdem lassen die Zahlen Rückschlüsse auf die Intensität des Kampfgeschehens zu.

Die meisten russischen Angriffe gab es demnach erneut in der Stadt Awdijiwka und Umgebung im Donbass - registriert wurden 27 Gefechte. Sie seien abgewehrt worden, hieß es. Im Frontabschnitt Kupjansk weiter nördlich im Gebiet Charkiw und Luhansk zählte das ukrainische Militär elf Gefechte beim Dorf Synkiwka. Auch dort sind die russischen Truppen nach ISW-Einschätzung seit Tagen in der Offensive und rücken vor. Von ukrainischen Offensivaktionen ist in den Generalstabsberichten schon seit geraumer Zeit keine Rede mehr. Nach dem weitgehenden Fehlschlag der Sommeroffensive richten sich die Kiewer Truppen auf Verteidigung ein.

Russland strebt weitere Eroberungen an

Nach Informationen der BILD-Zeitung, gibt sich Russland nicht mit den vier im September 2022 annektierten Regionen Donezk, Lugansk, Cherson und Saporischschja zufrieden. Moskau wolle außerdem in der Regionen Charkiw bis zum Oskil-Fluss vorstoßen und in der Region Dnipropetrowsk weitere Geländegewinne erzielen, um in den nächsten 36 Monaten einen Sicherheitsstreifen zu schaffen, der die Ukraine daran hindere, „das neue russische Territorium zu bedrohen“.

Diese Strategie scheint den Rahmen für die aktuelle Offensive gegen die Stadt Kupjansk zu bilden, die weniger als 50 Kilometer von der russischen Grenze entfernt liegt. Dorthin hat Moskau neue Bataillone zur Verstärkung verlegt. Russland schließe derzeit nicht aus, Charkiw, die zweitgrößte Stadt der Ukraine und einst ihr wichtigstes Industrie- und Luftfahrtzentrum, zu erobern.

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