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"Weekend Snipers" in Sarajevo: Mordermittlungen gegen 80-Jährigen

Mirsad Hozbo, 29, springt aus dem Führerhaus eines Lieferwagens, als er im Zentrum von Sarajevo von Scharfschützen beschossen wird, Donnerstag, 8. Juni 1995
Mirsad Hozbo, 29, springt aus dem Führerhaus eines Lieferwagens, als er im Zentrum von Sarajevo von Scharfschützen beschossen wird, Donnerstag, 8. Juni 1995 Copyright  AP Photo
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Von Stefania De Michele
Zuerst veröffentlicht am
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Ein 80-jähriger Mann aus der Provinz Pordenone ist im Rahmen der italienischen Ermittlungen zu den so genannten "Weekend Snipers" oder "Hobby-Scharfschützen" vorgeladen worden. Zwischen 1992 und 1995 während der Belagerung von Sarajevo haben offenbar Italiener auf Zivilisten geschossen.

Ein 80-jähriger ehemaliger Lkw-Fahrer aus der Provinz Pordenone ist in den italienischen Ermittlungen gegen die so genannten "Hobby-Scharfschützen" oder "Weekend Snipers" vorgeladen worden. Während der Belagerung von Sarajewo zwischen 1992 und 1995 sollen Touristen Menschen ermordet haben. Unter den Opfern waren Zivilisten, darunter Frauen, ältere Menschen und Kinder.

Das Verhör ist für den kommenden Montag vorgesehen.

Ursprünge der Ermittlungen zu den "Safaris"

Die Ermittlungen wurden in den vergangenen Monaten wegen einer Anzeige des Schriftstellers Ezio Gavazzeni eingeleitet, der von den Rechtsanwälten Nicola Brigida und Guido Salvini unterstützt wird. Zu den in einem vorgelegten Dokument zitierten Quellen gehören Aussagen des ehemaligen bosnischen Ex-Soldaten und Agenten Edin Subasic, der von damaligen Kontakten zum italienischen Geheimdienst Sismi berichtete.

Subasic erklärte, dass die bosnischen Dienste ihre italienischen Kollegen bereits Anfang 1994 über die Existenz von "touristischen Jägern" aus Triest informiert hätten. Der Geheimdienst habe später erklärt, so seine Aussage, dass diese grausamen "Safaris" "unterbrochen" würden.

Geheimdienst-Dokumente und Zeugenaussagen

Die Ermittler haben internationale Kontakte aufgenommen, um weitere Unterlagen zu erhalten, die für die Rekonstruktion der Verantwortlichkeiten gebraucht werden. Im Mittelpunkt der Ermittlungen stehen auch mögliche Dokumente des Geheimdienstes Sismi (jetzt Aisi) und Zeugenaussagen aus dem Dokumentarfilm "Sarajevo Safari" von Miran Zupancic (2022).

Zu den gesammelten Zeugenaussagen gehören auch die eines gefangenen serbischen Soldaten, der aus erster Hand berichtete, dass Italiener aus Mailand, Turin und Triest in Sarajevo an Schießübungen teilgenommen hatten.

Politische Verwicklung

In der Vergangenheit hatte der kroatische Enthüllungsjournalist Domagoj Margetic eine Klage gegen den serbischen Präsidenten Aleksandar Vučić angekündigt, in der er behauptete, er habe als junger Freiwilliger an militärischen Schießübungen in Sarajevo teilgenommen. Außerdem wurden in der Anzeige des ehemaligen Bürgermeisters von Sarajevo, Benjamina Karic, mindestens fünf Namen genannt, die mit den "Weekend Snipers" in Verbindung stehen.

Die italienische Untersuchung ist ein Schritt nach vorn auf der Suche nach Gerechtigkeit für die während der Belagerung begangenen Gräueltaten, und die bevorstehende Vernehmung des 80-Jährigen könnte weitere Hinweise auf die individuelle Verantwortung der Beteiligten liefern.

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