Zypern rüstet das Aufnahmezentrum Pournara für die neue EU-Asylreform auf: Künftig sollen alle Asylsuchenden an der Außengrenze bis zu sieben Tage lang in geschlossenen Zentren überprüft werden. Danach entscheidet sich, ob das reguläre Asylverfahren oder ein beschleunigtes Grenzverfahren greift.
Die Europäische Union plant eine umfassende Reform ihres Asylsystems, die voraussichtlich im Juni in Kraft treten wird. Künftig sollen alle Asylsuchenden an den EU-Außengrenzen ein verpflichtendes Screening durchlaufen. Dabei werden innerhalb von bis zu sieben Tagen Identität und Gesundheitszustand geprüft, außerdem werden die Menschen registriert und ihre Fingerabdrücke abgenommen. Während dieser Zeit bleiben sie in einem geschlossenen Aufnahmezentrum, das sie nicht frei verlassen können.
Auch Zypern stellt sich auf die neuen Regeln ein und baut das Aufnahmezentrum Pournara aus. Ein neuer, größtenteils von der EU finanzierter Bereich soll künftig ausschließlich für das Screening genutzt werden. Am Ende dieser Eingangskontrolle entscheidet die Behörde, ob jemand in das reguläre Asylverfahren überführt wird oder ob ein beschleunigtes Grenzverfahren greift.
Anna Maria Poulou, Sprecherin der zypriotischen Asylbehörde, beschreibt den Ablauf so: Nach der Registrierung folgen medizinische Untersuchungen, dann wird der Antrag auf internationalen Schutz gestellt. Anschließend wird geprüft, ob eine besondere Schutzbedürftigkeit vorliegt, und es werden Fingerabdrücke genommen.
Kyriakos Michael von der Asylbehörde erklärt, dass das beschleunigte Verfahren vor allem Menschen aus Herkunftsländern betreffen soll, deren Anerkennungsquote bei Asylanträgen unter 20 Prozent liegt – also Länder, aus denen statistisch nur wenige Schutz erhalten. Sobald eine Entscheidung getroffen ist, werden die Betroffenen in ein anderes Zentrum weitergeleitet, um entweder das Rückführungsverfahren zu durchlaufen oder gegen die Entscheidung vor Gericht vorzugehen.
Derzeit bietet Pournara im Hauptbereich Platz für 500 Personen. Zusätzlich stehen wegen der Bauarbeiten vorübergehend Notfallzonen für rund 900 weitere zur Verfügung. Nach Abschluss des Projekts soll die reguläre Gesamtkapazität 1.240 Plätze betragen; die Notfallbereiche mit weiteren 900 Plätzen bleiben für Krisensituationen erhalten.
Für einen möglichen Massenzustrom wurden außerdem provisorische Unterkünfte wie Zelte vorbereitet, um kurzfristig zusätzlichen Bedarf abdecken zu können. Insgesamt soll Pournara zum zentralen „Tor“ für alle Asylsuchenden in Zypern werden und die Ankünfte künftig im Einklang mit den neuen EU-Vorgaben strukturierter verwalten.