Flüchtlinge finden in Süd-Gaza keinen Platz mehr

Israelische Soldaten während einer Bodenoperation im Gazastreifen auf einem gepanzerten Personentransporter,  22. November 2023
Israelische Soldaten während einer Bodenoperation im Gazastreifen auf einem gepanzerten Personentransporter, 22. November 2023 Copyright Victor R. Caivano/Copyright 2023 The AP. All rights reserved.
Von Christoph Debets mit AP
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Im Süden des Gaza-Steifens sind die Flüchtlingsunterkünfte überfüllt. Viele müssen im Schlamm auf Trümmern zelten. Die UNO sieht im Vorgehen der israelischen Besatzungstruppen im Westjordanland eine Gefahr, für ein Übergreifen des Konflikts. Israel griff erneut Flüchtlingslager in Gaza an.

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Die Regierung Biden wird erneut ohne Zustimmung des Kongresses Israel Rüstungsgüter im Wert von 147,5 Millionen US-Dollar verkaufen, darunter Zünder, Ladungen und Zündkapseln, die für zuvor von Israel gekaufte 155-mm-Granaten benötigt würden. Darüber unterrichtete Außenminister Antony Blinken den Kongress.

Es ist bereits das zweite Mal in diesem Monat, dass die Regierung Biden den Kongress umgeht und einen Waffenverkauf an Israel mit Hilfe einer Notstadnsbestimmung genehmigt. Als Grund nannte das Ministerium die „Dringlichkeit der Verteidigungsbedürfnisse Israels“.

Blinken traf am 9. Dezember eine ähnliche Entscheidung und genehmigte den Verkauf von fast 14.000 Schuss Panzermunition im Wert von mehr als 106 Millionen US-Dollar

Das israelische Militär veröffentlichte Aufnahmen, die „Tunnel des Hauptquartiers der Hamas im nördlichen Gazastreifen“ zeigen sollen. Diese Tunnel seien zerstört worden.

Die israelischen Streitkräfte teilten mit, man habe eine der Wohnungen, in denen sich der Chef der Hamas im Gazastreifen, Jahja Sinwar, versteckt hatte, entdeckt und zerstört.

Durch den Krieg zwischen Israel und der Hamas ist der nördliche Teil des Gazastreifens weitgehend dem Erdboden gleichgemacht worden.

Nachdem Israel seine Luft- und Bodenoffensive am Freitag ausgeweitet hat, befürchtet man für den Süden ein ähnliches Schicksal.

Nach Angaben der Vereinten Nationen strömten in den vergangenen Tagen mehrere zehntausend vertriebene Palästinenser in die bereits überfüllte Stadt Rafah am südlichsten Ende des Gazastreifens.

Hochrangiger UN-Diplomat warnt den Sicherheitsrat vor einem Übergreifen des Gaza-Konflikts

Der stellvertretende Generalsekretär der Vereinten Nationen Khaled Khiari warnte vor der Gefahr eines regionalen Übergreifens des Konfliktes. Im Weltsicherheitsrat wies er darauf hin, dass „in den letzten Wochen einige der intensivsten israelischen Operationen im Westjordanland seit der Zweiten Intifada stattgefunden haben“.

Im gesamten besetzten Westjordanland, sagte Khiari, „haben die zunehmenden Spannungen zwischen israelischen Sicherheitskräften und Palästinensern, intensive Gewalt und weit verbreitete Bewegungseinschränkungen angehalten.“

Der stellvertretende UN-Generalsekretär stellte fest, dass seit dem 7. Oktober „304 Palästinenser, darunter 79 Kinder, im besetzten Westjordanland, einschließlich Ostjerusalem, getötet wurden“.

„Die anhaltenden täglichen Schusswechsel über die Blaue Linie hinweg stellen eine ernsthafte Gefahr für die regionale Stabilität dar. Es gab mehrere Fälle von Angriffen tiefer in die Gebiete des Libanon und Israels, die das Gespenst eines nicht eingedämmten Konflikts mit möglicherweise verheerenden Folgen für die Menschen beider Länder“, warnte Khihari.

Flüchtlinge finden in Süd-Gaza keinen Platz

Die Stadt Rafah im Süden des Gazastreifens kämpft mit der Bewältigung des Zustroms vertriebener Familien. Tausende flohen dorthin, um der verstärkten Bombardierung des zentralen Gazastreifens und der Stadt Chan Jounis durch Israel zu entgehen.

Die Vertriebenen kommen in Lastwagen, Karren oder zu Fuß an und tragen die spärlichen Habseligkeiten, die sie retten konnten, mit sich. Viele von ihnen finden in den bereits überfüllten Unterkünften keinen Platz.

Sie sind gezwungen, im Schlamm Zelte und provisorische Unterkünfte auf unbebautem Gelände und am Straßenrand aufzubauen. Die Vereinten Nationen teilten am späten Donnerstag mit, dass in den letzten Tagen rund 100.000 Menschen in Rafah angekommen sind.

Erneut israelische Luftangriffe auf Flüchtlingslager

Israelische Kampfflugzeuge griffen am Samstag zwei städtische Flüchtlingslager, Nuseirat und Bureij, im Zentrum des Gazastreifens an.

Der in Nuseirat lebende Mustafa Abu Wawee berichtete, das Haus eines seiner Verwandten sei getroffen und zwei Menschen getötet worden.

„Die (israelische) Besatzung tut alles, um die Menschen zum Verlassen zu zwingen“, sagte er am Telefon, während er zusammen mit anderen nach vier Vermissten unter den Trümmern suchte. „Sie wollen unseren Geist und Willen brechen, aber sie werden scheitern. "Wir sind hier um zu bleiben."

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Ein zweiter Angriff am späten Freitag in Nuseirat zielte auf das Haus eines Journalisten von Al-Quds TV, einem Sender, der mit der Gruppe Islamischer Dschihad verbunden ist, deren Militante ebenfalls an dem Angriff vom 7. Oktober beteiligt waren. Der Sender sagte, der Journalist Jaber Abu Hadros und sechs Mitglieder seiner Familie seien getötet worden.

Mehr als 20.000 Palästinenser, zwei Drittel davon Frauen und Kinder, wurden seit Kriegsbeginn getötet, so das Gesundheitsministerium im Hamas-geführten Gazastreifen, das bei den Toten keinen Unterschied zwischen Zivilisten und Kombattanten macht.

Bei dem Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober waren etwa 1.200 Menschen getötet und etwa 240 nach Gaza verschleppt worden.

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