Das russische Außenministerium hat den polnischen Botschafter einbestellt. Es geht um die Inhaftierung eines russischen Archäologen in Polen. Er soll eine Kulturerbestätte auf der Krim zerstört haben.
Aus Protest gegen die Verhaftung des russischen Archäologen Alexander Butyagin in Polen hat das russische Außenministerium den polnischen Botschafter in Russland, Krzysztof Krajewski, einbestellt. Ein Sprecher des polnischen Außenministeriums bestätigte:
"Der Botschafter der Republik Polen wurde am 12. Januar dieses Jahres in das Außenministerium der Russischen Föderation einbestellt. Während des Treffens legte die russische Seite ihren Standpunkt zur Festnahme eines Bürgers der Russischen Föderation Anfang Dezember 2025 dar, der im Zusammenhang mit seinen Aktivitäten auf dem Territorium der Ukraine gesucht wird".
Der Sprecher fügte hinzu, dass "auf polnischer Seite der Fall im Einklang mit den geltenden Verfahren behandelt wird". Er machte jedoch keine Angaben zu den Einzelheiten dieser Verfahren.
Russland fordert Freilassung des Archäologen
Alexander Butyagin wurde am 4. Dezember 2025 auf Ersuchen der Ukraine von der Agentur für innere Sicherheit in Warschau festgenommen. Zu dieser Zeit befand er sich auf einer Europareise, auf der er Vorträge hielt. Er besuchte Polen auf seinem Weg von den Niederlanden in den Balkan. Er wurde von der Staatsanwaltschaft in Warschau vernommen. Diese stellte einen Antrag auf Untersuchungshaft für den Archäologen, dem das Gericht zustimmte.
Der Archäologe wird von den ukrainischen Behörden verdächtigt, eine Kulturerbestätte auf der besetzten Krim zerstört zu haben. Russland weist die Anschuldigungen zurück, hält sie für "absurd" und fordert die sofortige Freilassung des russischen Staatsbürgers.
Das russische Außenministerium teilte in einer Erklärung mit:
"Die Russische Föderation fordert die sofortige Freilassung des russischen Staatsbürgers und die Weigerung, ihn der Strafmaschinerie des Kiewer Regimes zu übergeben, die nichts mit Gerechtigkeit zu tun hat."
Die russische Seite betonte, die Anschuldigungen der ukrainischen Behörden seien "absurd, offen politisiert und spekulativer Natur und beziehen sich auf seine wissenschaftliche Tätigkeit im Rahmen einer archäologischen Expedition auf der Krim".
Ukraine beschuldigt Butyagin der Beschädigung einer archäologischen Stätte
Butyagin, ein Mitarbeiter des renommierten Eremitage-Museums in St. Petersburg, war von 2014 bis 2019 Leiter der Abteilung für Antike Archäologie der nördlichen Schwarzmeerregion. Nach Angaben der ukrainischen Staatsanwaltschaft führte er Ausgrabungsarbeiten im archäologischen Komplex "Antike Stadt Myrmekion" in Kertsch, Krim, ohne die entsprechenden Genehmigungen durch. Diese Arbeiten sollen zur teilweisen Zerstörung der archäologischen Stätte geführt haben, wobei der Schaden auf umgerechnet fast 4 Millionen Euro geschätzt wird.
Nachdem er von den polnischen Behörden festgenommen worden war, weigerte sich der Archäologe, eine Erklärung abzugeben. Wie die Polnische Presseagentur berichtet, verlängerte ein Gericht in Warschau seine Untersuchungshaft bis zum 4. März 2026, und ein Antrag auf seine Auslieferung an die Ukraine soll am 15. Januar geprüft werden.