Wegen vermeintlicher Polizeigewalt verließ die Hertha BSC-Fanszene am Wochenende gesammelt das Stadion. Nun hat sich Berlins Innensenatorin eingeschaltet und versucht zwischen Verein und Polizei zu vermitteln.
52 Verletzte, davon 31 Hertha-Fans und 21 Polizisten – die Bilanz des Zweitliga-Topspiels von Hertha BSC gegen Schalke 04 am vergangenen Wochenende. Doch wer Schuld an der Eskalation zwischen Polizei und Fans trägt, darüber herrscht weiterhin Uneinigkeit.
Um Klarheit in den Konflikt zu bringen, trafen sich heute unter anderem Berlins Innensenatorin Iris Spranger, Berlins Polizeivizepräsident Marco Langner und Hertha BSC-Chef Peter Görlich.
"Ich habe in dem Gespräch klargemacht, dass es in Berlin keine rechtsfreien Räume gibt. Gewalt gegen Einsatzkräfte werde ich nicht hinnehmen", so Spranger zu Euronews. Das Gespräch sei "sehr gut" und "konstruktiv" gewesen. Beide Seiten – Polizei und Hertha BSC – hätten regelmäßige Sicherheitsgespräche vereinbart sowie eine Nachbereitung des Spiels. Zur Schuldfrage äußerte sich Spranger nicht.
Aus Sicht der Fanhilfe ging die Gewalt klar von den Einsatzkräften aus. Schon beim Betreten des Stadions sei es zu "ersten Provokationen durch die Polizei gekommen", so Fritz Müller, Sprecher der Fanhilfe Hertha BSC, zu Euronews. Zahlreiche Fans versammelten sich im Eingangsbereich zur Ostkurve, der Heimat der Ultras.
Dort kam es zu einer Festnahme durch die Polizei "sowie weitere Gängelungen und Beleidigungen. Dadurch wurde sehr schnell deutlich, dass die Polizei, wie auch schon bei vorherigen Spielen, weiterhin auf Eskalation setzt."
Auf die Festnahme folgten Faustschläge und der Einsatz von Pfefferspray. Fans warfen Plastik- und Glasflaschen, so die Polizei. "Die Einsatzkräfte wurden mit Fahnen- und Holzstangen sowie mit Stuhlverankerungen angegriffen und geschlagen. Darüber hinaus erfolgten Würfe von Absperrgittern und Metallmülleimern auf die Einsatzkräfte", heißt es in einer Pressemitteilung der Polizei. Fünf Personen wurden wegen Verdachts auf schweren Landfriedensbruch verhaftet.
Vier Personen mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden, so die Fanhilfe. Eine Person habe kurzzeitig das Bewusstsein verloren.
Nach den Auseinandersetzungen führte die Berliner Fanszene noch eine Choreografie in Gedenken an den verstorbenen ehemaligen Präsidenten Kay Bernstein auf. Das Spiel fand kurz nach seinem Todestag statt. Anschließend verließ die Ostkurve geschlossen das Stadion. Die Fans von Schalke 04 schlossen sich an. Eine Aufklärung scheint noch nicht in Sicht.