Etwa 40 Prozent der Deutschen arbeiten in Teilzeit, bei Frauen fällt der Anteil deutlich höher aus. Sie führen mangelnde Kinderbetreuung und Pflegeinfrastruktur als Gründe an.
In einem Antrag für den CDU-Bundesparteitag Ende Februar fordert der Wirtschaftsflügel der CDU, die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT), den gesetzlichen Rechtsanspruch auf Teilzeitarbeit deutlich einzuschränken. Künftig soll Teilzeit nur noch in "besonderen Fällen" möglich sein – etwa bei der Betreuung von Kindern, der Pflege von Angehörigen oder für Weiterbildungen, so das Magazin Stern, dem der Antrag vorliegt.
Freiwillige Teilzeit aus Gründen der persönlichen Lebensgestaltung lehnt die MIT ausdrücklich ab. Zur Begründung verweist sie auf den Fachkräftemangel und die Belastung der Sozialsysteme. Die Vorsitzende der MIT, Gitta Connemann, erklärte, wer mehr arbeiten könne, solle auch mehr arbeiten. Dauerhaft dürfe freiwillige Teilzeit nicht durch den Sozialstaat abgesichert werden.
Derzeit haben Beschäftigte in Deutschland grundsätzlich das Recht, ihre Arbeitszeit zu reduzieren, sofern das Arbeitsverhältnis länger als sechs Monate besteht und keine betrieblichen Gründe entgegenstehen. Dieses Recht will die MIT nun aufheben und stärker der individuellen Verhandlung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern überlassen.
Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bemängelte mehrfach öffentlich die seiner Ansicht nach fehlende Leistungsbereitschaft der Deutschen. Es werde zu wenig gearbeitet und sich zu häufig krankgemeldet.
Kritik aus Opposition und eigener Partei
Der Vorstoß stößt auf breite Kritik – nicht nur bei SPD, Grünen und Linken, sondern auch innerhalb der CDU. Der Vorsitzende des CDU-Sozialflügels, Dennis Radtke, warnte davor, das Problem falsch anzugehen, so die Funke-Mediengruppe. Ziel müsse es zwar sein, mehr Menschen den Wechsel in Vollzeit zu ermöglichen, sagte er. Dafür brauche es jedoch bessere Rahmenbedingungen bei Kinderbetreuung und Pflege. Eine Einschränkung des Teilzeitrechts sei der falsche Weg und widerspreche dem christdemokratischen Grundsatz der Wahlfreiheit.
Auch Vertreter anderer Parteien sehen den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Gefahr. Kritiker werfen dem Wirtschaftsflügel vor, reale Lebensumstände auszublenden und Teilzeit pauschal als Ausdruck mangelnder Leistungsbereitschaft darzustellen. Insbesondere Frauen und ältere Beschäftigte würden dadurch unter Druck gesetzt.
Tatsächlich arbeitet ein wachsender Teil der Beschäftigten in Deutschland in Teilzeit. 2025 lag die Teilzeitquote bei rund 40 Prozent, bei Frauen sogar deutlich höher. Nach Erkenntnissen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung hat dies jedoch nicht zu einem Rückgang des gesamten Arbeitsvolumens geführt. Teilzeitbeschäftigte leisten heute im Durchschnitt mehr Wochenstunden als noch vor einigen Jahren.
Zudem zeigen Umfragen, dass viele Menschen ihre Arbeitszeit gern erhöhen würden – sofern Betreuungsangebote, Pflegeinfrastruktur und flexible Arbeitsmodelle verbessert würden. Kritiker des CDU-Vorstoßes sehen darin den eigentlichen Hebel zur Bekämpfung des Fachkräftemangels.