Nicht nur Meteorologen, auch Politiker warnen vor dem herannahenden Extremwetter in Deutschland und sprechen von einer Ausnahmesituation. Manche Bundesländer befinden sich schon mittendrin. Ein Überblick mit Tipps und Hinweisen.
Das ist selten: Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat wegen des Extremwetters, das uns in Deutschland bevorsteht, zur Vorsicht gemahnt. Es stelle eine außergewöhnliche Belastung für die Gesundheit dar, sagte sie der Rheinischen Post. Auch Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder warnt: "All die, die nicht unbedingt unterwegs sein müssen, sollten zuhause bleiben", sagte Schnieder am Donnerstag bei Welt TV.
Grund ist eine gefährliche Wetterlage: Ab Donnerstagabend zieht Sturmtief Elli über Deutschland und sorgt für starken Schneefall und stürmische Winde.
Die deutschen Haushalte haben sich offenbar schon gewappnet: Streusalz und andere Auftaumittel sind in vielen Baumärkten derzeit vorübergehend nicht vorrätig. Händler wie Hornbach, Hagebau, Obi und Bauhaus berichten von hoher Nachfrage, erwarten jedoch schnellen Nachschub.
Umweltschützer warnen vor dem Einsatz von Streusalz und raten stattdessen zu Sand oder zertifiziertem Streugut. Streusalz kann u.a. für Vögel und kleine Säugetiere toxisch sein, wenn es aufgenommen wird. In mehreren Bundesländern ist die Verwendung von Streusalz verboten, in Hamburg wurde das Verbot vorübergehend aufgehoben. Übrigens: Bei sehr kalten Temperaturen hilft Streusalz eher als vorbeugendes Mittel, um die Bildung einer Eisschicht zu verzögern, statt bereits vorhandenes Eis schnell zu schmelzen. Ab -10 Grad nimmt die Wirkung rapide ab.
In Marienberg-Kühnhaide wurden am Donnerstagmorgen nach Angaben des MDR minus 27,8 Grad gemessen. Der sächsische Ort gilt als der kälteste dauerhaft bewohnte Ort Deutschlands.
Nach Angaben von Meteorologen wird am Freitag vor allem, aber nicht nur, der Norden betroffen sein. In Niedersachsen und Hamburg wird es demnach voraussichtlich die größten Probleme geben. In diesen Regionen treffen Schnee, niedrige Temperaturen und Eisregen zusammen. Gefrierender Schneeregen fällt in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen. In Bayern, Nordrhein-Westfalen und Baden‑Württemberg besteht zusätzlich die Gefahr von Eisregen. Überall gilt: Vorsicht auf glatten Straßen!
Die Katwarn-App hat eine Meldung mit dem Hinweis auf "Gefahr für Leib und Leben" herausgegeben, durch eine stark erhöhte Schneedecke bis hin zu blockierten Verkehrswegen und stark eingeschränkter Sichtweite.
Für manchen ist in diesen Tagen der Weg zur Schule oder in die Arbeit nicht zumutbar. Öffentliche Verkehrsmittel fallen aus oder sind massiv verspätet.
In vielen Schulen fällt Präsenzunterricht aus
Hamburg: Für alle Schulen wurde wetterbedingt ein Unterrichtsausfall angekündigt. Notbetreuung (z. B. für Klassen bis 6) wird angeboten.
Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher ruft dazu auf, am morgigen Freitag unnötige Wege und aufschiebbare Termine zu vermeiden und spricht von einer "Ausnahmesituation".
Auch in Niedersachsen bleiben die Schulen wegen des Wetters am Freitag für den regulären Schulbetrieb geschlossen. Während es an einigen Schulen ersatzweise Distanzunterricht gibt, fällt der Unterricht an anderen aus, wie aus einer Übersicht der Verkehrsmanagementzentrale Niedersachsen und Mitteilungen der Landkreise und Städte hervorgeht.
Bremen: Auch hier bleiben die Schulen wegen Schnee und Glätte geschlossen bzw. es wird Distanzunterricht angeboten.
Nordfriesische Inseln: Auf Föhr und Amrum fällt der Schulunterricht komplett aus, weil Busverbindungen eingestellt wurden und der Schulweg nicht sicher ist.
Berliner Schüler dürfen am Freitag zu Hause bleiben, wenn die Eltern zustimmen. Aufgrund der "extremen Wetterlage mit starkem Schneefall" hat die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie die Präsenzpflicht für Freitag aufgehoben.
Für Nordrhein-Westfalen wurden noch wurden keine flächendeckenden Ausfälle gemeldet, aber bei extremem Schnee bzw. Glätte können Bezirksregierungen/Schulleitungen Unterricht aussetzen oder Distanzunterricht anordnen. Die Entscheidung erfolgt region- bzw. schulbezogen.
Bayern:Bisher wurden keine großflächigen Schulausfälle gemeldet, aber prinzipiell sind welche möglich bei gefährlichen Straßenverhältnissen oder extremen Bedingungen (regionale Entscheidungen). Einzelne Fälle (etwa wegen Heizungsausfall) wurden gemeldet. Unter diesem Link informiert das bayerische Kultusministerium über Schulausfälle.
In Bundesländern wie Baden-Württemberg, Hessen, Sachsen, Thüringen etc. gab es bislang keine flächendeckenden Meldungen über wetterbedingte Schulschließungen — der Unterricht findet in der Regel regulär statt. Allerdings kann es kurzfristige lokale Entscheidungen geben, vor allem wenn der Schulweg gefährlich ist. Vorsicht: Im Schwarzwald sind Sturmböen von bis zu 130 Kilometern pro Stunde möglich.
Wo über Schulausfälle und Zugverspätungen informieren?
Gerade bei kurzfristigem Schulausfall geben regionale Bezirksregierungen, Schulträger-Websites oder lokale Warn-Apps wie BIWAPP oder NINA aktuelle Informationen zu konkreten Schulausfällen vor Ort.
Übrigens: Eltern können Kinder bei Gefährdung auch ohne offiziellen Ausfall zu Hause lassen, wenn der Schulweg unzumutbar ist, ohne dass Fehlzeiten als unentschuldigt gelten.
Auch im Regionalverkehr sowie im Nahverkehr muss mit Ausfällen, Verspätungen und Taktänderungen gerechnet werden. Schneeverwehungen und Glätte können dazu führen, dass Linien nicht nach Plan verkehren oder vorzeitig enden.
Der Verkehr zwischen dem Festland und der Insel Langeoog wird am Freitag vollständig eingestellt.
Auch die Nordseeinsel Wangerooge ist am Freitag nicht mit dem Schiff erreichbar. Die Deutsche Bahn, die den Fährverkehr über eine Tochtergesellschaft betreibt, sagte die jeweils zwei geplanten Abfahrten von und zur Insel ab. Ebenso entfallen die Fährverbindungen von und zu Spiekeroog.
Auf romantischen Waldspaziergang lieber verzichten
Am Freitag wird zudem der Fährverkehr zwischen der ostfriesischen Insel Juist und dem Festland sowie zur Nachbarinsel Norderney eingestellt.
Die DB Störungskarte hält Bahnkunden auf dem Laufenden.
Zwar klingt es romantisch, aber ein Spaziergang im Wald ist bei dieser Wetterlage nicht empfohlen: Wind und schwere Schneelasten können Äste oder sogar ganze Bäume zum Abknicken bringen.
Das extreme Winterwetter hält auch das Wochenende über an: Spätestens am Samstag ist ganz Deutschland von der Wetterlage betroffen. Nach Aussage des Meteorologen Dominik Jung kommt in der Nacht zu Samstag der Schnee im Süden und Südwesten zurück. Erwartet werden große Schneemengen, von Nordrhein-Westfalen über Baden‑Württemberg bis nach Bayern.