Der WWF Griechenland zeigt mit einem neuen Fischratgeber, wie nachhaltiger Konsum im Alltag funktionieren kann. Der Leitfaden teilt Fisch und Meeresfrüchte in vier Kategorien ein und erklärt, welche Arten wann auf den Teller gehören.
Der WWF Hellas hat seinen vollständig aktualisierten "Fish Guide" vorgestellt. Der Leitfaden soll Menschen, die Fisch und Meeresfrüchte essen, dabei helfen, nachhaltigere Entscheidungen zu treffen und gleichzeitig zum Schutz der Meere beizutragen. Für den deutschsprachigen Raum bietet der WWF im Internet einen "Food Guide" an.
Der "Fish Guide" umfasst mehr als 100 Fisch- und Meeresarten, die auf dem Markt weit verbreitet sind, sowie einige bislang weniger genutzte Arten, die künftig stärker auf dem Speiseplan stehen könnten. Die Arten werden in vier Gruppen eingeordnet: mediterrane Arten, gebietsfremde Arten, Arten aus Aquakultur und importierte Arten.
Der Leitfaden gibt außerdem praktische Hinweise zur Saisonalität. Er zeigt, wann bestimmte Fische und Meeresfrüchte verantwortungsvoll gekauft werden können – und in welchen Monaten man sie meiden sollte, etwa weil sie sich fortpflanzen oder nicht gefangen werden dürfen.
"In erster Linie wollen wir, dass die Menschen informiert und aufgeklärt sind. Sie sollen lernen, ihre Meeresfrüchte richtig und verantwortungsvoll auszuwählen. Das heißt: welchen Fisch sie wählen sollten, in welcher Größe und zu welcher Jahreszeit. Wichtig ist auch der Blick auf die Umwelt. Denn wir oder die Generation vor uns haben ein gesundes Meer geerbt. Wir müssen es zumindest in diesem Zustand erhalten – oder dafür sorgen, dass es besser wird", erklärt Elias Margaritis, Fischereibeauftragter beim WWF Griechenland, im Gespräch mit Euronews.
Da die Größe eines Fisches Rückschlüsse auf sein Alter zulässt und darauf, ob er bereits mindestens einmal gelaicht hat, enthält der Leitfaden auch Angaben zur gesetzlichen Mindestgröße der einzelnen Arten. Zusätzlich nennt er die Größe bei der ersten Laichreife. Verbraucher sollen so besser einschätzen können, ob ein Fisch verantwortungsvoll gekauft und gegessen werden kann.
Zum ersten Mal enthält der Leitfaden ein eigenes Kapitel über gebietsfremde Arten. Sie kommen infolge menschlicher Eingriffe wie Klimawandel und Überfischung zunehmend in den griechischen Meeren vor. Nach jüngsten Daten wurden in Griechenland bislang mehr als 240 gebietsfremde Arten nachgewiesen.
Viele von ihnen breiten sich schnell aus und können sowohl der Meeresumwelt als auch den Fischern schaden, etwa weil sie mit heimischen Arten um Nahrung konkurrieren oder Fanggeräte beschädigen. Ihr Verzehr gilt deshalb zunehmend als ein Baustein, um sich an den Klimawandel anzupassen und die Artenvielfalt zu schützen.
"Wenn man etwas nicht kennt und das Wort "gebietsfremd" hört, entsteht leider schnell Angst. Dabei gibt es viele Arten, die sehr schmackhaft sind, etwa die sogenannte Deutsche Sardine, die nicht heimische Meeräsche oder der Trompetenfisch. In den südlichen Regionen kommen sie inzwischen in großen Mengen vor, aber auch auf dem Peloponnes und im Ionischen Meer. Außerdem haben sie ein sehr gutes Nährwertprofil", sagt Margaritis.
Der Leitfaden legt deshalb auch besonderen Wert auf den Nährwert der aufgeführten Arten. Er liefert Informationen zu Inhaltsstoffen wie Eiweiß, Omega-3-Fettsäuren, Energie und Vitaminen. Damit soll er nicht nur beim nachhaltigen Einkauf helfen, sondern auch zeigen, welche weniger bekannten Arten ernährungsphysiologisch interessant sein können.
Auch in der Gastronomie wächst das Interesse daran, gebietsfremde Arten stärker zu nutzen. Einige Köche versuchen bereits, sie schrittweise in ihre Speisekarten aufzunehmen.
"Wir müssen bedenken, dass wir in zwei Jahren vielleicht nicht einmal mehr genug Fisch in unseren Läden anbieten können. Deshalb müssen wir gebietsfremde Fischarten langsam in die Speisekarten integrieren, damit die Menschen sie kennenlernen. Wir sollten ihnen nicht immer nur das geben, was sie verlangen. Wir können nicht das ganze Jahr über Tintenfisch, Meeräsche, Kalmar und all diese Arten anbieten. Deshalb müssen wir unsere Speisekarten anpassen – und die Menschen Schritt für Schritt daran gewöhnen", sagt Chefkoch George Koutlis.
Was sagen Menschen in Griechenland zum Fisch?
Für die Aktualisierung des "Fish Guide" führte der WWF in Griechenland auch eine landesweite Meinungsumfrage durch. Sie sollte zeigen, was Verbraucher über den Kauf von Fisch und Meeresfrüchten wissen und welche Haltung sie dazu haben. Den Ergebnissen zufolge schätzt die griechische Bevölkerung den Nährwert und den Geschmack von Fisch und Meeresfrüchten sehr. Nach Obst und Gemüse stehen sie an dritter Stelle. Etwa jeder Zweite isst einmal pro Woche Fisch oder Meeresfrüchte. Unter jungen Menschen ist der Konsum dagegen weniger verbreitet.
Gleichzeitig interessieren sich etwa sechs von zehn Menschen in Griechenland für verantwortungsvollen Fischkonsum oder machen sich darüber Sorgen. Jeder Zweite weiß jedoch nichts von der Existenz nicht heimischer Fischarten. Der WWF will diese Wissenslücke mit dem Leitfaden schließen.
Der "Fish Guide" wird regelmäßig aktualisiert und berücksichtigt die neuesten wissenschaftlichen Daten. Er richtet sich an Verbraucher, Gastronomen, Fischer und Händler. Ziel ist es, die gemeinsame Verantwortung für den Erhalt der Meeresressourcen zu stärken – durch kleine, aber bewusste Veränderungen im Alltag.