Nordic Waste Giftmüllskandal: Dänischer Multimillionär will nicht zahlen

Polizeieinsatz im Stadtteil Freetown Christiania in Kopenhagen, 26. August 2023.
Polizeieinsatz im Stadtteil Freetown Christiania in Kopenhagen, 26. August 2023. Copyright Emil Helms/AP
Von Christoph DebetsDR, TV2Ostjylland
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Nachdem das Unternehmen Nordic Waste einen Insolvenzantrag gestellt hat, muss vermutlich der Dänische Staat für die Aufräumarbeiten aufkommen, die nach einem Mega-Erdrutsch auf einer Wiederaufbereitungsanlage für kontaminierte Erde erforderlich sind. Hinter Nordic Waste steht ein Multimillionär.

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Mit seinem Insolvenzantrag hat das dänische Unternehmen Nordic Waste einen politischen Skandal ausgelöst. Nordic Waste beschäftigt sich mit der Wiederaufbereitung kontaminierter Erde.

Nach einem Erdrutsch in dem knapp 20 Kilometer nördlich von Aarhus gelegenen Ølst, drohen sechs Millionen Tonnen verunreinigter, verseuchter Erde, die Meere, Bäche und Fjorde zu vergiften.

Durch die Insolvenz kommen möglicherweise auf die Steuerzahler Kosten in Höhe von 205 Millionen Dänische Kronen (27,45 Millionen Euro) zu. Eine Garantieleistung für die Aufräumarbeiten.

Politisch brisant ist, dass hinter dem Unternehmen der sechstreichste Mann Dänemarks, der Multimillionär Torben Østergaard-Nielsen steht. Sein Vermögen wird auf 42 Milliarden DKK (562 Millionen Euro) geschätzt.

Wenn du sehr, sehr stark bist, und man muss sagen, dass Dänemarks sechstreichster Mann es ist, dann hast du auch eine große Verantwortung, sehr, sehr gut zu sein. Und das ist etwas, was wir in diesem Fall vermissen.
Peter Hummelgaard
Dänischer Justizminister

Ihm wird vorgeworfen, sich mit dem Insolvenzantrag aus der finanziellen Verantwortung zu stehlen.

Anfang der Woche hatte das Umweltministerium gegen Nordic Waste einstweilige Verfügungen erlassen. Daraufhin erklärte das Unternehmen seinen Bankrott.

Sowohl Umweltminister Magnus Heunicke als auch Justizminister Peter Hummelgaard reagierten in aller Schärfe. Beide Minister betonten, dass die Regierung alles tun werde, um Nordic Waste für die Aufräumarbeiten zahlen zu lassen.

„Wir werden alle rechtlichen Möglichkeiten nutzen, um sicherzustellen, dass die finanzielle Verantwortung dort liegt, wo sie hingehört, nämlich beim Verursacher“, bekräftigte Umweltminister Magnus Heunicke.

Justizminister Peter Hummelgaard appellierte an das Verantwortungsbewußtsein von Multimillionär Østergaard-Nielsen: „Ich bin gerade dabei, meinen beiden Töchtern Pippi Langstrumpf vorzulesen, bevor sie schlafen gehen. Pippi hat ein sehr gutes Sprichwort: „Wenn du sehr, sehr stark bist“, und man muss sagen, dass Dänemarks sechstreichster Mann es ist, „dann hast du auch eine große Verantwortung, sehr, sehr gut zu sein. Und das ist etwas, was wir in diesem Fall vermissen.“

In einer Pressemitteilung weist Nordic Waste den Vorwurf, die Angelegenheit vertuscht zu haben, zurück. Man wolle sich stets informiert äußern. Daher habe man einen vollständigen Überblick über alle Details benötigt, bevor man zu dem Sachverhalt Stellung nehmen konnte. Es habe „keine anderen Optionen“ gegeben, als Insolvenz anzumelden.

Das giftige Erbe von Nordic Waste: Hier ist die Geschichte einer „tickenden Umweltbombe“. Das wohlhabende Umweltunternehmen Nordic Waste ist in einen der größten Umweltfälle der letzten Zeit in Dänemark verwickelt. So kam es, dass ein ganzes Dorf Gefahr läuft, mit Erde überschwemmt zu werden.

Bei einem großflächige Erdrutsch Anfang Dezember 2023 hatten sich die natürlichen Tonschichten und der Boden bewegt – insgesamt 3 Millionen Tonnen Erde. Nach Angaben des Umweltministeriums eine Umweltkatastrophe, die alles übertrifft, was man bisher in Dänemark erlebt habe.

Experten gehen davon aus, dass die Aufräumarbeiten mehrere Jahre dauern werden. Sollte der gesamte Boden entfernt werden müssen, könnte das bis zu 2,2 Milliarden DKK (295 Millionen Euro) kosten. Soviel Geld habe man nicht, betont Nordic Waste.

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