Der Januar hat in Deutschland bereits Kälterekorde gebrochen. Nach milderen Temperaturen könnte zum Ende des Monats jedoch der nächste Wintereinbruch kommen. Experten rechnen mit Tiefstwerten von bis zu minus 20 Grad, insbesondere im Osten des Landes. Grund dafür ist eine Spaltung des Polarwirbels.
Der Winter 2026 läuft nicht so, wie viele frühe Prognosen es nahegelegt hatten. Nach einem Januar mit ungewöhnlich tiefen Temperaturen ist es zwar gerade etwas milder. Doch schon Ende des Monats könnte die nächste Kältewelle Deutschland und weite Teile Mitteleuropas treffen.
Nach Einschätzung von Weather.com könnte arktisch-sibirische Luft um den 24. Januar nach Deutschland vordringen. Je nach Region sind dabei Tiefstwerte bis etwa minus 20 Grad möglich – vor allem im Osten, während der Westen oft etwas weniger stark auskühlt. Die kalte Phase könnte sich bis Mitte Februar hinziehen. Schnee ist anfangs aber nicht zwingend wahrscheinlich, weil die Luft häufig sehr trocken ist.
Was in Europa gerade passiert
Der Auslöser ist vereinfacht gesagt eine Wetter-„Blockade“ über Europa. Ein kräftiges Hochdruckgebiet über Skandinavien kann wie ein Stoppschild wirken: Es bremst die Westwinde, die sonst milde Atlantikluft nach Mitteleuropa bringen. Stattdessen dreht die Strömung auf Ost bis Nordost. Dann strömt trockene, kontinentale Kaltluft ein, oft mit viel Sonne, aber mit Nächten, in denen es schnell eisig kalt wird. Der Ostwind kann die Kälte zusätzlich scharf wirken lassen.
Der Blick nach Osteuropa macht deutlich, wie nah die großen Kaltluftmassen derzeit an Europa heranreichen. In Moskau werden in der kommenden Woche Temperaturen um die minus 30 Grad erwartet. Ob und wie weit diese Kälte nach Westen vorstößt, hängt davon ab, wie stabil die Hochdruckgebiete liegen und ob sie die „Kältetür“ nach Mitteleuropa offenhalten.
Wenn Sibirien Luft holt: Polarwirbel als Türöffner für die Kälte
Zusätzliche Spannung kommt aus großer Höhe: Der Polarwirbel hat starken Einfluss darauf, ob Kaltluft über längere Zeit im Norden gebunden bleibt oder leichter nach Süden ausbrechen kann. Ist dieses Starkwind-System über der Arktis und Sibirien stabil, wird die Kälte eher zusammengehalten. Gerät es aber wie von Experten prognostiziert ins Wanken oder spaltet sich, wird das Strömungsmuster unruhiger – und Kaltluft kann in Schüben Richtung Europa ausgreifen. In Kombination mit einem Skandinavien-Hoch erhöht das die Chance, dass arktisch-sibirische Luftmassen länger präsent bleiben.
Aber auch das Gegenteil bleibt möglich: Meteorologen halten eine rasche Erwärmung in der zweiten Februarhälfte für denkbar. Europa pendelt damit zwischen zwei Polen – blockierende Hochs im Norden und der Frage, ob der Atlantik mit milder Luft zurückkommt oder die Kälte aus Nordost noch einmal nachlegt. Das macht die Lage schwer planbar – und erhöht das Risiko für kurzfristige Probleme auf Straßen und Schienen.