Angst vor dem Krieg: Ukraine hat Probleme bei der Mobilisierung

Der Ukraine fehlen Soldaten. Doch junge Männer wollen nicht in den Krieg ziehen. Experten warnen vor einer Zwangsmobilisierung.
Der Ukraine fehlen Soldaten. Doch junge Männer wollen nicht in den Krieg ziehen. Experten warnen vor einer Zwangsmobilisierung. Copyright AP/Ukrainian Presidential Press Office
Von Diana Resnik mit AP
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Die Ukraine hat nicht genug Soldaten. Die ukrainische Militärführung will deshalb 500.000 mehr Männer einziehen. Die ukrainische Regierung legte einen Gesetzentwurf vor, der das ermöglichen könnte. Experten warnen vor Menschenrechtsverletzungen.

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Nach zwei Jahren Krieg sind die Warteschlangen vor den Rekrutierungszentren in der Ukraine verschwunden. Mobilisierungskampagnen scheinen nicht mehr zu funktionieren. Die Armee führt jetzt auch Zwangsrekrutierungen durch. 

Obwohl Kiew keine Opferzahlen veröffentlicht, dürften seit Beginn des Krieges mindestens 70.000 ukrainische Soldaten gefallen sein, wie US-Quellen berichteten. Die gescheiterte Gegenoffensive letzten Sommer und die unzureichende Hilfe aus dem Westen dürften das ukrainische Volk zusätzlich demoralisiert haben.

Leider werden wir ohne zusätzliche Mobilisierung, ohne neue Kamaraden, nicht erfolgreich sein.

Ein Kommandeur der ukrainischen Armee, der sich Yurii nennt, erklärte: "Vor uns liegt die Aufgabe, die gesamte Ukraine zu befreien, einschließlich des Donbass und der Krim, um die Grenzen von 1991 wiederherzustellen. Die Aufgabe ist ehrgeizig und leider werden wir ohne zusätzliche Mobilisierung, ohne neue Kamaraden, nicht erfolgreich sein."

Doch die meisten jungen Ukrainer melden sich nicht freiwillig zum Militärdienst. 

Eine Zwangsmobilisierung ist nicht in Ordnung.

"Die Mobilisierung ist etwas sehr Schlimmes. Die Menschen verlieren ihre Angehörigen, und das ist schrecklich. Das kann man nicht machen. Eine Zwangsmobilisierung ist nicht in Ordnung", sagte der 17 Jahre alte Seva. 

In Militärinternaten für Jugendliche ab 15 Jahren ist die Motivation schon höher. Einige Jugendliche haben ihre Eltern im Krieg verloren. Die 16-jährige Militärinternatsschülerin Olesia ist motiviert, ihr Land zu verteidigen.

Wir müssen gemeinsam für die Freiheit kämpfen.

"Wir müssen gemeinsam für die Freiheit kämpfen und unsere Feinde, wie Russland, vernichten. Mein Traum ist es, Pilotin zu werden. Ich denke, ich werde mit einer F-16 fliegen. Das ist sehr gut möglich", so Olesia. 

Die ukrainische Militärführung will 500.000 zusätzliche Soldaten einziehen. Die ukrainische Regierung hat nun einen neuen Gesetzentwurf vorgelegt, der Kiew ermöglichen würde, mehr Personen einzuberufen und die Strafen für Wehrdienstverweigerung zu verschärfen. Der Entwurf löste eine Kontroverse aus – Rechtsexperten warnen, dass er gegen die Menschenrechte verstoße.

Gleichzeitig müssen erschöpfte Soldaten aus den Kämpfen herausgezogen werden. Inzwischen hat Präsident Wolodymyr Selenskyj dem ukrainischen Parlament einen Gesetzentwurf über die Demobilisierung von lange dienenden Wehrpflichtigen vorgelegt. Danach sollen diejenigen, deren Militärdienst über die festgelegten Fristen hinaus verlängert wurde, in die Reserve entlassen werden.

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