In der Nacht auf Freitag hat Russland Saporischschja mit einem massiven Drohnenangriff überzogen. Dutzende Gebäude wurden dabei beschädigt, Opfer gab es nach ukrainischen Angaben nicht. Der Großteil der eingesetzten Drohnen sei von der ukrainischen Luftabwehr abgefangen worden.
Russland hat in der Nacht auf Freitag Saporischschja mit zahlreichen Drohnen angegriffen und damit seine Angriffe auf zivile und energiebezogene Infrastruktur in der Ukraine fortgesetzt.
Nach Angaben des Leiters der regionalen Militärverwaltung, Iwan Fjodorow, schlugen mindestens neun russische Drohnen im Stadtgebiet ein. Zahlreiche Wohnhäuser sowie weitere zivile Einrichtungen wurden beschädigt. Verletzte habe es nicht gegeben, schrieb Fjodorow am Freitag in einem Beitrag auf Telegram.
Landesweit setzte Russland in derselben Nacht 116 Drohnen mit großer Reichweite ein. Die ukrainische Luftwaffe teilte mit, 86 dieser Flugkörper seien abgeschossen worden, 27 hätten ihre Ziele erreicht. Bereits am Vortag, dem Neujahrstag, hatte Moskau mehr als 200 Drohnen gestartet.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach davon, der Kreml wolle "den Krieg ins neue Jahr tragen", und erneuerte seinen Appell an die internationalen Partner, die Ukraine weiter zu unterstützen, damit sie ihre Bevölkerung schützen könne.
"Das Töten muss ein Ende haben. Es darf keine Unterbrechungen geben, wenn es um den Schutz von Menschenleben geht. Wenn selbst über die Feiertage weiter angegriffen wird, dann dürfen auch die Lieferungen für die Luftverteidigung nicht verzögert werden. Unsere Verbündeten verfügen über die notwendige, wenn auch knappe Ausrüstung", sagte Selenskyj.
Zugleich kündigte der Präsident für die kommenden Tage eine Reihe hochrangiger Gespräche an, darunter Treffen im Rahmen der sogenannten "Koalition der Willigen". Ziel sei es, die ukrainische Verteidigung gegen russische Angriffe zu stärken und die Linie in den laufenden Friedensgesprächen abzustimmen.
"Am 6. Januar wird ein Treffen auf Ebene der Staats und Regierungschefs stattfinden, der europäischen Partner und der Führung der Koalition der Willigen", erklärte Selenskyj. Man bereite sich intensiv darauf vor, damit das Treffen konkrete Ergebnisse bringe, die Unterstützung ausgeweitet werde und das politische Vertrauen in Sicherheitsgarantien sowie ein künftiges Friedensabkommen wachse.
"Ich danke allen, die uns dabei unterstützen", so der Präsident.
Moskaus Anschuldigungen gehen weiter
Unterdessen wies die ukrainische Armee die Vorwürfe aus Moskau zurück. Am Freitag erklärte sie, ausschließlich "militärische Ziele" angegriffen zu haben. Zuvor hatte Russland Kyjiw beschuldigt, Drohnen auf ein Hotel und ein Café im besetzten Süden der Ukraine abgefeuert zu haben.
Dabei seien 27 Menschen getötet worden.
Der Sprecher der ukrainischen Streitkräfte, Dmytro Lykhovij, warf Russland in einer Stellungnahme gegenüber der Nachrichtenagentur AFP vor, regelmäßig auf "Desinformation und falsche Darstellungen" zurückzugreifen. Die ukrainischen Streitkräfte hielten sich strikt an die Normen des humanitären Völkerrechts und griffen ausschließlich militärische Ziele des Gegners an, sagte er.
Auch der ukrainische Auslandsgeheimdienst äußerte sich am Freitag: in einer Erklärung hieß es, Russland bereite eine "groß angelegte Provokation mit menschlichen Opfern" vor. Konkrete Belege legte der Dienst jedoch nicht vor.
Die gegenseitigen Vorwürfe folgten auf Äußerungen aus dem Kreml. Präsident Wladimir Putin, Außenminister Sergej Lawrow und weitere russische Spitzenvertreter hatten erklärt, Moskau werde seine Haltung verschärfen. Hintergrund ist ein mutmaßlicher ukrainischer Drohnenangriff auf Putins Residenz in der Nacht zum Montag.
Zunächst weigerte sich Russland, dafür Beweise vorzulegen. Später veröffentlichte der Kreml ein Video, das angeblich eine der eingesetzten Drohnen zeigen soll. Ein Nachweis dafür, dass das Material tatsächlich in der Nähe von Putins Datscha aufgenommen wurde, fehlt allerdings. Euronews konnte weder die Echtheit des Videos noch den Aufnahmeort unabhängig verifizieren.
Kyjiw wies die Vorwürfe als frei erfunden zurück und warnte, sie seien Teil russischer Versuche, die jüngsten Bemühungen der USA um ein Friedensabkommen zu unterlaufen.
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas warf Moskau vor, "unbegründete Behauptungen" zu verbreiten, und sprach von einer "gezielten Ablenkung".
Auch der US-Botschafter bei der NATO, Matthew Whitaker, äußerte Zweifel an den russischen Darstellungen. Er erklärte, er wolle sich nicht auf Behauptungen verlassen, sondern Einsicht in entsprechende Geheimdienstinformationen erhalten.
"Es ist unklar, ob das tatsächlich passiert ist", sagte Whitaker in einem Interview mit Fox Business. Nach Angaben von US-Medien kommt auch die CIA in einem Bericht an Präsident Donald Trump zu dem Schluss, dass die Ukraine die Residenz des russischen Präsidenten nicht angegriffen habe.